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Freital

„Wir brauchen ein Konzept zur Stadtentwicklung“

Lothar Brandau, Spitzenkandidat der FDP, spricht über das Wahlprogramm und eine große Enttäuschung.

Der Bauingenieur Lothar Brandau, Jahrgang 1950, ist seit 2008 Mitglied der FDP. Er kandidierte 2008 um das Amt des Oberbürgermeisters in Freital und sitzt seit 2009 für die FDP im Stadtrat.
Der Bauingenieur Lothar Brandau, Jahrgang 1950, ist seit 2008 Mitglied der FDP. Er kandidierte 2008 um das Amt des Oberbürgermeisters in Freital und sitzt seit 2009 für die FDP im Stadtrat. © Karl-Ludwig Oberthür

Herr Brandau, die FDP ist seit 1990 im Freitaler Stadtrat vertreten, allerdings erreichte sie bisher nur in einer Wahlperiode, zwischen 2009 und 2014, Fraktionsstärke. Seit 2014, als die FDP nur 4,0 Prozent der Stimmen bekam, sitzen Sie als Alleinkämpfer im Stadtrat. Was erhoffen Sie sich für 2019?

Über das Wahlergebnis von 2014 war ich außerordentlich enttäuscht, denn ich hatte nach unserer guten Arbeit für die Stadt mehr erwartet. Leider machte sich der Bundestrend negativ bemerkbar. Diesmal sind wir sehr zuversichtlich und erwarten ein zweistelliges Ergebnis für die FDP. Ich bin froh, dass wir jüngere Menschen als Mitglieder gewinnen konnten. Jetzt sind wir breiter aufgestellt, um auch die Belange der Jugend und der Familien, Schwerpunkte, die mir am Herzen liegen, zu vertreten.

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Wie fällt Ihre Bilanz der vergangenen fünf Jahre als Stadtrat aus?

Durch meine Unabhängigkeit, denn ich brauche weder Posten noch muss ich auf berufliche Verbindungen Rücksicht nehmen, kann ich frei heraus agieren, nach meinem Empfinden, meinem Sachverstand und meiner Lebenserfahrung. Ich habe mich stets für die Entwicklung der Stadt über Wahlperioden hinaus eingesetzt, und meine Meinung sachlich im Stadtrat vertreten. Ich glaube getan zu haben, was ich als Einzelkämpfer zu tun in der Lage war.

Allerdings wurden Sie regelmäßig überstimmt, denken wir nur an das leidige Thema der ehemaligen Lederfabrik, deren Erhalt Sie bis heute fordern.

Man braucht Mehrheiten, und die habe ich nicht bekommen. Um bei dem Beispiel Lederfabrik zu bleiben: Ich habe mich mit der Sachlage äußert intensiv beschäftigt. Als Bauingenieur verstehe ich etwas vom Bauen, vom Sanieren und von Altlasten. Bei der Entwicklung des Lederfabrikareals ging es mir um die Schaffung von hochwertigen Arbeitsplätzen, um junge Menschen, die kreative Wirtschaft der Zukunft. All diese Argumente wurden unter den Tisch gekehrt und letztlich wurde nur noch von einer Ruine gesprochen. Wenn man die Gelder für den Abriss in die Sanierung gesteckt hätte, wären wir längst fertig und hätten für diese Millionen Euro keine grüne Wiese, sondern 6000 Quadratmeter hochwertige Nutzfläche, und wir hätten die historische Schlossfassade erhalten. In anderen Städten geht das doch auch, denken wir nur an das Kraftwerk Mitte in Dresden, wo heute die Staatsoperette spielt.

Wäre es also besser, wenn Freital ein Teil von Dresden wäre?

Nein, ganz entschieden nein, ein Zusammenschluss ist ausdrücklich kein Ziel der FDP, im Gegenteil. Die politischen Abwägungsprozesse in Dresden werden von Ideologien getragen, die nun wirklich nicht mein Ding sind. Ich möchte etwas für alle Bürger tun. Jeder sollte mit seiner Meinung, seiner Individualität einen Platz in unserer Gesellschaft finden, aber es gibt Gemeinsamkeiten, die uns tragen, das ist der Kitt, der uns zusammenhält.

Nun werden Sie den Abriss der Lederfabrik nicht verhindern können ...

...außer die Mehrheiten verschieben sich nach der Wahl!

