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„Wir haben eine Lösung für das Hausärzte-Problem“

Hausärzte-Sprecher Gottfried Hanzl sagt, dass mehr niedergelassene Ärzte Lücken schließen, indem sie Kollegen anstellen.

© Matthias Weber

Von Thomas Mielke

Pioniergeist und Weitblick in Naturkosmetik vereint

Für Hautbedürfnisse gilt dasselbe wie für Beziehungen oder Arbeitssituationen: Die richtige Balance sorgt für langfristiges Wohlbefinden. Charlotte Meentzen hat schon damals verstanden, dass schöne Haut am erfolgreichsten zusammen mit dem Geist gepflegt wird.

Löbau-Zittau. Mehrere Jahre sind für Hirschfelde und die umliegenden Orte fieberhaft Nachfolger für drei Hausarzt-Praxen gesucht worden. Mehrere Anläufe scheiterten. Es fand sich kein Nachfolger. Den rund 4 000 betroffenen Einwohnern drohte der absolute Versorgungsnotstand. Inzwischen ist wenigstens wieder eine Ärztin vor Ort – eine Tschechin, die bei einer Zittauer Hausärztin angestellt ist.

Dieses Modell scheint nun Schule zu machen. Und könnte künftig helfen, weitere Lücken in der Hausärzteversorgung der Region zu schließen, wie Dr. Gottfried Hanzl, Sprecher der Hausärzte in Löbau-Zittau, im SZ-Interview sagt:

Dr. Hanzl, angeblich haben Sie eine Idee für die Lösung des Hausärzteproblems der Region. Stimmt das?

Ja. Sie besteht darin, jungen Ärzten, die sich am Zittauer Standort des Klinikums Oberlausitzer Bergland in der Facharztausbildung befinden, eine Perspektive für die Zeit danach aufzuzeigen. Diese Ärzte wollen meist nicht in einer Klinik, sondern in der Praxis arbeiten. Sie sollen von niedergelassenen Ärzten angestellt werden.

Handelt es sich dabei nicht meist um tschechische und polnische Ärzte?

Ja. Auf zusätzliche deutsche Ärzte müssen wir mindestens warten, bis die neue Regelung des Numerus clausus in einigen Jahren greift. Zudem möchte ich betonen, dass die tschechischen und polnischen Ärzte beim Studium in ihrem Heimatland sehr gut ausgebildet werden.

Warum wollen die jungen Ärzte nicht im Krankenhaus arbeiten?

Sie haben meist einen Vertrag über eine Facharztausbildung abgeschlossen und oft nicht die Option, als Facharzt zu bleiben. Darüber hinaus glaube ich persönlich, dass viele von ihnen ihr ärztliches Dasein nicht auf einer Station fristen wollen.

Warum sollen die Ärzte angestellt werden und die Praxen nicht übernehmen?

Da Deutschland für eine überbordende Bürokratie bekannt ist, brauchen sie eine Überbrückungszeit, um mit dem System vertraut zu werden und es beherrschen zu lernen. Das schließt nicht aus, dass aus einer Anstellung eine Niederlassung wird.

Wann ist Ihnen die Idee gekommen?

Ich bin im Vorstand des Sächsischen Hausärzteverbandes und besuche in diesem Zusammenhang Veranstaltungen des Deutschen Hausärzteverbandes. Dort kam die Idee vor vier, fünf Jahren auf, denn wir haben immer gewusst: Uns hilft keiner. Wir müssen selber eine Lösung finden.

Gibt es schon Ärzte, die nach dem Prinzip arbeiten?

Ja, einige. Dr. Katarina Lacnakova ist bei der Zittauer Hausärztin Anett Scholz angestellt und arbeitet seit Kurzem in Hirschfelde. Der Jonsdorfer Arzt Thomas Fritsche hat jemanden angestellt und die Seifhennersdorfer Ärztin Dr. Katarina Varga für ihre Leutersdorfer Nebenstelle auch. Dr. Michael Nowotny aus Zittau und ich haben es vor. Allerdings gibt es auch weiterhin das bisherige Modell mit dem Verkauf der Praxis: Das Zittauer Ärzteehepaar Kuttner hat das gerade getan.

An die zuvor angestellten Ärztinnen?

Nein.

Zeichnen sich weitere Angestellten-Verhältnisse ab?

Ja, aber darüber kann ich noch nicht sprechen. Aber darüber, dass wir sogar die gesamte Versorgung im Raum Zittau im Blick haben.

Warum nur Zittau und nicht Löbau?

Weil momentan im Zittauer Bereich ein höherer Bedarf herrscht. Im Löbauer Bereich hat es bisher besser von allein geklappt. Aber wenn dort Bedarf ist, werden wir in Kontakt treten, denn das Ebersbacher Krankenhaus bildet auch tschechische Assistenzärzte aus. Wir helfen allen.

Wie sieht – auf Basis der Idee – Ihre Vision von der Hausärzte-Versorgung der Region aus?

Zum einen wird es weiterhin die klassische Ein-Mann-Arztpraxis geben. Zum anderen wird es Hausärzte geben, die andere anstellen. Darüber hinaus kann ich mir den Zusammenschluss mehrerer Hausarztpraxen zu Medizinischen Versorgungszentren vorstellen, die zum Beispiel auch mehrere Orte versorgen könnten. Die Politik arbeitet derzeit zum Glück an Lösungen, die solche Konstruktionen in Zukunft leichter möglich machen.

Was sagen die Kassenärztliche Vereinigung und die Krankenkassen dazu?

Die KVS ist froh, dass wir eine Lösung gefunden haben und die Krankenkassen stimmen wohlwollend zu. Wir haben mit ihnen sogar schon über einen zusätzlichen Augenarzt für Zittau, der zumindest eine Zeit lang praktiziert, gesprochen.

Wieso bemühen sich Hausärzte um einen Augenarzt?

Die Zittauer Augenärzte sind ausgelastet und nehmen keine neuen Patienten mehr an. Das macht uns Hausärzte Sorgen, denn die abgewiesenen kommen zu uns.

Haben Sie schon einen Kandidaten?

Wir hatten einen, aber der ist leider wieder abgesprungen.