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"Wir brauchen eine Perspektive"

Im Großenhainer Restaurant Kupferberg spielt Kochen zurzeit eher eine Nebenrolle. Ganz ohne Spargel geht es trotzdem nicht.

Kai-Michael Riepert im leeren Biergarten am Kupferberg. Die Spargelsaison fällt in diesem Jahr für Gastronomen dürftig aus.
Kai-Michael Riepert im leeren Biergarten am Kupferberg. Die Spargelsaison fällt in diesem Jahr für Gastronomen dürftig aus. © Anne Hübschmann

Großenhain. Zum Fototermin kommt Kai-Michael Riepert mit einem Teller, von dem das saisonale Hauptgericht "lacht": Spargel mit Sauce Hollandaise. "Letztes Jahr haben wir 800 Kilo Spargel verkauft", sagt Kai-Michael Riepert, Co-Inhaber und Chefkoch in der Großenhainer Gaststätte und Hotel Kupferberg. Davon ist das beliebte Ausflugsrestaurant in diesem Jahr weit, weit entfernt. "Es gibt nichts Schlimmeres, als nichts tun zu dürfen, weil es von oben so verordnet ist", sagt Riepert. 

Der Blick ist traurig, das Lächeln eher bitter. Denn derzeit hat der Kupferberg "defacto null Einnahmen. Wir sind dankbar für jeden Gast", so Mitinhaberin Angelika Pietzsch. Doch notgedrungen bleiben die Besucher aus. Lediglich ein paar Geschäftsreisende oder Monteure sorgen für "zehn Prozent Hotelauslastung". Hinzu kommt, dass das Kupferberg-Team dreimal pro Woche mit der Gulaschkanone am Edeka-Markt steht. Und natürlich bietet die Einrichtung auch einen Abhol- und Lieferservice an. Doch damit wird das Kraut freilich nicht fett.

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"Der Mai ist normalerweise für uns der zweitwichtigste Monat im Jahr", beschreibt Angelika Pietzsch das Szenario. Dann kommen endlich wieder die Ausflügler auf den Berg. Feiern zur Jugendweihe und Konfirmation füllen das Haus und den Biergarten. Das fällt in dieser Saison weg. Zwar wurden die Jugendweihen zum Teil in den Herbst verschoben. Doch die Gastronomin sieht dies als Unsinn. Denn in dieser Zeit seien viele Gaststätten bereits mit Blick auf Weihnachten ausgebucht.  

Dass Hotels und Gaststätten von den jüngsten Lockerungen im Rahmen der Corona-Krise unberührt blieben, ist für Kai-Michael Riepert ein Rätsel. Die Vorgaben des Infektionsschutzgesetzes erfülle jede Gaststätte schon immer, unabhängig von Covid-19. "Ich versteh die Welt nicht mehr", fügt Riepert nachdenklich hinzu. Besonders nervig sei die Tatsache, dass "wir nichts wissen". Angelika Pietzsch ergänzt: "Uns fehlt momentan eine Perspektive." 

Ganz davon abgesehen, dass vom Gastro-Verbot auch weitere Branchen und Anbieter unmittelbar betroffen sind - Wäschereinigung, Getränke- und Lebensmittellieferanten zum Beispiel. "Doch wir fühlen uns den regionalen Partnern verpflichtet und nehmen bestellte Waren ab", bekräftigt Kai-Michael Riepert. Die eigenen Mitarbeiter sind inzwischen in Kurzarbeit. Doch laufende Kosten bleiben. Allein rund 2.800 Euro für Strom im Monat. Dazu Versicherungen etc.

Untätig ist man am Kupferberg trotz der verordneten Zwangspause trotzdem nicht. Eine reduzierte Speisekarte wird angeboten. "Zusammenhalt ist in dieser Zeit das A und O. Deswegen möchten wir für Sie da sein und bieten Ihnen Abholungen oder auch Lieferungen nach Hause an", so die nette Einladung auf der Homepage. Auch Catering für kleinere Familienfeiern ist möglich. Am 1. Mai zum Beispiel für einen 100. Geburtstag - mit hauseigener Torte und einem Menü im kleinsten Kreise.

Wie und vor allem wann Hotels und Gaststätten wieder öffnen dürfen - dickes Fragezeichen. "Es muss umzusetzen sein", sagt Angelika Pietzsch mit Blick auf zu erwartende Vorgaben und Einschränkungen. "Ich erwarte da klare Richtlinien", ergänzt sie.

Vorerst bleibt den Kupferberglern nur das Warten auf bessere Zeiten. Und solange kann auch Kai-Michael Riepert Spargel mit Sauce Hollandaise nur für den Fototermin zeigen.

Spargel mit Sauce Hollandaise a la Gaststätte Kupferberg: "Ganz wichtig ist der richtige Spargel", so Chefkoch Riepert. Kochen in Wasser mit Salz und Zucker. Und Sauce Hollandaise? "Das ist eine eigene Rezeptur, die bleibt geheim", so Kai-Michael Riepert.

Aktueller Liefer- und Abholservice: Absprachen unter Telefon 03522/30900. 

Homepage: www.hotel-kupferberg.de

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