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„Wir haben unser Ziel übertroffen“

300.000 Gäste wurden beim Tag der Sachsen in Riesa erwartet, am Ende wurden es mehr. OB Marco Müller (CDU) zieht im Interview Bilanz.

Ist froh, dass alles geschafft ist: Riesas OB Marco Müller (r.), hier mit Matthias Rößler, Chef des Sachsentag-Kuratoriums.
Ist froh, dass alles geschafft ist: Riesas OB Marco Müller (r.), hier mit Matthias Rößler, Chef des Sachsentag-Kuratoriums. ©  Sebastian Schultz

Riesa. Bühnen, Buden und Zelte sind abgebaut, die Straßen der Innenstadt sind wieder mit Autos gefüllt: Der Tag der Sachsen ist unverkennbar vorbei. Die SZ sprach darüber mit OB Marco Müller (CDU).

Herr Müller, das Festwochenende liegt hinter uns. Würden Sie sich noch einmal um den Tag der Sachsen bewerben?

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Jetzt liegt alles hinter uns – da fällt natürlich die Anspannung ab. Zwar habe ich schon von einigen Riesaern gehört: „Das war toll! Bitte in drei Jahren wieder!“ Das kann ich mir aber so derzeit nicht vorstellen. Den Aufwand zu stemmen, war ein riesiger Kraftakt. Die Frage, wann sich Riesa wieder bewirbt, stellt sich deshalb gerade niemand ernsthaft.

Was war Ihr persönlicher Höhepunkt beim Tag der Sachsen?

Das Feuerwerk war schön, die Programme auf den Bühnen waren sehr gut. Aber für mich war das Highlight der Festumzug: Das ging einem nahe und war bewegend, wie sich Riesa dort präsentiert hat. Toll, was unsere Vereine dabei geboten haben und wie der Museumsverein die historischen Bilder gestaltet hat.

Der Festumzug wurde zwei Stunden lang vom MDR-Fernsehen übertragen. Wird diese Präsenz in der Öffentlichkeit Riesa was nutzen?

Wir haben erstaunlich viele Rückmeldungen, auch schon von weiter her bekommen, etwa von Ex-Riesaern, die sich die Übertragung angeschaut haben – und begeistert waren! Da gab es positive Resonanz aus allen Ecken der Republik.

Beim Festumzug waren es 3.000 Mitwirkende, da werden die Organisatoren einen genauen Überblick haben. Wie aber hat man die Zahl von 310.000 Festbesuchern ermittelt?

Da spielen verschiedene Faktoren zusammen: Man kann etwa mit Rückmeldungen von den Bussen ermitteln, wie viele Gäste pro Stunde anreisen. Dann hat man im Lenkungsstab zur Sicherheit der Veranstaltung Videobilder von den Bühnen und den wichtigen Straßen – da gibt es Erfahrungswerte und Raster, die man auf die Bilder legen kann. So kann man die Zahl zwar nicht auf die Person genau, aber in der Tendenz belastbar ermitteln.

310.000 Besucher an drei Festtagen ist der beste Wert für einen Tag der Sachsen seit 2012, als Freiberg dran war. Hat Sie das überrascht?

Das ist tatsächlich ein sehr guter Wert. Wir haben damit das uns gesetzte Ziel von 300.000 Besuchern sogar übertroffen. Das liegt auch an dem guten Wetter, das optimal für so eine Veranstaltung war: Sonne und erträgliche Temperaturen. Außerdem ist Riesa sehr günstig gelegen, was die Erreichbarkeit mit dem öffentlichen Nahverkehr angeht. Das war ein strategischer Vorteil. Und die Qualität und Vielfalt des Programms hat sicher auch dazu beigetragen.

Was bleibt vom Tag der Sachsen 2019?

Wir haben ganz Sachsen gezeigt, wie lebenswert und farbenfroh Riesa ist. Ich habe mit vielen Gästen gesprochen: Sie waren sehr angetan von der Freundlichkeit und Offenheit der Riesaer. Das hat eine Marketingwirkung! Wir wollen ja Menschen überzeugen, nach Riesa zurückzukommen und hier dauerhaft zu wohnen. 

Und wir wollten im Jubiläumsjahr, dass unsere Bürger sich für das, was sie in den letzten Jahren geleistet haben, selbst feiern – auch das ist angekommen. Zudem konnten wir infrastrukturell einige Dinge bewegen, die wir ohne den Tag der Sachsen so nicht hätten bewegen können.

Was meinen Sie damit?

Ich denke an den Umbau des Rathausplatzes. Die Fördermittel für Schulen, Schwimmbad und Auenwaldstraße sind gesichert. Damit bekennt sich der Freistaat zu den Kommunen, die den Tag der Sachsen ausrichten.

Etwas Wasser muss ich aber doch noch in den Wein gießen: Während draußen die Bühnen voll waren, blieb der Andrang in der Arena überschaubar ...

Die Eisbahn hatte guten Zuspruch. Aber bei dem Gott sei Dank sehr guten Wetter haben die Leute eher die Open-Air-Veranstaltungen in Anspruch genommen, als in die Arena zu gehen. Das wäre bei Regenwetter vielleicht andersrum gewesen. So hatten wir tolles Wetter und volle Bühnen an den anderen Standorten.

Jetzt hat Riesa den Tag der Sachsen gut absolviert. Wäre nun vielleicht die Landesgartenschau ein Thema?

Auch bei der Landesgartenschau sind die Dimensionen etwas kleiner geworden als früher, ähnlich wie beim Tag der Sachsen. Tatsächlich war die Landesgartenschau immer wieder mal Thema im Stadtrat. Die Frage kann man sich jetzt, nach dem das Fest erfolgreich hinter uns liegt, in aller Ruhe mal stellen.

Wann wird nach dem Tag der Sachsen Kasse gemacht?

Die ganzen Partner werden nun ihre Leistungen abrechnen. Da sind viele große Partner dabei, die einige Zeit für ihre Rechnungslegung brauchen, etwa bei den Themen Verkehr oder Security. Es ist unser Ziel, dass wir zügig Gewissheit über das Ergebnis erhalten. Vier bis sechs Wochen wird es aber mindestens noch dauern.

Wird am Ende der Abschlussbilanz eine rote oder eine schwarze Zahl stehen?

Wir haben mit einem Defizit geplant, wenn man die genannten Fördermittel für z. B. Schule, Straße, Rathausplatz und Bad außer Acht lässt. Eine schwarze Zahl fürs reine Feiern wird da keiner erwarten können. Aufgrund der Größe der Veranstaltung wird es keinen „Ertrag“ im finanziellen Sinne geben. 

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Feuerwerk, Riesenskulptur, Konzerte, Festumzug: Am Wochenende war viel los. Von Gästen gibt es viel Lob – und auch etwas Kritik.

Aber gelohnt hat es sich trotzdem: Wenn man sieht, wie stolz die Riesaer und wie positiv die Resonanz der Gäste waren! Ein riesiges Stadtfest im Jubiläumsjahr – das kostet nun mal Geld! Die Entscheidung für den Tag der Sachsen, die wir gemeinsam im Stadtrat getroffen haben, hat sich als richtig herausgestellt.

Das Gespräch führte Christoph Scharf.

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