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Wir fangen da an, wo wir aufgehört haben.

Wenn am 4. Mai die Friseurgeschäfte wieder öffnen, gibt es viele Vorschriften zu beachten und umzusetzen.

Vielen Kunden wird vor allem die Stimme von Peggy Knorre bekannt sein. Die Rezeptionistin hat auch in den letzten Tagen viele Termine koordiniert. Sie freut sich darauf, endlich wieder Kunden im Salon begrüßen zu dürfen.
Vielen Kunden wird vor allem die Stimme von Peggy Knorre bekannt sein. Die Rezeptionistin hat auch in den letzten Tagen viele Termine koordiniert. Sie freut sich darauf, endlich wieder Kunden im Salon begrüßen zu dürfen. © Foto: Juliane Mietzsch

Hoyerswerda. Die Wiedereröffnung steht bevor und Maike Theuner erklärt, dass sie ihren Laden in der Hoyerswerdaer Altstadt abschließen wird. Doch das dient nur als Mittel zum Zweck. An der Tür zum Salon „Welle und mehr“ wird es eine Klingel geben. Nur so kann sichergestellt werden, dass sich nicht zu viele Personen in dem Geschäft aufhalten. Nach dem Prinzip „Einer raus, einer rein“ wird dann verfahren. Zwei von vier Plätzen können besetzt werden, damit der nötige Abstand gewahrt wird. Die Friseurmeisterin rechnet damit, dass die meisten Kunden für die Umstände Verständnis haben werden. Dazu zählt unter anderem auch die Erfassung der Kontaktdaten aller Kunden und ihrer Aufenthaltsdauer im Salon. Die entsprechende Einverständniserklärung muss unterzeichnet werden, sonst kann der Kunde nicht bedient werden. Damit sollen im Ernstfall mögliche Infektionsketten nachvollzogen werden können.

Die Hygienevorschriften entnehmen die Friseurbetriebe einem verbindlichen Maßnahmenkonzept der Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW). Maike Theuner hat diese Informationen ausführlich durchgearbeitet und weiß sehr genau, was getan werden „muss“ und was befolgt werden „sollte“. Deshalb verzichtet sie in ihrem Salon auf Markierungen auf dem Boden oder eine Schutzvorrichtung am Tresen. „Die Kleinigkeiten machen wir mit.“ Mit einer entsprechenden Kontrolle durch das Ordnungsamt rechnet sie in den ersten Tagen und hält die Dokumente griffbereit.

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Neben den räumlichen Gegebenheiten gilt es auch sämtliche Arbeitsmaterialien den neuen Anforderungen anzupassen. Dabei geht es laut BGW um alle Werkzeuge wie zum Beispiel Kämme, Wickler, Spangen. Konkret bedeutet das keine Mehrfachbenutzung ohne Zwischenreinigung. Bei Handtüchern und Umhängen sollte das schon von vornherein Standard sein und in diesem Sinne keine Umstellung bedeuten. Dass es aktuell Lieferschwierigkeiten bzw. -verzögerungen bei Mund-Nase-Masken, Handschuhen, Einmalumhängen und Desinfektionsmitteln gibt, ist kein Geheimnis. Doch besonders die Überteuerung der Produkte stößt auf Unverständnis.

Mit einer kleinen Auflistung auf seiner Website informiert das Unternehmen Figaro seine Kunden über einzuhaltende Vorschriften. Dort ist unter anderem zu lesen, dass Mundschutz-Pflicht herrscht und nur Nassschnitte vorgenommen werden. Das ist mittlerweile hinreichend bekannt. Die Wartebereiche in den 13 Salons in Hoyerswerda und Umgebung mussten abgeschafft werden und auch hier kann nur jeder zweite Platz besetzt werden. Als in der vergangenen Woche Termine vergeben wurden, stand das Telefon kaum still, wie Geschäftsführerin Elke Beyer zu berichten weiß. „Fast wie bei einem Ansturm auf Krabatfestspielkarten.“ Wartezeiten gab es, aber um trotzdem viele Kunden betreuen zu können, werden die Öffnungszeiten erweitert und damit die Termine entzerrt. Nun werden von 6 bis 22 Uhr Haare gewaschen und geschnitten.

Die Treue der Kunden soll belohnt werden und somit wird auf eine Preiserhöhung verzichtet. Obwohl durch die Anschaffung von Einmalumhängen oder auch Masken zusätzliche Kosten entstanden sind. Dennoch sieht Elke Beyer zuversichtlich in die nächsten Tage. Ihre Mitarbeiterinnen „scharren schon mit den Hufen“. Nach der Schließzeit von mittlerweile sechs Wochen freut sich das gesamte Team von Figaro darauf, wieder seinem Job nachgehen zu können – wenn auch unter etwas widrigen Umständen. Denn gerade in dieser Zeit sieht sich Elke Beyer vorrangig als Dienstleister. „Der gewisse Wohlfühlfaktor geht verloren.“ Die Kunden dürfen nicht mit Getränken oder Zeitschriften bedient werden und auch der Smalltalk wird sich in Grenzen halten, denn es gibt fast nur ein Thema, so die Befürchtung.

Auch Peggy Knorre aus dem Salon Haarschneider würde sich gerne mehr um das Wohlbefinden der Kunden kümmern. „Ich habe das Gefühl, mich entschuldigen zu müssen.“ Die Distanzgebote treiben sie um. Geduld wird in der ersten Zeit gefragt sein, so ihre Einschätzung. Doch das Team um Heiko Schneider ist gut vorbereitet und auch etwas aufgeregt.

Neu sind Markierungen am Boden, Plexiglas am Tresen und eine Schaufensterpuppe, die als kreativer Abstandhalter einen Frisierstuhl an der Spiegelwand besetzt. Vor der Öffnung um 8 Uhr gibt es eine Stunde Zeit für die Desinfektion der Oberflächen und ein kurzes Meeting. Der Salon wird um 23 Uhr schließen.

Für Maike Theuner ist hingegen klar, dass sie die Öffnungs- und damit auch Arbeitszeiten nicht verlängern wird. Ihre Prophezeiung: am Montag wird es alle Varianten geben – von Kurzarbeit bis hin zu Überstunden im Schichtbetrieb. Die erste Woche wird zeigen, was machbar und praktikabel ist. „Wir fangen da wieder an, wo wir aufgehört haben“, steht für sie fest.

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