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„Wir geben nichts raus“

Auch vier Monate nach dem Polizeigroßeinsatz von Welxande schweigt die Staatsanwaltschaft.

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Von Udo Lemke

Da wird viel gemunkelt. Jeder weiß was, aber keiner weiß was Genaues.“ Der Mann, der gerade eine Wand seines Hauses an der Straße „Zur Kaltenbach“ verputzt, bringt die Situation, in der sich die Bürger von Welxande seit dem 17. Oktober 2013 befinden, auf den Punkt. Damals war die Polizei sechs Uhr morgens mit 70 Beamten auf die angrenzende Liegaer Straße gekommen und hatte das Haus mit der Nummer 1 b durchsucht. Hier wohnte Vitali Fedorenko, ein gebürtiger Russe, der in Dresden bei einem Catering-Service arbeitete, mit seiner Frau und den beiden Kindern. Zum Grund der Aktion erklärte Oberstaatsanwalt Lorenz Haase, der Sprecher der zuständigen Staatsanwaltschaft Dresden, vorgestern: „Da geben wir nach wie vor nichts raus.“

Großeinsatz in Welxande – am 17.Oktober 2013 durchsuchte die Polizei ein Einfamilienhaus in der Liegaer Straße. 70 Beamte waren im Einsatz. Die Gerüchteküche kocht, was den Grund betrifft. Fotos: Klaus-Dieter Brühl
Großeinsatz in Welxande – am 17.Oktober 2013 durchsuchte die Polizei ein Einfamilienhaus in der Liegaer Straße. 70 Beamte waren im Einsatz. Die Gerüchteküche kocht, was den Grund betrifft. Fotos: Klaus-Dieter Brühl

Dabei hatte es schon einmal viel besser ausgesehen. Am 15. November 2013 teilte Haase auf SZ-Nachfrage mit: „Wir führen ein Ermittlungsverfahren gegen eine Person durch. Natürlich gibt es einen Anfangsverdacht, sonst hätten wir keine Hausdurchsuchung durchgeführt.“ Da die Daten von beschlagnahmten Computern ausgewertet werden müssten, „werde es sicher noch vierzehn Tage dauern, bis wir etwas zum Grund der Ermittlungen sagen können“, so Haase. Die vierzehn Tage sind längst vorbei und so passiert, was immer passiert, wenn es keine Informationen gibt – die Gerüchte schießen ins Kraut. Eines davon: Die Hausdurchsuchung hatte etwas mit Autoschieberei zu tun. Das wollte Haase nicht kommentieren. Aber beim Gerücht, dass es um einen Konflikt rivalisierender Motorrad- bzw. Rockerclubs gehe, verneinte er. Nachbarn auf der Liegaer Straße wollen sich nicht an Spekulationen beteiligen. „Ich fahre früh auf Arbeit, ich möchte davon nichts wissen“, erklärt die Nachbarin.

Noch verworrener wurde die Situation um die „Fam. Fedorenko“, so steht es am Briefkasten, als am 11. November der Dachstuhl ihres Hauses brannte. Neben der Thiendorfer Feuerwehr kamen die Wehren aus Ponickau, Sacka und drei Mann der Großenhainer Wehr mit der Drehleiter – insgesamt waren 50 Kameraden im Einsatz. „Die Familie saß im Erdgeschoss und wurde von Nachbarn auf die Flammen aufmerksam gemacht. Sie wüteten im Dach in der Nähe des Schornsteins. Da kann keiner etwas dafür, das ist ein tragischer Zufall“, erklärte der damalige Thiendorfer Gemeindewehrleiter Jörg Noack. Auf SZ-Nachfrage zur Brandursache erklärte gestern der Sprecher der zuständigen Polizeidirektion Dresden, Marko Laske: „Im Zusammenhang mit dem Brand in einem Einfamilienhaus in Thiendorf, Ortsteil Welxande, konnte die Ursache noch nicht zweifelsfrei geklärt werden. Die Ermittlungen dauern an.“ Der Brand bewegt die Welxander bis heute. „Egal, was die Leute gemacht haben, es ist schlimm, wenn man das Dach über dem Kopf verliert“, sagt eine Frau, die mit ihrem Enkel die Stölpchener Straße herunterkommt. Und die Nachbarin auf der Liegaer Straße erklärt, „Fedorenkos haben angefangen, ihr Haus wieder aufzubauen.“ Darauf deuten auch die vielen blauen Müllsäcke unter dem Carport und eine Schubkarre mit verkohlten Brettern hin.

Bliebe noch ein letztes Gerücht: Polizei und Staatsanwaltschaft haben sich schlicht im Haus und in der Person geirrt. Irgendwann wie Haase erklären müssen, ob da etwas dran ist.