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„Wir bleiben optimistisch“

Ann-Kristin Böhme und ihr Team bereiten die neue Saison im Theater vor – vielen Unwägbarkeiten zum Trotz.

Theaterkarten sind in der neuen Spielzeit auch eine Rarität – Meißens Theater-Chefin Ann-Kristin Böhme.
Theaterkarten sind in der neuen Spielzeit auch eine Rarität – Meißens Theater-Chefin Ann-Kristin Böhme. © Theater Meißen

Meißen. Das Heft für die neue Spielzeit ist in diesen Tagen in den Druck gegangen. Endlich. Beinahe täglich mussten Änderungen eingefügt, Veranstaltungen gestrichen, verschoben oder neu platziert werden, berichtet Ann-Kristin Böhme. Das Virus macht den Theaterleuten in Meißen zu schaffen. Seit es am 13. März die Spielzeit abrupt beendete, bereitet es der Theaterleiterin und ihrem Team Kopfzerbrechen.

Von den 48 Veranstaltungen, die wegen Corona abgesagt werden mussten, konnte sie 24 in die neue Spielzeit retten, sagt Ann-Kristin Böhme. Aber um allen Anforderungen des gesundheitsamtlich bestätigten Hygienekonzepts zu genügen, kann das Theater nur 150 der verfügbaren 440 Sitzplätze anbieten. Und auch auf der Bühne, in den Garderoben oder im Orchestergraben bringen die Abstandsregeln ganz neue Herausforderungen mit sich. Nur wenn sich die Regeln einhalten lassen, kann eine Veranstaltung im Theater über die Bühne gehen.

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Am 12. September soll es wieder richtig losgehen. Das ist der Plan. „Zukunft, Zauber, Zuckerwatte“ ist das Motto des Familienfestes zur Eröffnung der neuen Spielzeit. Am Abend schließt sich die Lange Nacht der Kunst, Kultur und Architektur an. „Wir tun alles, damit diese Veranstaltungen stattfinden können“, sagt Ann-Kristin Böhme. Schon deshalb, weil die Theaterleute seit dem Beginn dieses Jahres und mit viel Liebe und Herzblut dieses Fest planen. 

Stets haben sie dabei im Hinterkopf, dass behördliche Verfügungen alles ganz schnell über den Haufen werfen können. Dass dieser Tage das Verbot von Massenveranstaltungen auf die Zeit bis Ende Oktober ausgeweitet wurde, lässt sie mit Sorge in die Zukunft blicken. Sie kann nicht ausschließen, das Familienfest, aber auch einzelne Aufführungen der neuen Spielzeit kurzfristig  absagen zu müssen.

Natürlich ist es eine große Freude, wieder Theater zu spielen. Aber auch ein großes finanzielles Risiko. Bislang sind keine Ausfallhonorare angefallen, sagt Ann-Kristin Böhme. Und dank der sächsischen Kulturraumförderung und des Sitzgemeindeanteils der Kommunen verfügt das Meißner Theater über eine stabile Finanzierung. Die Fördermittelgeber verzichteten auf Rückforderungen. 

Aber: Über die Hälfte seines Etats muss das Theater selbst erwirtschaften. Und da fällt es ins Gewicht, wenn sich die Zahl der Sitzplätze und damit der zu verkaufenden Eintrittskarten auf ein Drittel reduziert. Ebenso, dass die Schulen im neuen Schuljahr bei vielen der Jugendprogramme wohl ausbleiben werden. Und noch ist nicht ausgemacht, ob und wie das Publikum den sitzplatzreduzierten Zuschauerraum annimmt.

"Heißer Sommer" in der City

Veranstaltungen wie die Burgfestspiele oder die Weihnachtskonzerte auf Schloss Scharfenberg, bei denen das finanzielle Risiko zu groß erschien, sind bereits abgesagt worden – bzw. ins nächste Jahr verschoben. Um Kosten zu sparen, sind alle Mitarbeiter des Theaters in Kurzarbeit. Obwohl es eigentlich viel mehr zu tun gibt als in anderen Jahren. Neben den Verhandlungen mit Künstlern und Agenturen, bei denen es auch um faire Lösungen und Klauseln für beide Seiten geht, ist ein Sommerprogramm in Vorbereitung. „Die Leute wollen unterhalten werden“, bringt Ann-Kristin Böhme ihre Wahrnehmungen nach Wochen der Einschränkungen des gesellschaftlichen Lebens auf den Punkt.

Unter dem Motto „Heißer Sommer“ lädt eine kleine Bühne vor dem Theater oder auch mal auf dem Markt in der Zeit vom 11. Juli bis zum 12. September immer sonnabends ein. Ab 16 Uhr gibt es ein Programm für Kinder und ab 19 Uhr für die Großen. Diese Veranstaltungsreihe, bei der es vor allem um Musik verschiedener Stilrichtungen geht, organisieren die Theaterleute gemeinsam mit den ehrenamtlichen Förderern vom Theater-Freundeskreis, informiert Ann-Kristin Böhme.

Im Herbst sind mehrere Jugendweihefeiern im Theater Meißen vorgesehen. Auch sie sind verschoben worden, weil sie im Frühjahr nicht stattfinden konnten. Einen Testlauf für die praktische Umsetzung des Hygienekonzeptes bei solchen Veranstaltungen gibt es in den nächsten Tagen – bei den feierlichen Übergaben der Abschlusszeugnisse für die Triebischtal-Oberschule und das Franziskaneum. Die Theaterchefin nennt ein Beispiel: „Wenn die Schüler auf die Bühne gehen, um ihre Abschluss- und Abiturzeugnisse in Empfang zu nehmen, werden sie Masken tragen müssen“. Es gibt Schlimmeres, sagt sie.

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Vielleicht ist das ja auch etwas Besonderes – an das man sich Jahre später, beim Betrachten von Fotos vielleicht mit einem Lächeln erinnern wird. „Wir versuchen halt, das Beste aus der Situation zu machen“, sagt Ann-Kristin Böhme. Und: „Wir bleiben optimistisch“. Damit meint Ann-Kristin auch, dass sie den coronabedingten Einschränkungen für ihr Haus auch Positives abgewinnt. Theaterkarten sind in der neuen Spielzeit eine Rarität. Kommen Sie schnell und sichern Sie sich Ihre Plätze, ruft sie das Publikum im neuen Spielzeit-Heft auf. 

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