merken
PLUS Meißen

„Wir machen nicht alles an jedem Standort“

Eine Bertelsmann-Studie schlägt vor, die Zahl der Krankenhäuser zu halbieren. Die Elblandkliniken sehen das kritisch.

Führt die Elblandkliniken mit ihren drei Standorten Meißen, Radebeul und Riesa seit gut sechs Jahren: der Vorstand des Gesundheitskonzerns, Frank Ohi.
Führt die Elblandkliniken mit ihren drei Standorten Meißen, Radebeul und Riesa seit gut sechs Jahren: der Vorstand des Gesundheitskonzerns, Frank Ohi. ©  Claudia Hübschmann

Meißen. Eine Anfang der Woche vorgestellte Bertelsmann-Studie empfiehlt, statt der Fahrzeit zur Klinik die Qualität zum entscheidenden Kriterium für die Organisation der deutschen Krankenhauslandschaft zu machen und diese radikal zu straffen. Die SZ sprach darüber mit dem Vorstand der Elblandkliniken Frank Ohi.

Wie sehen Sie die oben benannte These der Bertelsmann-Studie?

Anzeige
Sommer, Sonne, Sonnencreme
Sommer, Sonne, Sonnencreme

Hier erfährst Du welchen Schutz und welche Pflege Deine Haut in den heißen Monaten wirklich braucht.

Die These macht es sich zu einfach. Das Problem besteht darin, dass es durchaus Regionen gibt, die auf einen Teil der Krankenhäuser verzichten können. Allerdings sollte geografisch die Versorgung in der Fläche beachtet werden. 

Außerdem ist das in einem Land wie Sachsen nicht so einfach, denn hier wurden schon vor mehr als 20 Jahren die Entscheidungen getroffen, um die Anzahl der Krankenhäuser zu reduzieren. Man kann die Studie nicht grundsätzlich komplett negativ abstempeln, aber so einfach, wie die Überschrift es suggeriert, ist es auch nicht und die Anzahl der Krankenhäuser wäre auch zu hinterfragen.

In der Bertelsmann-Studie wird argumentiert, dass nur große Häuser moderne Technik und ausreichend Personal für eine qualitativ hochwertige Patientenversorgung vorhalten können. Haben die Elblandkliniken als Krankenhausverbund diese Größe?

Eindeutig ja. Wir haben 2008 den Grundstein gelegt, um die Häuser zu spezialisieren. So haben wir den Standort Meißen zu einem Zentrum für die Behandlung von Schlaganfällen entwickelt, die sogenannte zertifizierte Stroke-Unit. Am Standort Radebeul wurden die Infrastruktur und das Personal für die Spezialisierung im Bereich Senologie, Augenheilkunde und Knieendoprothetik angesiedelt.

Wiederum am Standort Riesa haben wir für die Flächenversorgung von kardiologischen Krankheiten, vor allem für Herzinfarkte, zwei der modernsten Herzkatheterlabore. Wir machen nicht alles an jedem Standort, sondern haben uns strategisch aufgestellt.

Den drei Häusern der Elblandkliniken in Meißen, Riesa und Radebeul sind klar abgegrenzte Spezialisierungs-Profile zugewiesen. Wie kommt dieser Profilierungsprozess voran?

Wie oben beschrieben, sind wir schon sehr weit, aber müssen uns auch ständig weiterentwickeln. Neben den Spezialisierungen müssen aber auch andere Bereiche, wie zum Beispiel die Radiologie oder Funktionsdiagnostik gut ausgestattet sein. Da wir Chefärzte standortübergreifend positioniert haben, können wir die Spezialisierung ohne Konkurrenzdenken in die Realität umsetzen.

Dazu gehört neben der Infrastruktur als wichtigster Bestandteil immer das gut ausgebildete Personal in der richtigen Personalstärke. Darum haben wir unsere Mitarbeiterzahl von 2 300 Menschen im Jahr 2013 auf heute 2 849 gesteigert.

Die Elblandkliniken arbeiten in verschiedenen Netzwerken wie dem Neurovaskulären Netzwerk Ostsachsen und Südbrandenburg mit. Liegt hier weiteres Potenzial, um die Qualität der Behandlung noch zu verbessern?

Ja. Netzwerke sind ein sehr wichtiger Punkt in der Steigerung der Behandlungsqualität. Wir müssen unternehmensübergreifend Wissen und Kompetenz bündeln. Diese Netzwerke helfen, den Menschen eine hohe Behandlungsqualität unabhängig vom Standort zukommen zu lassen. Wir arbeiten mit der Uniklinik Dresden an solchen Modellen und werden demnächst hierzu auch an die Öffentlichkeit gehen.

In Rankings wie der Focus-Rangliste von Kliniken für Gallenblasen-Probleme belegt Ihr Haus häufig vordere Plätze. Hilft das, die Auslastung auf einem hohen Niveau zu halten?

Das Focus-Ranking ist für uns ein Indiz, ob unsere Strategie richtig ist. Natürlich kann ich mir vorstellen, dass dadurch auch Patienten zu uns kommen. Letztendlich sucht sich der Patient das Krankenhaus aus, in dem sich der Patient die beste Behandlung verspricht.

Wichtig ist, dass die hohe Behandlungsqualität insgesamt bei den niedergelassenen Ärzten, Patienten und allen anderen Akteuren in der Gesundheitsversorgung in unserem Einzugsgebiet bekannt ist. Im Notfall entscheidet der Notarzt oder der Rettungsdienst, wohin der Patient gebracht wird. Kardiologische Notfälle im Einzugsgebiet werden deshalb bevorzugt nach Riesa gefahren.

Das Unternehmen hat das vergangene Geschäftsjahr mit einem Gewinn von 6,5 Millionen Euro abgeschlossen. Wie ist diese Zahl im sächsischen Vergleich zu bewerten?

Das müssen andere bewerten. Allerdings ist es sehr schwierig heutzutage, als Gesundheitsdienstleister positive Zahlen zu erwirtschaften. Der Fokus liegt in der Behandlung von Menschen. Hierfür benötigen wir wiederum Menschen, und zwar 365 Tage im Jahr, 24 Stunden täglich. Als Krankenhaus kann man es sich nicht mehr leisten, an der Personalschraube zu drehen. Auch aus diesem Grund haben wir unsere Mitarbeiterzahlen signifikant erhöht.

Das Gute ist, dass wir unseren Gewinn komplett für die Entwicklung der Kliniken nutzen können. Allerdings wird es jedes Jahr schwieriger einen Jahresüberschuss zu verzeichnen. Wir sind froh, dass wir diese Ergebnisse in den letzten Jahren erzielen konnten. Daher können wir auch die technische Ausstattung in den Kliniken, von der in der Bertelsmann-Studie gesprochen wird, auf höchstem Niveau inklusive der EDV halten.

Der Teilneubau in Riesa schreitet voran. Ist bereits absehbar, ob dafür eine Kreditaufnahme nötig wird?

Dazu ist es noch zu früh. Die Kliniken verfügen über eine solide Finanzausstattung, aber heutzutage zu bauen ist mit einem hohen Kostenrisiko verbunden. Wir versuchen, den Kredit so lange wie möglich hinauszuzögern, da trotz Niedrigzinslage jeder Cent, der aus den Klinken herausgeht, verloren ist.

Die Fragen stellte Peter Anderson.

Mehr zum Thema Meißen