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"Wir dürfen die Klimakrise nicht aus den Augen verlieren"

Solarwatt-Geschäftsführer Detlef Neuhaus warnt davor, Corona-Abwehr gegen den Umweltschutz auszuspielen.

Detlef Neuhaus ist Geschäftsführer von Solarwatt aus Dresden. Solarwatt stellt Fotovoltaikanlagen her.
Detlef Neuhaus ist Geschäftsführer von Solarwatt aus Dresden. Solarwatt stellt Fotovoltaikanlagen her. © Solarwatt, Montage: SZ

Die Corona-Pandemie überschattet noch immer alle anderen Themen und Diskussionen. Auch der Klimawandel spielte zuletzt im öffentlichen Diskurs eine untergeordnete Rolle. Immerhin hat die Bundesregierung in der vergangenen Woche ihren Willen zur Abschaffung des 52-Gigawatt-Solardeckels erneuert – das war höchste Zeit.

Wissenschaftler des britischen Klima-Informationsdienstes Carbon Brief haben berechnet, dass aufgrund des Shutdowns in Folge der Ausbreitung von Covid-19 bisher mindestens 1.600 Millionen Tonnen an CO2-Emissionen eingespart wurden. Das entspricht zwischen vier und fünf Prozent der weltweiten CO2-Emissionen von 2019. 

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Das Institut Agora Energiewende rechnet sogar damit, dass der Kohlendioxid-Ausstoß in Deutschland in diesem Jahr um bis zu zwölf Prozent zurückgeht. Besseres Klima dank eines Virus, der Menschenleben bedroht und die Wirtschaft in die Knie zwingt – so war das eigentlich nicht gedacht.

Auch wenn Natur und Umwelt aktuell eine Verschnaufpause einlegen dürfen – die Wirtschaft und der Verkehr nehmen wieder an Fahrt auf. Kurzfristig positive Klimabilanzen in China, Europa und dem Rest der Welt werden schon bald nichts anderes als eine kleine Randnotiz sein. Denn Überlegungen, wie der Klimawandel zukünftig eingedämmt werden kann, sind zumindest bisher auf der Agenda deutlich nach unten gerutscht. 

Wird die Pandemie instrumentalisiert?

Das ist einerseits nachvollziehbar, denn schnelles Krisenmanagement erfordert entsprechende Aufmerksamkeit. Andererseits wurden in den vergangenen Monaten immer wieder wichtige klimapolitische Entscheidungen wie die Abschaffung des 52-Gigawatt-Solardeckels oder die Abstandsregeln bei der Windenergie verschoben. Wie gesagt: Es ist nachvollziehbar, dass die Coronakrise zwischenzeitlich eine höhere Priorität hatte als der Klimawandel. 

Es ist aber nicht entschuldbar, dass die Pandemie von Gegnern der Klimaschutzbemühungen instrumentalisiert wurde, um Entscheidungen, die nicht ihren eigenen Interessen entsprechen, zu verzögern und anzufechten. 

©  dpa/Sebastian Gallnow (Symbolbild)

So forderten schnell Stimmen, den Green Deal der EU-Kommission auszusetzen und der Europäische Automobilherstellerverband verlangte bereits im April, die Einführung der neuen CO2-Grenzwerte für Neuwagen um ein Jahr nach hinten zu verschieben – von 2021 auf 2022. Da sie die neuen Regelungen schon bei der Verabschiedung in 2018 scharf kritisiert haben, kann Corona nicht der einzige Grund für die Forderung sein.

Es ist leicht, auf der Welle der Krisenbewältigung zu reiten und sich als Macher und Entscheider zu positionieren. Nebenbei hält man sich unliebsame Themen vom Leib. Solardeckel und Abstandsregeln für Windräder beispielsweise werden als derzeit weniger relevante Themen abgetan. Diese Haltung zu vertreten ist leicht, aber verheerend. 

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Weltweit sterben laut einer WHO-Studie jährlich rund sieben Millionen Menschen an den Folgen verpesteter Luft. Es geht jetzt schlicht darum, nicht vom vereinbarten Weg abzukommen und Zusagen der Politik endlich in Form eines Gesetzes zu verankern.

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