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„Wir brauchen einen FC Zittau“

Sportbeiratschef Dietrich Thiele zu Auslastung, Kosten und Bedeutung des Weinau-Stadions, das morgen vor fünf Jahren wieder eingeweiht wurde.

© Jens Neumann

Von Thomas Mielke

Zittau. Die Wiedereinweihung war eine Generalprobe. Mit ihren Euro-Games testete die HSG Turbine am 3. September 2011 das Weinau-Stadion für die bevorstehende Senioren-EM der Leichtathleten. Zuvor war die Anlage für 4,2 Millionen Euro zum einzigen Stadion der höchsten Kategorie in Ostsachsen umgebaut und saniert worden. Verzögert und teurer wurden die Arbeiten durch das Hochwasser 2010.

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Dietrich Thiele ist Stadtrat der Freien Unabhängigen Wähler und Vorsitzender des Sportbeirats der Stadt Zittau.
Dietrich Thiele ist Stadtrat der Freien Unabhängigen Wähler und Vorsitzender des Sportbeirats der Stadt Zittau. © SZ-Archiv

Die Senioren-EM war ein voller Erfolg, doch danach waren gleichwertige oder gar höherklassige Wettbewerbe Mangelware. Weil unter anderem dadurch die Stadt jährlich bei der Betreibung des Stadions mehrere Hunderttausend Euro Miese einfährt, macht sich Dietrich Thiele (FUW), Stadtrat und Vorsitzender des Zittauer Sportbeirates, Sorgen um die Zukunft der traditionellen Sportanlage. Aus Anlass des 5. Jahrestages der Wiedereinweihung macht er seinen Sorgen Luft:

Herr Thiele, sind die Sportler zufrieden mit dem sanierten Stadion?

Ja, auf jeden Fall. Das Stadion ist eine Traumanlage und steht uns als „European Town of Sports“ gut zu Gesicht. Zumal ja nachträglich auch noch der Kunstrasenplatz dazu gekommen ist. Nicht nur die Sportler sind zufrieden, auch die Schulen, die das Stadion für den Unterricht nutzen.

Aus heutiger Sicht gibt es an Sanierung und Umbau also nichts zu bemängeln?

Nein. Aber ich fordere seit acht oder neun Jahren ein Sporthotel in der Nähe des Stadions und ein Sportgymnasium, um die Anlage besser auszulasten. Das Stadion kostet die Stadt ja jede Menge Geld. 358951 Euro hat Zittau 2015 dafür ausgegeben, 2,7 Prozent davon durch Einnahmen aus dem Stadionbetrieb wieder hereinbekommen. Und genau da liegt der Hase im Pfeffer. Wir müssen das Stadion besser vermarkten. Schon zur Senioren-EM 2012 haben mir viele westdeutsche Sportler gesagt: Wir würden hier gern Trainingslager machen, aber wo können wir in der Nähe des Stadions schlafen? Zur Vermarktung brauchen wir einen Sportmanager, zum Beispiel einen bekannten Ex-Profi, der eine neue Aufgabe, eine Nische sucht. Der sollte für alle Sportler der Weinau – inklusive Tennisspieler und Bogenschützen – tätig werden. Wenn wir die Vermarktung weiter dem Zufall überlassen, wird das nichts. Doch meine Vorschläge sind bisher in der Stadt auf taube Ohren gestoßen. Dabei heißt doch der Umkehrschluss, dass wir uns das Stadion in fünf Jahren vielleicht nicht mehr leisten können.

Wer soll den Manager bezahlen?

Im Endeffekt muss er sich selbst bezahlen. Zu Beginn wird die Stadt um einen Zuschuss nicht herumkommen. Aber nach einer gewissen Zeit muss er dafür sorgen, dass sein Gehalt bei den Einnahmen abfällt. Und danach, dass der jährliche Kostenblock der Stadt für die Betreibung der Anlage immer kleiner wird.

Soll er auch Konzerte – wie einst z.B. die Band „The Other Ones“ – oder andere Veranstaltungen organisieren?

Ja, natürlich. Ich habe aber auch Ideen für Sportwettkämpfe, die sich vermarkten lassen. Warum nicht einen Duathlon durch die Städte im Dreiländereck mit Start und Ziel Weinau-Stadion veranstalten? Aber das will keiner in der Stadtverwaltung hören, weil dort zu wenige Leute Interesse für den Sport haben. Das ist so traurig. Eine andere Idee: Warum haben wir, obwohl wir das einzige Stadion der Klasse A östlich von Dresden besitzen, keinen Landesstützpunkt für Leichtathletik in Zittau?

