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Winzern in die Bottiche schauen

Im Elbland hat die Weinlese begonnen. Die Winzer erwarten für den Jahrgang 2003 eine gute Qualität. Die Sonne tat den Trauben gut. Beim „Tag des offenen Weingutes“ können Besucher am Wochenende den Weinbauern in Keller, Bottiche und Gläser schauen.

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Von Jürgen Müller

„Es kann noch viel passieren. Wie der Jahrgang ausfällt, dass wissen wir erst, wenn der Wein im Keller ist“. Steffen Seiler, der Außenbereichsleiter im Weingut Schloss Proschwitz Prinz zur Lippe, ist vorsichtig mit Prognosen. Auf 55 Hektar stehen hier die Rebstöcke. Rund 250 000 Liter Rebensaft verlassen jedes Jahr das Weingut. Doch nicht Quantität, sondern Qualität ist für die Proschwitzer das A und O. Deshalb haben sie Trauben herausgeschnitten. „Was nützt uns eine gute Lese, wenn die Stöcke zusammenbrechen?“ sagt Seiler. „Die Trauben sind gesund, wir erwarten hohe Mostgewichte“, so Seiler. Aufpassen müssen die Winzer aber, dass der Säuregehalt nicht zu sehr nach unten geht. Deshalb werde eher als sonst gelesen, damit die Trauben nicht zu viel Gewicht bekommen.

Trockenschäden hat die Sächsische Winzergenossenschaft Meißen zu verzeichnen. „Sie halten sich aber in Grenzen. Wir rechnen auf unseren 160 Hektar mit einem Ertrag von 1 000 Tonnen, das ist etwa so viel wie im Vorjahr“, sagt Geschäftsführer Lutz Krüger. Zur Qualität will er sich nicht festlegen. „Das ist im Moment alles Spekulation.“ Regen täte den späten Sorten aber sehr gut.

„Es wird ein besonderer Jahrgang“. Ulrike Schröter, die Pressesprecherin vom Sächsischen Staatsweingut Schloss Wackerbarth in Radebeul, ist optimistisch. „Wir haben frühzeitig den Ertrag reduziert, um eine hohe Qualität zu erreichen“, sagt sie. Klasse geht vor Masse. Durch das Ausschneiden werden die verbleibenden Trauben stärker mit Nährstoffen versorgt. Dies fördert das Wachstum und sorgt für ein gutes Aroma. Erst am 4. September beginnt bei Wackerbarth die Lese, überwiegend in Handarbeit. Auf 93 Hektar haben die Radebeuler Trauben angebaut. „Der Wein wird eine Qualität haben, die Freude macht“, verspricht Schröter.

Von der Anbaufläche und dem Ertrag kann sich Steffen Loose aus Gröbern mit diesen Betrieben nicht messen. Er gehört zu den kleinsten im Elbland, bewirtschaftet 2,5 Hektar. „Vor allem dem Rotwein bekam der Sonnenschein gut, er hat viel Zucker in den Beeren eingelagert“, sagt er. An fast der Hälfte der Rebstöcke von Loose wächst der rote Wein. Die Südhanglage eignet sich für diese Sorten besonders gut. Die Rebstöcke hängen voll, allerdings sind die Trauben kleiner als sonst. Deshalb werden die Erträge auf seinem Weinberg wohl auch geringer sein als im vorigen Jahr, schätzt Loose. An Gaststätten von Riesa bis Bad Schandau liefert er seine Weine. Auch in Dresdner oder Leipziger Märkten sind sie zu haben. Und selbstverständlich im Weingut in Gröbern. Loose ist Seiteneinsteiger, hat Werkzeugmacher gelernt, war viele Jahre lang in einer Vertriebsfirma tätig. Weinbauer wurde der 39-Jährige durch einen Zufall. Das ein Hektar große Land, dass die Familie besaß, wurde in den 70er Jahren von der LPG mit Weinstöcken bebaut. Nach der Wende erhielt die Familie das Land zurück, pachtete Flächen dazu. „Ich habe das Hobby zu Leidenschaft entwickelt und zum Beruf gemacht. Schließlich wollte ich nicht bis zur Rente Schrauben und Dübel verkaufen“, sagt er. Und setzte sich mit 36 Jahren noch einmal auf die Schulbank, holte in Würzburg eine Winzerlehre nach. Am Wochenende beim „Tag des offenen Weingutes“ können alle Sorten von Looses Weinen gekostet werden. Dazu gibt´s Zwiebelkuchen. Traktorrundfahrten mit Opa über den Weinberg stehen ebenso auf dem Programm. Wer möchte, kann eine Patenschaft über einen Rebstock abschließen.