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Wir können auch Wildpark

Die Bergstadt will die Anlage übernehmen. Das stand so nicht im Drehbuch.

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Von Mandy Schaks

Altenberg ist immer für eine Überraschung gut. Während andere Gemeinden freiwillige Aufgaben abgeben, greift die Bergstadt zu und will den Wildpark in Hartmannmühle übernehmen. Und dabei war das ursprünglich genau umgekehrt geplant.

Die Eigner – das sind die Stadt, der Landkreis und die Tourismusgemeinschaft Silbernes Erzgebirge – wollten sich aus der Finanzierung zurückziehen und den Wildpark mit Jahresbeginn in die Hände des Fördervereins für die Natur des Osterzgebirges geben. Bewirtschaftet werden sollte die Anlage allerdings weiterhin von der Stadt Altenberg. Der Landkreis und die Tourismusgemeinschaft haben das inzwischen so beschlossen und sind aus dem gemeinsamen Zweckverband ausgetreten. Wider Erwarten lehnte das der Altenberger Stadtrat nun ab und könnte als einzig verbliebenes Verbandsmitglied das Erbe übernehmen.

Dass sich der Zweckverband nach 18Jahren auflösen will, hat mit dem Geld zu tun. Ab kommendem Jahr sind alle Kommunen angehalten, die doppelte Buchführung, kurz Doppik genannt, einzuführen. Dazu ist auch der Zweckverband verpflichtet. Spätestens ab diesem Zeitpunkt haben die Rathäuser nichts mehr zu verschenken. Vereinfacht gesagt, müssen sie dann rechnen und ihre Bücher führen wie ein Unternehmen.

Das heißt, auch am Wildpark hängt künftig ein Preisschild. Wie Bürgermeister Thomas Kirsten (Freie Wähler) sagt, wurde das Vermögen – ohne die Werte der Tiere – mit 1,5Millionen Euro beziffert. Wenn den Wildpark also nach 2013 jemand übernehmen würde, müsste er diese Summe mindestens zahlen oder der jetzige Eigentümer macht sofort Verluste. Daher sind alle Seiten interessiert, das noch vor Jahresbeginn sozusagen unter Freunden zu regeln. Denn das Geld könnte wohl weder eine Stadt noch ein Verein auf den Tisch legen, zumal der Besitzer des Wildparks nicht wirklich reich wird.

Bislang gab es viele Zuschüsse, um den Wildpark aufbauen und betreiben zu können. Das Ziel ist im Wesentlichen erreicht. Und es zeichnet sich ab, dass es kaum noch Fördermittel geben wird. Deshalb sollten die Gelder, die noch fließen, auch in den Wildpark gesteckt und nicht für unnötigen Verwaltungsaufwand ausgegeben werden. Darauf hatten die Rechnungsprüfer des Landratsamtes hingewiesen. Altenberg will die Werte nicht aus den Händen geben. „Der Fortbestand der Anlage muss gesichert werden“, sagte Bürgermeister Kirsten. CDU-Stadtrat Bernd Greif begrüßt das. Der Wildpark sei für die Region ganz wichtig, sagte er, vor allem für den Tourismus. Um ganz sicher zu gehen, will er aber mit seinem Nachfolger, Landrat Michael Geisler, sprechen. Der Alt-Landrat des Weißeritzkreises will erreichen, dass der Kreis den in Aussicht gestellten jährlichen Zuschuss von 15000Euro für drei Jahre vertraglich zusichert. Und eine Option, falls das mit dem Wildpark finanziell doch nicht zu stemmen ist.

Derweil grübelt der Förderverein noch, warum er erst für die Übernahme gefragt und dann übergangen wird. „Das hätte gut zu uns gepasst“, sagt Geschäftsführer Friedemann Trittmacher. „Ich kann mir die Kehrtwende nicht erklären.“