Warum haben wir denn keinen?


Weil sich jemand darum kümmern müsste, dass er herkommt.

Ist das Stadion nicht schon ausgelastet?

Nein, überhaupt nicht. Von wem denn? Von den paar Schulen?

Zum Beispiel durch die Leichtathleten der HSG Turbine.

Wer trainiert denn bei der HSG? Vor allem ältere Herrschaften und auch das nicht täglich. Im Jugendbereich sieht es nicht gut aus. Und der VfB geht zum Training lieber auf die Nebenplätze, weil sie billiger sind.

Das Weinau-Stadion steht also oft leer?

Ja, zu großen Teilen. Trotzdem laufen jeden Tag Kosten auf.

Haben denn andere Vereine schon mal gefragt, ob sie Zittaus Top-Stadion zum Training nutzen können?

Ja. Vereine von weiter weg. Aber wie gesagt: Dafür müsste es Übernachtungsmöglichkeiten in der Nähe des Stadions geben. Ein Bauplaner und ich haben uns deswegen sogar schon einmal das Gebäude an der Chopinstraße, in dem früher der Zoll saß, das zwischenzeitlich leer stand und in dem heute Asylbewerber wohnen, angesehen ...

Woran ist die Idee, dort ein Sporthotel einzurichten, gescheitert?

Die Stadt hat gesagt: Wir haben kein Geld.

Nutzen auswärtige Vereine das Stadion für Wettkämpfe?

Ja, aber sie bringen der Stadt kaum Geld, weil sie ja nur für eine einmalige und nicht für eine regelmäßige Nutzung zahlen.

Welche auswärtigen Vereine haben das Stadion schon genutzt?

Das aktuellste Beispiel ist der FC Oberlausitz. Er ist nach Zittau ausgewichen, weil im Neugersdorfer Stadion gebaut wird.

Finden in dem einzigen A-Stadion Ostsachsens viele internationale Wettkämpfe wie 2012 die Senioren-EM der Leichtathleten statt?

Nein, zumal die Wettkämpfe, die stattfanden, die Stadt viel Geld gekostet haben.

Sollte es mehr internationale Wettkämpfe in der Weinau geben?

Ja, natürlich, aber nur, wenn nicht immer die Stadt der Hauptgeldgeber ist. Bisher waren es vor allem Meisterschaften im Seniorenbereich. Doch dadurch entsteht kaum Umsatz. Solche Wettkämpfe müssen aber dafür sorgen, dass am Ende beim Ausrichterverein und der Stadt Geld hängenbleibt. Warum nicht mal einen Werfertag mit Profis, zum Beispiel einem aktuellen Olympiasieger, nach Zittau holen? Da kommen Zuschauer und damit Geld in die Kasse.

Der Zittauer Fußball spielt zurzeit auch nicht so hochklassig, dass viele Zuschauer ins Stadion kommen ...

Das stimmt. Auch da muss man sich Gedanken machen. Wenn es nach mir gehen würde, würde der OB alle Beteiligten der vier Zittauer Fußballvereine einladen, an einen Tisch holen und mit ihnen darüber sprechen, wie wir die Kräfte der Vereine und bei den Finanzen bündeln können.

Wenn Sie die in der Weinau bündeln wollen, würde das aber zulasten anderer Zittauer Sportstätten gehen.

Welchen denn?

Zum Beispiel zulasten des Platzes auf dem Kummersberg.

Der gehört der Bahn und nicht der Stadt.

Die Sportanlage im Westpark.

Dort können gern die 2. oder 3. Mannschaften und die Freizeitsportler trainieren. Aber alle anderen sollten in der Weinau gebündelt werden, am besten auch in einem Verein, der von mir aus FC Zittau heißt.

Wie viele Zuschauer kommen derzeit zu den Spielen des VfB?

Im Schnitt 150. Ein paar andere gehen zu den Spielen des Hirschfelder und Zittauer SV sowie von Lok. Deshalb noch einmal: Wir müssen die Kräfte – möglichst in einem Verein – bündeln. Dass das zum Erfolg führen kann, sehen wir zum Beispiel beim Ausrichterverein der O-See-Challenge.

Abgesehen davon, dass wenige kommen: Haben die Zuschauer das sanierte und umgebaute Stadion angenommen?

Ja, wie gesagt: Es ist ein Traumstadion.