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„Wir hatten immer das Ziel, Kolbe den Bürgern näher zu bringen“

Für das Kolbe-Picknick auf dem Oberwerder hat Jacqueline Jentzsch ein künstlerisches Programm vorbereitet.

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Frau Jentzsch, warum zieht das Kulturzentrum mit seinen Besuchern an diesem Sonntag zu einem Kolbe-Picknick auf den Oberwerder?

Die jetzige Sommerphase der Kolbe-Ausstellung „Kolbe in vier Jahreszeiten“ ist Kurt von Keudell gewidmet, dem Schwiegersohn von Georg Kolbe. Der Landschaftsmaler hat sehr viel Zeit in der Natur verbracht, um Skizzen für seine Aquarelle anzufertigen. Das wollen wir zum Anlass nehmen, mit allen interessierten Besuchern auf dem Oberwerder zu picknicken und ein bisschen Kunst zu genießen.

Was erwartet die Besucher denn?

Wir haben uns eine ganze Menge vorgenommen. Während des Picknicks wird Gabriel Jagieniak Saxofon und Keyboard spielen. Ich werde Skizzen für ein Aquarell anfertigen und auch die Besucher werden die Möglichkeit haben, ein bisschen zu zeichnen. Dazu wollen wir Gedichte sowie Briefe von Georg Kolbe vortragen. Auch der Heckelverein aus Döbeln wird mit einem Beitrag mit dabei sein. Und wir hoffen natürlich, dass die Leute jede Menge leckere Sachen zum Essen mitbringen. Es soll ein schönes poetisches Café auf dem Oberwerder werden, bei hoffentlich strahlendem Sonnensein.

Was suchen Landschaftsmaler wie Kurt von Keudell in der Natur?

Es geht schon ein bisschen darum, dem Ursprung des Lebens näher zu kommen. Draußen findet ein Künstler natürliches Licht und natürliche Farben. Gleichzeitig hat Kurt von Keudell versucht, die Natur mit menschlichen Bauwerken zu kombinieren. Beispielsweise bei den Aquarellen von Kolbes Atelierhaus in Berlin, die derzeit im Kulturzentrum zu sehen sind. Auch Stillleben und Bilder von Blumen hat er oft gemalt. Als Expressionist hat von Keudell seine Darstellungen auch häufig vereinfacht und auf das Wesentliche reduziert.

Wie hat sich Georg Kolbe denn mit seinem Schwiegersohn verstanden?

Beide hatten in den 1920er Jahren ein freundschaftliches Verhältnis und gingen etwa zusammen Bergsteigen. Kolbe hat für seinen Schwiegersohn auch eine Kühlerfigur für dessen Ford hergestellt. Später hatten sie allerdings politische Differenzen.

Mit dem Kolbe-Sommer sind die vier Jahreszeiten am 15. September abgeschlossen. Was für ein Fazit ziehen Sie?

Wir hatten immer das Ziel, den gebürtigen Waldheimer Georg Kolbe den Bürgern näher zu bringen. Bei dem kunstinteressierten Publikum ist uns das sicher auch ein Stück weit gelungen. Gerade bei der Jugendarbeit und der Vernetzung mit anderen Einrichtungen bleibt aber auch noch einiges zu tun. Deswegen wollten wir Kolbe mit dem Picknick auch noch einmal raus zu den Menschen bringen.

Die Fragen stellte Jan Iven.

Kolbe-Picknick im Rahmen der Sommerphase der Wechselausstellung „Kolbe in vier Jahreszeiten“. Morgen,
15 Uhr. Oberwerder. Eintritt frei. Bei Regenwetter findet die Veranstaltung im Souterrain des Kulturzentrums an der Gartenstraße 42 statt. Ab dem 6. Oktober werden hier noch einmal die schönsten Werke von Kolbe gezeigt.