Wenn nicht, wird die FDP die Entwicklung am Standort der Lederfabrik trotzdem mit Blick nach vorn begleiten?

Mit kritischem Blick, ja, aber immer positiv. Die städtebauliche Entwicklung von Freitals Mitte ist einer unserer Schwerpunkte.

Sie meinen das geplante Zentrum?

Wenn es denn eines werden würde! Seit Klaus Mättig nicht mehr Oberbürgermeister ist, seit 2015, wird in Freital städtebaulich nur noch Stückwerkpolitik gemacht, es wird von Grundstück zu Grundstück gedacht. Man müsste endlich über ein echtes Stadtentwicklungskonzept sprechen und von Fachplanern entwickeln lassen.

Gibt es nicht schon genügend Pläne?

Aber es wird alles einzeln betrachtet. Wir brauchen ein Stadtentwicklungskonzept, das den Goetheplatz, das Lederfabrikareal, das Gelände des Umweltdienstes Becker, die Flächen des Sächsischen Wolfs und den Bereich hinter der Aral-Tankstelle umfasst. Auch unter der Einbeziehung des Mühlenviertels. Da könnten wir eine ganz neue Stadt für viele Jahrzehnte bauen. Dafür brauchen wir Planer, die ihre Leistungsfähigkeit bewiesen haben, und dafür sollten wir schleunigst Geld in die Hand nehmen. Dafür will sich die FDP in der nächsten Legislaturperiode im Stadtrat einsetzen. Für dieses Jahrhundertprojekt wäre ich bereit, eine Privatinitiative zu starten, um Spenden für erste Planungen einzuwerben.

In Ihrem Programm für die Stadtratswahl fordern Sie zudem ein bereits konkretes Bauwerk, nämlich eine Veranstaltungshalle für Sport, Kultur und Wirtschaft. Soll das eine neue Windbergarena werden?

Im weitesten Sinne, ja. An dem Thema bin ich schon jahrelang dran. Freital hat keine große Halle für Events, Sport oder Gewerbeausstellungen der Wirtschaft. Den optimalen Standort würde dann das Entwicklungskonzept ausweisen.

Eines Ihrer Ziele ist es, beim Stadtkulturhaus die „Vernachlässigung“ zu stoppen. Was verstehen Sie darunter?

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Mir geht es zunächst um bauliche Maßnahmen. Das Stadtkulturhaus wird von der Verwaltung stiefmütterlich behandelt. Der Keller ist nass und im Treppenaufgang zur Musikschule blättert die Farbe von den Wänden. Das ist keine gute Visitenkarte für die Stadt. Dann fehlt es an Platz, zum Beispiel für Requisiten, ständig muss unnötig umgeräumt werden. Da muss sich etwas tun, um die engagierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu entlasten. Freital ist wirtschaftlich stark und kann das leisten.

Die Fragen stellte Thomas Morgenroth.

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Die Freitaler FDP

Die FDP ist seit 1990 im Freitaler Stadtrat vertreten. Bei der Wahl 2014 holte sie mit 4,0 Prozent der Stimmen erneut einen Sitz im Stadtrat.

Lothar Brandau ist seither Alleinkämpfer für die FDP. Als Fraktionsloser darf er in keinem Ausschuss mitarbeiten, auch nicht in dem zur Lederfabrik.

Die FDP tritt mit zwölf Kandidatinnen und Kandidaten zur Stadtratswahl in Freital am 26. Mai an. Darunter ist mit Spitzenkandidat Lothar Brandau (69) der aktuelle Stadtrat.

Zu den prominenten Kandidaten der FDP gehören der Unternehmer Thomas Klyscz, Vorsitzender des FDP-Verbandes Freital-Wilsdruff und Friedensrichter im Ehrenamt, und Peter Weinholtz, Richter am Landessozialgericht.

Außerdem kandidieren der Ingenieur-Ökonom Jens-Uwe Lappe, die Planerin Antje Weise, die Diplom-Betriebswirtin Isabel Klyscz, der Vermessungsingenieur Ralf Mehlhose, die Touristikerin Aline Wünsche, die Chemieingenieurin Cornelia Knauth, der Werkzeugmacher Christian Epperlein, der Bauleiter Thomas Fleischer und der Diplomlehrer Uwe Beck. (SZ/th)

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