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„Wir haben jetzt genug Platz“

Das geplante Gymnasium in Wilsdruff könnte Meißen Schüler kosten. Am Franziskaneum sieht man das allerdings gelassen.

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Bringt ein neues Gymnasium die Schullandschaft durcheinander? Die SZ sprach mit Heike Zimmer vom Franziskaneum – auch über Unterrichtsausfall, Facebook und das Leben nach der Schule.

Freut sich über die neuen wippenden roten Plastikstühle: Heike Zimmer. Sie leitet das Meißner Gymnasium Franziskaneum. Die 49-Jährige hat dort gerade einen gut besuchten Tag der offenen Tür hinter sich. In zwei Wochen beginnen die Anmeldungen für die ange
Freut sich über die neuen wippenden roten Plastikstühle: Heike Zimmer. Sie leitet das Meißner Gymnasium Franziskaneum. Die 49-Jährige hat dort gerade einen gut besuchten Tag der offenen Tür hinter sich. In zwei Wochen beginnen die Anmeldungen für die ange © hübschmann

Frau Zimmer, die Winterferien haben gerade angefangen. Trotzdem begegnet man in den Fluren des Franziskaneums ständig Schülern. Haben die Sehnsucht nach ihrem Gymnasium?

Das liegt eher an den Prüfungsvorbereitungen für das Abitur, die jetzt schon begonnen haben. Dabei üben Schüler gemeinsam mit ihrem Kurslehrer.

Mitten in den Ferien? Das ist doch hoffentlich freiwillig ?

Natürlich. Das Angebot gehört zum Konzept der individuellen Förderung. Das geht schon in Klasse 5 mit dem Kompetenztraining los, in dem Schüler Lerntechniken, Selbstorganisation, Teamfähigkeit lernen.

Zu meiner Zeit gab es das nicht. Trotzdem hat’s mit dem Abschluss geklappt.

Wir wollen die Schüler entsprechend ihrer Stärken fördern – und möglichst alle gut durch das Gymnasium bringen. Man darf nicht vergessen, dass die Fünftklässler von kleinen Schulen zu uns kommen – und am Franziskaneum plötzlich 800 Mitschüler haben. Auch die Note 2,0 als Zugangsvoraussetzung ändert nichts daran, dass die Schüler unterschiedlich stark begabt sind. Dem wollen wir Rechnung tragen.

Wie gelingt das – bei 800 Schülern?

Zuerst durch guten Unterricht. Darüber hinaus fördern wir junge Mathe-, Physik- oder Sprachspezialisten individuell. So haben wir jetzt erstmals ein Begabtencamp mit zwei weiteren Gymnasien ausgerichtet. Genauso gibt es aber besondere Betreuung für Schüler mit Handicap – etwa Schwerhörige oder Autisten. Außerdem bieten wir 33 Ganztagsangebote an.

Die Förderung ist aber nur das eine. Den Schulen wird derzeit vorgeworfen, sie würden die Schüler zu wenig auf das Leben danach vorbereiten ...

Dem muss ich in unserem Fall deutlich widersprechen: Seit mehreren Jahren engagieren wir uns in der Berufs- und Studienorientierung. Eine Beraterin der Arbeitsagentur bietet bei uns im Haus Sprechstunden an. Eltern stellen ihre Berufe vor, ehemalige Schüler ihren Studiengang. Und in Klasse 10 stehen Unterrichtsstunden zur Berufsorientierung auf dem Stundenplan. Firmenbesuche bei regionalen Unternehmen gibt es ebenfalls längst.

Spiegelt sich das Angebot bei der Zahl der Schulanmeldungen wider?

Wir brauchen uns keine Sorgen zu machen, dass wir zu wenig Anmeldungen bekommen. Ganz im Gegenteil. Wir sind froh, dass wir durch den Neubau des Hauses C und die Sanierung des Hauses A genug Platz für vier Klassen pro Jahrgang haben. In Ausnahmefällen sind auch fünf Klassen möglich. Vor den Bauarbeiten ging es bei uns beengt zu. Jetzt sind die Klassen meist 23 bis 28 Schüler groß – bei deutlich verbesserten Lernbedingungen. Wir freuen uns auf die neuen „Franziskaner“!

Meißner machen nur die Hälfte Ihrer Schüler aus. Die andere Hälfte kommt aus dem Umland. Macht Ihnen der geplante Bau eines Gymnasiums in Wilsdruff Sorgen? Laut Stadt könnte Sie das eine Klasse pro Jahrgang kosten ...

Ganz so dramatisch sehe ich das nicht. Wir haben pro Jahrgang 10 bis 14 Schüler, die aus der Großgemeinde Klipphausen kommen – von Triebischtal bis Sachsdorf.

Also fast eine halbe Klasse. Die könnte künftig auch nach Wilsdruff gehen ?

Vielleicht. Die Frage ist, auf welches Fremdsprachenangebot und pädagogische Profil Eltern und Schüler wert legen. Und besonders die Organisation des Schülerverkehrs spielt dabei eine wichtige Rolle.

Ein weiterer Knackpunkt an Sachsens Schulen ist das Thema Lehrermangel und Unterrichtsausfall. Wie schlimm steht es damit am Franziskaneum?

Wir stehen vergleichsweise gut da. Bei unseren 66 Lehrern liegt der Altersschnitt bei 49 Jahren. Wir tun auch allerhand dafür, für junge Kollegen attraktiv zu sein. Vergangenes Jahr haben wir zwölf Referendare ausgebildet, dieses Jahr sind es sieben. Dazu kommen bald vier Praktikanten.

Ob die später auch bei Ihnen anfangen, haben Sie aber nicht in der Hand .

Das stimmt. Aber wir hoffen, dass unsere Schule bei den jungen Kollegen in guter Erinnerung bleibt. Wir hatten jedenfalls schon Anträge, dass Ex-Referendare bei uns anfangen wollten. Die Entscheidung darüber liegt allerdings beim Freistaat.

Und der Punkt Unterrichtsausfall?

Wir sind in dieses Schuljahr sehr gut gestartet und haben 100 Prozent abgedeckt – auch weil viele Lehrer Mehrarbeit leisten, wenn jemand krank wird. Eine Infekt-Welle wie vor den Winterferien mit bis zu zehn kranken Kollegen gleichzeitig lässt sich allerdings nicht völlig ausgleichen.

Letzte Frage: Schüler debattieren über den Einsatz des sozialen Netzwerks Facebook im Unterricht. Halten Sie das für einen Fluch oder einen Segen?

Die Sache ist einfach: Datenschutzrechtlich relevante Fakten haben auf Facebook nichts zu suchen. Darüber haben wir auch alle Lehrer belehrt. Wir suchen derzeit nach Möglichkeiten, das E-Learning auf sicheren Plattformen möglich zu machen.

Gespräch: Christoph Scharf