merken
PLUS

„Wir konnten einen weiteren Streik abwenden“

Oliver Freidler von der Teigwaren-Geschäftsführung spricht über den Tarifstreit – und mögliche Nudel-Preiserhöhungen.

Oliver Freidler gehört seit 2011 zur Geschäftsführung der Teigwaren Riesa. Aktuell ist der 33-Jährige allerdings nicht in Riesa, sondern auf einer Messe unterwegs.
Oliver Freidler gehört seit 2011 zur Geschäftsführung der Teigwaren Riesa. Aktuell ist der 33-Jährige allerdings nicht in Riesa, sondern auf einer Messe unterwegs. ©  Sebastian Schultz

Riesa. Der Termin für den zweiten Nudel-Streik der Woche stand schon: Laut Gewerkschaft NGG sollte eigentlich am Mittwoch ab 5.15 Uhr wieder für 24 Stunden die Produktion bei den Teigwaren Riesa still stehen. Am Abend zuvor – laut NGG um 18.57 Uhr – unterschrieb die Geschäftsführung doch noch die bereits vereinbarte Tarifvereinbarung, sodass die Maschinen an der Merzdorfer Straße nun wieder regulär laufen. Die SZ sprach dazu mit Oliver Freidler, Mitglied der Geschäftsführung.

Herr Freidler, wie man hört, ist im Tarifstreit bei den Teigwaren Riesa eine Einigung erzielt worden. Trifft das zu?

Gesundheit und Wellness
Gesundheit und Wellness auf sächsische.de
Gesundheit und Wellness auf sächsische.de

Immer gerne informiert? Nützliche Informationen und Wissenswertes rund um das Thema Gesundheit und Wellness haben wir in unserer Themenwelt zusammengefasst.

Ja. Wir haben Dienstagabend eine tarifliche Einigung unterzeichnet. Damit konnten wir einen für Mittwoch geplanten weiteren Streik abwenden.

Sind Sie als Mitglied der Geschäftsführung jetzt erleichtert?

Auf jeden Fall. Wenn wir die Dinge weiter so gelaufen lassen hätten, hätte das zu noch größerem Schaden geführt.

Was sind denn die Eckpunkte der tariflichen Vereinbarung?

Wir werden uns in mehreren Schritten über Tarifpunkte unterhalten. Spätestens am 27. März werden wir uns deshalb wieder mit der Gewerkschaft zusammensetzen. Wir prüfen, ob es vielleicht auch noch früher geht. Jedenfalls soll es schnellstmöglich weitere Gespräche geben. Außerdem ist die von uns bereits vollzogene Entgelterhöhung von sieben Prozent Bestandteil der Vereinbarung.

Die hatten Sie seit Januar nur freiwillig gezahlt, hätten Sie also jederzeit wieder wegnehmen können, oder?

Das stimmt so nicht. Einerseits wäre das rechtlich gar nicht möglich, der gesamten Belegschaft die sieben Prozent Lohnplus wieder zu streichen. Andererseits würden wir mit so einer Entscheidung ja ohnehin für neuen Unmut sorgen – und uns so ins eigene Fleisch schneiden. Jetzt ist die Lohnerhöhung jedenfalls bis zum 31. März festgezurrt. Und so lange gilt auch eine Friedenspflicht.

Die Gewerkschaft NGG hatte als Ziel einen Tariflohn von 16,50 Euro pro Stunde ausgegeben. Das seien immer noch 59 Cent weniger als bei Ihrem schwäbischen Mitbewerber Buck. Ist das aus Ihrer Sicht ein realistisches Ziel?

Wenn man sämtliche Forderungen auch aus dem geforderten Manteltarif umsetze, käme man auf eine Lohnerhöhung von 65 Prozent. Das wäre kein realistisches Ziel. Wir erkennen aber an, dass die Löhne schrittweise angehoben werden sollen. Wir wollen dazu unser Bestes geben. Zu den geforderten 16,50 Euro kann ich aber zum jetzigen Zeitpunkt noch keine Aussage treffen. Zur Lohnstruktur des genannten Referenzunternehmens kann ich ohnehin nichts sagen. Buck gehört nicht zu unserer Unternehmensgruppe.

Demnach bleibt weiter ein Ost-West-Unterschied ...

Wir erkennen diese Thematik an. Die Frage ist, was für die Teigwaren Riesa stemmbar ist. Unser Absatzgebiet sind zu 80 bis 85 Prozent die neuen Bundesländer, wo unsere Marke auch eine echte Hausnummer sind. Die Frage ist: Wie weit werden die Endverbraucher mögliche Preiserhöhungen für unsere Produkte mittragen? Diese Frage müssen auch unsere Mitarbeiter und die Gewerkschaft mit bedenken.

Diesen Monat hatte ein offener Brief der Familie Freidler an die Mitarbeiter der Teigwaren für Unmut gesorgt. Manche Sätze darin wurden offenbar als provokant empfunden. Können Sie das nachvollziehen?

Wir haben diesen Brief bewusst ganz offen und mit klaren Aussagen geschrieben, weil uns in der Vergangenheit teilweise Unehrlichkeit von der Belegschaft vorgeworfen wurde. Man sollte allerdings den ganzen Inhalt heraus lesen und sich nicht an einzelnen Halbsätzen aufhängen. So etwas bringt uns nicht weiter. Auch wir als Familie sind zuletzt stark emotional beteiligt gewesen. Da waren auch Beleidigungen zu hören.

Wie geht es jetzt weiter im Tarifstreit?

Unser Ziel ist eine schnellstmögliche Einigung. Die Gewerkschaft hat bereits angekündigt, dass ab dem 1. April weitere Streiks nicht auszuschließen sind.

Sind denn derzeit überall Riesaer Nudeln im Handel zu haben?

Es gab durch die Streiks schon größere Engpässe. Aber wir gehen davon aus, dass das in den Folgetagen und Folgewochen wieder gelöst wird.

Das Interview führte Christoph Scharf.