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Die Schierequelle ist ausgetrocknet

Der Zweckverband Meißner Hochland registriert einen deutlich höheren Wasserverbrauch. Kann das zum Problem werden?

Der Wasserverbrauch ist auch im Verbandsgebiet Meißner Hochland angestiegen.
Der Wasserverbrauch ist auch im Verbandsgebiet Meißner Hochland angestiegen. © Foto: Patrick Pleul/ZB/dpa

Raußlitz. Das ist wohl für jeden ein Albtraum: Man dreht den Wasserhahn auf,  und es kommt kein Tropfen Wasser heraus. Und das für längere Zeit. In Deutschland gab es so etwas bisher praktisch nicht. Doch in diesem Jahr wurde das Horrorszenario in einigen Gemeinden Wirklichkeit. Im niedersächsischen Lauenau zum Beispiel.  Da blieben die Wasserhähne Anfang August trocken. Tankfahrzeuge der Feuerwehr fuhren die Häuser an, um die Menschen mit Brauchwasser für die Toiletten zu versorgen. Trinkwasser mussten sie im Supermarkt kaufen. 

Auch die  Einwohner der rheinland-pfälzischen Verbandsgemeinde Simmern-Rheinböllen waren betroffen, mussten  mit Trinkwasser sparsam umgehen. So durften die Bewohner keine Planschbecken und Schwimmbäder befüllen,  Rasen- und Gartenflächen durften nicht bewässert werden. Auch das Waschen von Fahrzeugen auf Privatgrundstücken, das Reinigen und Abspritzen von Hofflächen sowie die Bewässerung von öffentlichen Grünflächen und Sportplätzen waren verboten. Droht derartiges auch in der Meißner Region?

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Rekordwert für April

Im Zweckverband Meißner Hochland mit Sitz in Raußlitz ist der Wasserverbrauch deutlich angestiegen, sagt Geschäftsführer Dr. Thomas Käseberg. Der Rekordwert von 1.100 Kubikmetern am Tag vom Juni vorigen Jahres wurde zwar 2020 noch nicht erreicht, aber das hat andere Gründe.  Der Verband verlor einen Großverbraucher, weil dieser einen eigenen Brunnen baute. 

Nicht nur die Hitze, sondern auch Corona haben sich auf den Wasserverbrauch ausgewirkt. So wurden im April, als viele Leute wegen Homeoffice oder Kurzarbeit zu Hause waren, durchschnittlich 1.054 Kubikmeter Wasser pro Tag verkauft, so viel wie noch nie in einem April. Im Juli waren es dann 1.093 Kubikmeter pro Tag.  "Mit dem bisherigen Großkunden hätten wir in jedem Monat neue Rekorde aufgestellt", so Thomas Käseberg. 

Dr. Thomas Käseberg ist seit dem vergangenen Jahr Geschäftsführer des Zweckverbandes Meißner Hochland.
Dr. Thomas Käseberg ist seit dem vergangenen Jahr Geschäftsführer des Zweckverbandes Meißner Hochland. ©  Foto: Claudia Hübschmann

Ist der hohe Wasserverbrauch ein Problem, die Versorgung gefährdet? "Nein, es gibt bei uns keine akute Lage, wir können den Verbrauch problemlos abdecken", sagt der Geschäftsführer des Verbandes, der die Gemeinde Käbschütztal sowie die ehemals selbstständigen Gemeinden Ketzerbachtal, Heynitz und Leuben-Schleinitz mit Trinkwasser versorgt. Ein Großteil des Wassers wird allerdings nicht selbst gefördert, sondern zugekauft. Derzeit müssen von den  360.000 Kubikmetern Wasser, die der Verband  jährlich verkauft, 170.000 Kubikmeter von anderen Anbietern gekauft werden. Aber auch das sei kein Problem.

"Wir haben genug Wasser"

Nichtsdestotrotz versucht der Verband, mehr eigenes Wasser zu fördern,  um sich von anderen Anbietern unabhängiger zu machen.  Aber auch, weil zum Beispiel die Schierequelle kein Wasser mehr führt, vollständig trockengelaufen ist. "Wir suchen verstärkt nach Wasser,  um Tiefbrunnen bauen zu können. In der Schiere haben wir bis zu 40 Meter tief gebohrt. Die Auswertung wird ergeben, ob wir bis 150 Meter gehen werden", sagt Thomas Käseberg.

Zwar ist auch der Grundwasserspiegel gesunken, aber  für die Raußlitzer stellt das kein Problem dar, weil sie die Ressourcen nicht ausreizen. Zwar ist der durchschnittliche tägliche Wasserverbrauch  in den vergangenen Jahren von 70 auf 80 Liter gestiegen. Allerdings sank die Zahl der Kunden von einst 9.400 auf jetzt rund 7.900. Diese Zahl steigt jedoch wieder an durch Eigenheimstandorte, etwa in Niederjahna und Rhäsa.    

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"Wassermangel ist für unsere Region kein Problem", sagt der Verbandschef. Ballungszentren jedoch könnten Hitze und Trockenheit hart treffen. Dort würden in den Städten bis zu 120 Liter pro Tag und Person an Trinkwasser verbraucht. Da könnte es Probleme geben,  zumal es einige Jahre regnen müsste,  um den Grundwasserspiegel wieder aufzufüllen.  Für die Region sieht Thomas Käseberg allerdings auch für die Zukunft keinen Grund zur Panik: "Wir haben genug Wasser."

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