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"Wir brauchen im Zittauer Gebirge kein Kirchturmdenken"

Als neuer Naturpark-Beauftragter will Peter Pachl die Region und ihre Akteure unter einen Hut bringen. Ist das zu schaffen?

Peter Pachl an einem seiner Lieblingsplätze im Zittauer Gebirge, in den Mühlsteinbrüchen. Der Jonsdorfer ist neuer Beauftragter für den Naturpark.
Peter Pachl an einem seiner Lieblingsplätze im Zittauer Gebirge, in den Mühlsteinbrüchen. Der Jonsdorfer ist neuer Beauftragter für den Naturpark. © Foto: Raphael Sampedro

Einwohnerversammlung in der Oybiner Kammbaude. Peter Pachl ist gekommen, um sich vorzustellen. Seit Kurzem ist der Jonsdorfer der neue Naturpark-Beauftragte im Zittauer Gebirge. Für den neuen Job hat Pachl, im Hauptberuf Amtsleiter in der Gemeindeverwaltung Großschönau, zwar nur eine halbe Stelle, aber viel vor. "Ohne Partner wird das nicht zu schaffen sein", sagt er den Oybinern. Die nicken zustimmend - auch als er vom Kirchturmdenken in den Gebirgsgemeinden spricht. Das will der 56-Jährige aufbrechen. Kann er das wirklich schaffen? Wir haben ihn gefragt.

Herr Pachl, den Naturpark Zittauer Gebirge gibt es offiziell schon seit mehr als zehn Jahren. Was soll denn jetzt anders werden, was nicht schon längst hätte anders sein können? 

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Bei Ausflügen mit Kindern stehen Erlebnis und Abenteuer im Vordergrund. Das sollte bei der Tourenplanung und beim Packen des Rucksacks bedacht werden.

Wir können ab jetzt ganz anders handeln. In diesem Jahr bekommen wir erstmals einen Zuschuss vom Freistaat für die Naturpark-Verwaltung. Dafür haben wir lange gekämpft. Die beiden anderen Naturparks in Sachsen, Dübener Heide und Erzgebirge/Vogtland, bekommen diese Förderung schon von Anfang an. Bisher war der Landkreis der Träger des Naturparks. Und Görlitz ist eben doch ein Stückchen weiter weg. Der Zuschuss, den wir jetzt jedes Jahr bekommen, macht es uns nun möglich, dass wir die Verwaltung und die Trägerschaft in die eigenen Hände nehmen können.

Und jetzt wird alles besser? 

Wir fangen zumindest damit an, es besser zu machen. Dafür bin ich angetreten. 

Was müsste sich aus Ihrer Sicht denn ändern?

Ganz wichtig: Wir brauchen hier kein Kirchturmdenken, sondern den Blick aufs Ganze. Die Zusammenarbeit zwischen den einzelnen Akteuren, den Gemeinden, den Fremdenverkehrsvereinen, den Touristischen Strukturen, den Naturschützern, der Forst- und Landwirtschaft oder den Natursportlern hat ein großes Potenzial, ist in der Tat aber noch nicht optimal, ich würde sogar sagen, sie ist unzureichend. Das wird jetzt auch meine Aufgabe sein, das zu ändern. 

Wie wollen Sie das machen? 

Im Naturpark-Verein, in dem die Mitgliedsgemeinden und der Landkreis sitzen, müssen alle Probleme, Sorgen und Wünsche auf den Tisch. Ich will jetzt aber auch auf alle Akteure zugehen, die es überall im Zittauer Gebirge gibt, alle Vereine und Gruppierungen, die hier etwas machen. Mein Ziel ist es, das wir alle zusammen ein großes Netzwerk knüpfen. Wir haben doch hier ganz viel vorzuweisen, aber wir schaffen es nicht, diese Vielfalt gemeinsam zu nutzen. Da haben uns andere Regionen wie das Erzgebirge einiges voraus. Wir müssen als Region auch nach außen mit einer Stimme sprechen. Wir brauchen klare Strukturen und klare, aufgabenbezogene Zuständigkeiten.  

Ein Naturpark ist ja auch so eine Art Spagat zwischen den unterschiedlichen Interessen der Einwohner, des Naturschutzes, der wirtschaftlichen Entwicklung und des Tourismus. 

Ja, wir haben eine Pflege- und Entwicklungskonzeption für den Naturpark Zittauer Gebirge, die fortgeschrieben werden soll. Doch es darf nicht bei beschriebenem Papier bleiben. Es geht auch darum, den Einwohnern das Gefühl eines Bewusstseins für ihre Heimat und deren Schutz zu vermitteln. Besonders unsere Jüngsten stehen da im Mittelpunkt. Bei Kindern können wir die Liebe zur Heimat und zur Natur am nachhaltigsten wecken. Das wird viel Zeit in Anspruch nehmen, aber es lohnt sich.

Wir wollen Sie das leisten mit einer halben Stelle? Der Naturpark Dübener Heide  hat mehrere Mitarbeiter.

Natürlich ist eine halbe Stelle nicht viel. Wir sind aber dennoch dankbar, dass jetzt erst einmal eine finanzielle Grundlage da ist. Wir müssen jetzt sehen, wie wir die Ressourcen so effektiv wie nur möglich nutzen, um trotzdem voranzukommen. Es gibt auch schon ein paar gute Ansätze, wie die Arbeit auf breitere Schultern verlagert werden kann. Dazu sind Impulse aus allen Gemeinden und deren Mitarbeit wichtig.

Womit wollen Sie anfangen?

Es gibt schon konkrete Pläne für dieses Jahr. Wir wollen das Projekt „Lernort Natur“ - ein Umweltbildungsprojekt für Kinder - fortsetzen und perspektivisch ausbauen. Wir planen thematische Führungen, Vorträge, Seminare, ein Naturparkfest und eine Naturpark-Konferenz. Das soll vor allem das Gemeinschaftsgefühl fördern. Und voraussichtlich im April wird ein neuer Film über die Schönheiten unseres Naturparks fertig sein, den uns Lausche-Video präsentieren wird.

Ab Mitte März ist Peter Pachl im Naturparkhaus in Waltersdorf regelmäßig mittwochs von 13 bis 17 Uhr oder nach Vereinbarung anzutreffen. Zu erreichen ist er dann telefonisch unter Tel. 035841-38696 oder per E-Mail unter [email protected]

www.naturpark-zittauer-gebirge.de oder www.zittauer-gebirge.com

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