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„Wir konnten sechs Millionen Euro in Bahretal investieren“

Brigitte Kolba ist zum dritten Mal zur Bürgermeisterin gewählt worden. Keine leichte, aber vor allem interessante Zeit.

Brigitte Kolba trat als einzige Kandidatin zur Bürgermeisterwahl in Bahretal an. Die Gemeinde ist mit über 36 Quadratkilometern dreimal so groß wie Heidenau und hat mit 2 215 Einwohnern nur ein Achtel der Einwohnerzahl der Industriestadt, verteilt auf acht kleine Ortsteile. Wie Kommunalpolitik unter diesen Bedingungen aussehen kann und welche Pläne Brigitte Kolba hat, wollte die SZ wissen.

Frau Kolba, die Wahl fand zu einem ungewöhnlichen Zeitpunkt statt. Wie hängt das zusammen?

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Der damalige Bürgermeister Siegfried Pietzsch erreichte im Jahr 2000 das für hauptamtliche Bürgermeister zulässige Höchstalter von 68 Jahren. Aus diesem Grund musste ein neuer Bürgermeister gewählt werden, außerhalb der allgemein blichen Wahltermine für die meisten Kommunen.

Das war vor 14 Jahren. Vorher hatten Sie auch schon mal das Sagen in der Gemeinde …

Ja als Amtsverweserin. Das war vom September 1994 bis Juni 1996. So lange zog sich ein Rechtsstreit um den Bürgermeisterposten hin. Bis die Klage in höchster Instanz abgewiesen war, gab es den Posten als Amtsverweser.

War das Ihre erste Begegnung mit Gersdorf?

Nein. Ich hatte 1992 gerade mein Ökonomiestudium abgeschlossen, da wurde jemand für die EDV-Erfassung und Bearbeitung der Liegenschaften in der Gemeinde gesucht. Der Job passte und so lernte ich Gersdorf kennen. Meine Arbeitsstelle war in einer Baracke, der einzige Computer, den es damals gab, stand allein mir zur Verfügung.

Zwei erfolgreiche Wahlperioden liegen hinter Ihnen. Was konnten Sie in der Gemeinde erreichen?

Alle Kitas sind saniert und brandschutztechnisch auf aktuellem Stand. Gersdorf hat ein neues Feuerwehr-Gerätehaus bekommen. Beide Ortswehren haben neue Löschfahrzeuge. Ottendorf hat eine Begegnungsstätte. Es wurden in allen Ortsteilen die Gemeindestraßen erneuert. Allein in den letzten fünf Jahren sind 1,6 Millionen Euro in die Sanierung der Straßen geflossen.

Was war Ihnen noch wichtig?

Trotz unterschiedlicher Finanzausstattung in den ganzen Jahren haben wir sowohl Grund- als auch Gewerbesteuern konstant niedrig halten können. Mit den Investitionen und der Beibehaltung der Hebesätze konnte die Pro-Kopf-Verschuldung trotzdem auf niedrige 405 Euro pro Einwohner gesenkt werden. Im Unterschied zur Stadt sind bei uns große gewerbliche Ansiedlungen rar.

Sind jetzt alle Projekte abgehakt?

Natürlich nicht. Noch in diesem Jahr wollen wir mit dem Neubau des Nentmannsdorfer Gerätehauses beginnen. Die jetzige Halle ist so eng, dass die Türen vom Löschauto kaum richtig aufgehen. Dann natürlich die öffentliche Straßenbeleuchtung. Gersdorf ist dieses Jahr dran. Später soll Göppersdorf folgen. Auch der Buswendeplatz in Nentmannsdorf ist noch eine große Aufgabe. Hier soll in den Sommerferien gebaut werden. Vor allem wegen der Schulkinder muss ein sicherer Bord hergestellt werden. Außerdem ist die Fläche schlecht befestigt und eine Entwässerung fehlt.

Ist Regieren auf dem Lande ein Rudern gegen den Strom, weil sich alles in den Städten zu konzentrieren scheint?

Würde ich nicht behaupten. Wir haben eine gesunde Infrastruktur mit Arztpraxis, Physiotherapie, Kitas und Lösungen fürs Einkaufen. Die Gemeinde zählt mit knapp 2 200 Einwohnern rund 200 mehr als 1990. Auf einen Zuwachs können im Landkreis nur wenige Kommunen verweisen. Mehr Rückhalt würden uns klare Entscheidungen auf Landesebene nützen, wie zum Beispiel zur Zukunft unserer Schulen. Insgesamt wird es zunehmend schwieriger den ländlichen Raum weiter zu entwickeln.

Das Gespräch führte Heike Wendt.