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„Wir hoffen auf das Vertrauen der Leute“

Die Villa Teresa hatte mir ihren Sommerkonzerten schon einen Probelauf – nun will auch die Börse endlich wieder an den Start.

Wollen, dass es wieder losgeht: Christiane Böttger, Chefin der Villa Teresa, und Thomas Kretschmer, Chef der Börse.
Wollen, dass es wieder losgeht: Christiane Böttger, Chefin der Villa Teresa, und Thomas Kretschmer, Chef der Börse. © Norbert Millauer

Coswig. Thomas Kretschmer, der Chef der Kulturgesellschaft und der Börse, kommt mit einem Karton unter dem Arm ins Büro. Eben hat er die Programmhefte für die Börse und die Villa Teresa für das zweite Halbjahr aus der Druckerei geholt. Nach der abrupten Unterbrechung im Frühjahr soll es nun wieder losgehen - endlich! Die Börse startet gleich mit einem der beliebtesten Programme der vergangenen Jahre, mit dem Kabarett-Stück „Eine Nacht im Russenpuff“ mit Tom Pauls.

Statt der vorhandenen 630 Plätze können aufgrund der Hygienevorschriften nur 390 Plätze besetzt werden, also knapp zwei Drittel. Thomas Kretschmer greift zum Taschenrechner: „Genau 60 Prozent.“ Besser sieht es da in der Börse aus. Dort können bei Einhaltung der geltenden Hygienevorschriften immerhin 72 von 80 vorhandenen Plätzen besetzt werden, erklärt Christiane Böttger, die Leiterin der Villa.

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Neues Jazz-Festival geplant

Neben Reparaturen und Verschönerungsarbeiten in den beiden Häusern ist die Zeit noch für etwas anderes genutzt worden. Vom Freistaat haben sie 50.000 Euro erhalten, um in die Verbesserungen der Hygienebedingungen zu investieren. Und so sind kontaktlose, selbstreinigende Sanitäranlagen installiert worden. So fließt das Wasser aus den Hähnen jetzt, ohne diese zu berühren, über eine Infrarotschaltung, auch Seifenspender und Händetrockner können kontaktlos bedient werden und die Toiletten reinigen sich selbsttätig.

Jetzt gehe es erst einmal darum, „dass die Leute Vertrauen fassen, dass sie mit gutem Gewissen zu uns kommen können“, sagt Christiane Böttger. Sie hat ja mit der Villa Teresa bereits eine Art Probelauf mit den Sommerkonzerten, die als Ersatz für die abgesagte Landadelsreihe gedacht waren, absolviert. „Anfangs waren die Leute sehr unsicher, aber mittlerweile haben sie sich an die neue Situation gewöhnt und sie angenommen.“

Zu den Auflagen für die Veranstaltungen in der Villa und der Börse gehört auch eine Registrierungspflicht, um eventuelle Fälle von Ansteckung nachverfolgen zu können. Danach müssen alle Gäste ihren Namen, ihre E-Mail-Adresse und die Telefonnummer hinterlassen. „Die Daten werden bei Bedarf ausschließlich an die Gesundheitsbehörden weitergegeben und vier Wochen nach der betreffenden Veranstaltung wieder gelöscht.“ Übrigens: Die Registrierung kann man schon von zu Hause vom Sofa aus unter www.kultur-coswig.de/registrierung erledigen.

Die beiden Kulturmanager haben die vergangene Zeit auch genutzt, um ein neues Format aus der Taufe zu heben. „Zusammen mit dem Batzdorfer Schlossverein machen wir Mitte Oktober ein Jazzfestival“, erklärt Christiane Böttger. „Jazz feudal“ biete vom 9. bis zum 11. Oktober fünf Konzerte in der Gewölbetonne des Schlosses. „Das Programm wird eine Mischung aus Newcomern und gestandenen Musikern bieten, wobei Uschi Brüning in diesem Jahr unser Zugpferd sein wird.“

Klar ist, dass die Häuser in diesem Jahr mit Verlust arbeiten werden, so Thomas Kretschmer. Durch die Schließung im Frühjahr und den kommenden Betrieb mit nur 60 Prozent Bestuhlung werden am Ende des Jahres zwischen 50.00 und 70.000 Euro an Einnahmen fehlen und das auch nur deshalb, weil der Kulturraum seine zugesagten Fördersummen nicht kürzt. Umso wichtiger ist es, dass die Stadt avisiert hat, die Verluste auszugleichen.

Schaut man sich das Programm für das zweite Halbjahr an, dann sind 50 Veranstaltungen geplant! Neben der Börse und der Villa Teresa gehören ja auch die Stadtbibliothek und das Museum Karrasburg zur Kulturbetriebsgesellschaft Meißner Land mbH, wie sie mit vollem Namen heißt.

Alte Bekannte und ein neuer Flügel

Was die Börse betrifft, so zählt das aus dem April auf den 3. Oktober verlegte Jubiläumskonzert zu 45 Jahre Karat zu den Höhepunkten. Auch wenn Peter-Michael Diestel, Bürgerrechtler und letzter Innenminister der DDR, am 18. Oktober zurück auf sein untergegangenes Land blickt, dürfte das für viele von Interesse sein. Die Reihe der Weihnachtskonzerte eröffnen Frank Schöbel und seine Gäste am 4. Dezember.

Zu Silvester wird es zwar am Nachmittag das Operettenkonzert geben, aber die beliebte Abendveranstaltung mit Essen, Programm und Tanz muss ausfallen, so wie es in diesem Jahr leider keinerlei Tanzveranstaltungen mehr geben wird, erklärt Thomas Kretschmer. „Alle unsere Veranstaltungen im zweiten Halbjahr werden Sitzplatzveranstaltungen sein.“

Die Villa Teresa will ihren Ruf als überregionales Kammermusikzentrum weiter festigen. Derzeit wird der originale Steinway-Flügel von 1898 in Hamburg restauriert. „Wir haben ganz, ganz viele private Spender und die Sparkasse hilft auch“, so Christiane Böttger. Sollten die rund 50.000 Euro, die dafür notwendig sind, rechtzeitig zusammenkommen, soll der Flügel schon im November wieder erklingen.

Was er sich für das kommende Halbjahr wünscht, lautet die Frage an Thomas Kretschmer: „Wir hoffen auf das Vertrauen der Leute und dass im Rahmen des Möglichen wieder Normalität einkehrt.“

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