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„Wir brauchen Selbstbewusstsein“

Die Linke hat Thomas Winkler für die Bürgermeisterwahl nominiert. Was will der Unternehmer erreichen?

Herr Winkler, was motiviert Sie, zur Bürgermeisterwahl anzutreten?

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Wenn die Ferne ruft

Nur zwei Stunden von Dresden entfernt befindet sich der größte internationale Flughafen der Tschechischen Republik, mit jeder Menge aufregender Ziele.  

Aus Gesprächen weiß ich, dass die kommunalen Interessen einer beachtlichen Anzahl von Bürgern mit Anliegen meiner Partei zusammentreffen, und auch persönlich fühle ich mich dieser Aufgabe gewachsen. Ich habe Erfahrungen aus über 20-jähriger Gemeinderatsarbeit, einige Jahre davon als Bürgermeister. Für meine Tätigkeit als selbstständiger Unternehmer im Bereich Kultur, Gastronomie und Immobilienverwaltung waren Risikobereitschaft, Kreativität und Durchsetzungsvermögen ständige Wegbegleiter. Diese Eigenschaften möchte ich in meine kommunale Tätigkeit einbringen. Für unsere Gemeinde habe ich Visionen, deshalb kandidiere ich.

Welche großen Aufgaben liegen vor der Gemeinde?

Wir brauchen ein neues Selbstbewusstsein für Rosenthal-Bielatal innerhalb der Verwaltungsgemeinschaft und der Region, eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit der Presse, mehr Transparenz im Gemeinderat und weitere Anreize für junge Familien, um eine der jüngsten Gemeinden im Kreis zu bleiben. Gleichzeitig benötigen Seniorinnen und Senioren Erleichterungen, damit sie ihren Lebensabend hier verbringen können; die Angebote des öffentlichen Nahverkehrs müssen ausgebaut werden. Sehr wichtig sind auch die Entwicklung eines touristischen Alleinstellungsmerkmals und eine engere Zusammenarbeit mit den ortsansässigen Unternehmern.

In Rosenthal-Bielatal gibt es eine große Anzahl Ruinen. Welche Chancen hat die Gemeinde, das zu verändern?

Die Gründe für die Verwahrlosung ganzer Anwesen sind vielgestaltig. Da sich die meisten im privaten Besitz befinden, kann die Gemeinde nicht direkt darauf Einfluss nehmen. Die Deutsche Bahn stellte das Betreiben ihres ehemaligen Ferienheims an der Straße von Rosenthal in die Schweizermühle ein, das Objekt wurde Grundlage von Spekulationen. Eine ähnliche Situation finden wir an der ehemaligen Kaltwasserheilanstalt Schweizermühle. Fehlendes Eigenkapital, Konzeptionslosigkeit und mangelnde Erfahrung führten zum Verfall. Obwohl der Spielraum für die Kommune in solchen Fällen eng ist, bin ich der Meinung, dass in der Vergangenheit dieser Entwicklung nicht aktiv genug Einhalt geboten wurde. Es hätte ein üppiges Sortiment von Förderungen gegeben, die zur Umsetzung von großen öffentlichen Projekten hätten dienen können. Da will ich künftig ansetzen, aber auch ich kann nichts versprechen. Meine eigenen Erfahrungen bei der Umsetzung baulicher und kultureller Projekte wie der Zschonermühle in Dresden nehmen mir die Angst vor diesen Aufgaben und stimmen mich optimistisch.

Der Ortsteil Schweizermühle, in dem Sie auch leben, war einst das touristische Aushängeschild der Gemeinde. Welche Ideen haben Sie für das Areal?

Die letzte Chance für die kommunale Einflussnahme muss genutzt werden. Es liegen klare Aussagen von Bürgern vor, die im Rahmen eines gemeinnützigen Vereins im Interesse der Öffentlichkeit ein spannendes Projekt umsetzen wollen. Die Gemeinde hat sich in persona des Bürgermeisters zu ihrer Verantwortung bekannt. Packen wir es an, an uns soll es nicht liegen!

Der Zustand vieler Straßen rund um Rosenthal ist beklagenswert. Welche Chancen sehen Sie für die Gemeinde, hier Verbesserungen zu erreichen?

Die Straßensituation hat sich nach meiner Meinung schon sehr verbessert. Die Bielatalstraße nach Königstein ist befahrbar, der Abzweig nach Cunnersdorf endlich für den Verkehr freigegeben. Die Erneuerung der Verbindungsstraße Raum–Bahra, der Brückenneubau im Gottleubatal und die teilweise Erneuerung der Dorfstraße in Rosenthal reihen sich in diesen positiven Prozess ein. Meines Erachtens muss sich jetzt der Fokus der Straßensanierung auf die Verbindung nach Pirna-Krietzschwitz richten.

Mittelfristig wird die Gemeinde nicht umhin kommen, sich Partner zu suchen. Welche Optionen wären aus Ihrer Sicht denkbar?

Ich bin kein Gegner von Gemeindefusionen auf Augenhöhe. Dabei darf sich die Situation für die Gemeindeeinwohner aber nicht verschlechtern. Auf keinen Fall darf es eine verordnete Zwangsfusion geben. Das Thema Fusion ist momentan zwar nicht aktuell, darf aber nicht aus den Augen gelassen erden, um nicht von den Tatsachen überrollt zu werden.

Interview: Ines Mallek-Klein

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