merken
PLUS

Sachsen

Wir alle bringen Tante Emma um

Der sächsische Einzelhandel stirbt langsam aus - und wir sind schuld. Ein Kommentar von SZ-Redakteurin Franziska Klemenz. 

© dpa/SZ

Geiz ist geil. Und Zeitersparnis erst! Einmal hin, alles drin. Manchmal zu viel. Aber auch dafür gibt es Lösungen: Schrei vor Glück oder schick‘s zurück!

So plakativ diese Werbesprüche von Saturn, Real oder Zalando klingen, so gut bebildern sie das Ladensterben. Gerade im ländlichen Raum gibt es immer weniger kleine Händler. Während es vielen Ketten prächtig geht, hängt Tante Emma tot überm Zaun.

Großes Glück kann so klein sein

Hellwach oder im lieblichen Schlummer zeigen sich die süßen Babys. In unserer Themenwelt Stars im Strampler gibt es den Nachwuchs zu sehen.

Das können wir traurig finden, aber nicht verwunderlich. Wovon leben Läden? Von Kunden. Von uns. Kaufentscheidungen treffen wir oft wie in den Werbeslogans: aus Geiz und Komfort. Größere Ketten können Produkte billiger, weil massenweise anbieten. Davon lassen wir uns locken. In unserer Schnelllebigkeit wollen wir nicht von Laden zu Laden eilen, der Komfortbonus siegt. Wir kaufen, wo es möglichst viel auf einmal gibt.

Im Internet kommen Komfort und Preis zusammen. Wer an Miete und Personal spart, weil er keine Läden betreibt, wer wie Amazon Monopolstellungen innehält, kann Preise noch weiter drücken. Wir können vom Sofa aus bestellen, Waren auch noch umsonst zurückschicken.

Weiterführende Artikel

Symbolbild verwandter Artikel

Das große Ladensterben in Sachsen

Die Zahl der Geschäfte schrumpft in manchen Regionen besonders rapide. Aber es gibt auch positive Initiativen.

All das tötet die kleinen Händler. Förderprogramme können helfen, auch bei einem weiteren Problem: dem Nachwuchsmangel. Aber sie genügen nicht, um kleine Läden zu retten. Sie brauchen das Geld der Kunden. Um es als Slogan auszudrücken: Helfen heißt handeln statt heulen. Wollen reicht nicht. Und wer nicht will, der sollte sich nicht wundern.

E-Mail an Franziska Klemenz