merken
PLUS

Wir fahren nach Berlin

Heike I und Frank I aus Weixdorf besuchen Kanzlerin Merkel. Ein Thema werden sie auf keinen Fall ansprechen.

© Christian Scholz

Von Thomas Drendel

Kein Ende der Flüchtlingskrise in Sicht, ständig diese Sticheleien von Seehofer und böse Briefe aus den eigenen Reihen – Bundeskanzlerin Angela Merkel hat in diesen Tagen nichts zu lachen. Umso mehr sehnt sie vermutlich den Dienstag herbei. Endlich mal gute Laune im Kanzleramt, endlich das Haus voller Frohnaturen statt schlecht gelaunter Beamter.

Anzeige
Eine Automatikuhr für Sammler und Kenner
Eine Automatikuhr für Sammler und Kenner

Die sportlich elegante 29er Casual aus dem Hause Mühle-Glashütte gibt es ab sofort in der auf 300 Stück limitierten Sonderedition „30 Jahre Deutsche Einheit“.

18 Prinzenpaare sind an diesem Tag in Berlin zu Gast: aus jedem Bundesland eins, aus Nordrhein-Westfalen zwei und zusätzlich noch eins vom Bundeskarnevalverband. Für Sachsen machen sich Heike I und Frank I aus Weixdorf auf den Weg. „Das ist der Wahnsinn. Wir sind schon jetzt ganz aufgeregt. Wann kommt man schon mal ins Kanzleramt und Frau Merkel so nahe“, sagt Heike I, die im bürgerlichen Leben Heike Peters heißt und als Bürokauffrau arbeitet. Mit Frank I ist sie passenderweise verheiratet. Er arbeitet in einem großen Hotel in Dresden. Beide haben extra einen Tag Urlaub genommen.

Ein kleines Auto reicht nicht

Um 8 Uhr geht es am Dienstagmorgen los. Mit dem Privatauto. Neben den Totalitäten, wie die Prinzenpaare in den Karnevalclubs genannt werden, sind der Chef der Weixdorfer Karnevalisten Thomas Wustmann und ein Vertreter des Landeskarnevalverbandes dabei. Zu klein darf der Wagen nicht sein, denn alle fahren in ihren Uniformen. Heike I in ihrem langen blau-silbernen Kleid, Prinz Frank I in farblich passenden Pluderhosen und der aufwendig bestickten Jacke mit den Puffärmeln. Die Männer tragen dazu ihre Kappen. Die können sie freilich im Auto abnehmen.

Begonnen hat das Abenteuer im Dezember. Vereinschef Thomas Wustmann kam auf die Idee, sich für das Treffen in Berlin zu bewerben. „Als dann vom Sächsischen Landesverband die Antwort kam und wir wirklich ausgewählt wurden, gab es natürlich großen Jubel.“ Selbstverständlich ist das nicht. Im Freistaat gibt es immerhin 223 Karnevalsvereine, teils mit sehr langer Tradition. Mit einem Superlativ kann der WKC allerdings aufwarten. Er ist der jüngste Verein in Sachsen. Seit gerademal elf Jahren besteht er. Rund 50 Mitglieder machen mit, vom Kleinkind bis zum Senior. Berühmt sind die Weixdorfer für ihr Programm. „Wir bieten keine Nummernaufführung wie andere, wir erzählen jedes Jahr auf der Bühne eine Geschichte. Den ersten Teil gibt es zum Saisonauftakt, den zweiten in der eigentlichen Faschingszeit im Januar und Februar.“ Diesmal geht es um einen Geist, der zu lange geschlafen hat und das Spuken allmählich wieder lernen muss. Nächste Aufführung: 30. Januar im Gasthof Hermsdorf. – Aber jetzt gibt es Wichtigeres: Das Kleid noch einmal bügeln, die Stickereien nachbessern. Der Besuchstag selbst ist genau durchgeplant. Am Vormittag geht es durch die Sicherheitsschleuse. Das braucht seine Zeit. Es herrscht schließlich höchste Sicherheitsstufe. „Wir mussten unsere Daten an das Kanzleramt senden, die wurden vermutlich gründlich durchgecheckt. Dann kam die Bestätigung, dass wir kommen dürfen“, sagt Thomas Wustmann.

Gespräch mit Angela Merkel?

Nach einer Stellprobe findet die eigentliche Begegnung mit der Kanzlerin von 13.30 bis 14.30 Uhr statt. In der Zeit werden die Paare vorgestellt. „Dabei überreichen wir einen Orden des Sächsischen Landesverbandes. Schließlich soll uns die Regierungschefin in guter Erinnerung behalten.“ Fotos werden geschossen. Die wichtigste Frage, die Heike I jetzt umtreibt: Wird Zeit für ein kleines Gespräch mit Angela Merkel bleiben? „Vermutlich kommt es nicht dazu, bei den vielen Dingen, die sie gerade jetzt um die Ohren hat. Aber man weiß ja nie.“ Auf keinen Fall will sie das Flüchtlingsthema ansprechen. „Lieber nicht, dann kippt vielleicht die Stimmung“, sagt sie. Als wäre der Besuch in Berlin nicht genug. Anfang Februar haben Heike I und Frank I einen weiteren Termin. Er ist nicht ganz so hoch angebunden. Dann sind sie beim Sächsischen Ministerpräsident Stanislaw Tillich zu Gast.