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„Wir mögen den Hype um Greta Thunberg nicht“

Die Bautzener Ortsgruppe von Fridays for Future hat ihre eigene Sicht auf die Klimaaktivistin – und plant neue Aktionen.

Clara Sophia Weder, Aina Vorberger, Caroline Roschek, Meike Angermann und Jonas Löschau organisieren die Fridays for Future-Aktionen in Bautzen. Am Freitag demonstrieren sie wieder – und wollen vor der Wahl auf ihr Anliegen aufmerksam machen.
Clara Sophia Weder, Aina Vorberger, Caroline Roschek, Meike Angermann und Jonas Löschau organisieren die Fridays for Future-Aktionen in Bautzen. Am Freitag demonstrieren sie wieder – und wollen vor der Wahl auf ihr Anliegen aufmerksam machen. © Steffen Unger

Bautzen. Am Anfang war Clara Sophia Weder überrascht. „Dass erwachsene Menschen sich so beleidigen“, sagt sie, „das hat mich schockiert.“ Gemeinsam mit Aina Vorberger, Caroline Roschek, Meike Angermann, Jonas Löschau und noch einer Freundin, die an diesem Tag keine Zeit hat, hat sie die Bautzener Ortsgruppe von Fridays for Future gegründet. Nun sitzen die Jugendlichen auf einer Bank vor dem Theater – auf dem Platz, auf dem an diesem Freitag wieder ein Demonstrationszug starten soll. Sie reden wild durcheinander, die Stimmen hoch und aufgebracht: „Dumme, hässliche Kinder laufen sinnlos durch die Stadt“, sagt eine. „Die sollen lieber einen Beruf lernen“, zitiert eine andere, „kein Grund zu schwänzen“, sagt wieder eine andere. Gegenwind, wie diesen, haben die jungen Bautzenerinnen und Bautzener, die für ein Umdenken in der Klimapolitik auf die Straße gegangen sind, viel erfahren.

Mittlerweile, sagt Meike Angermann, „lässt uns das kalt. An konstruktiver Kritik wachsen wir – aber von dem, was wir auf Facebook lesen, stimmt ja vieles nicht einmal.“ Sie erklärt, dass die Demo-Teilnehmer in Bautzen nicht die Schule schwänzen müssen – schließlich beginnt der Umzug erst nach dem Unterricht. „Und klar greifen wir manchmal hoch“, sagt sie, „aber sonst bewegt sich nie etwas!“ Immer schneller redet sie, als sie einmal in Fahrt gekommen ist. „Für Breitband und für die Sicherheit geben wir viel Geld aus, das wird als sinnvoll angesehen“, sagt sie. „Warum nicht für die Umwelt?“

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Schnell wird klar im Gespräch: Die jungen Bautzenerinnen und Bautzener sind aufgebracht. Auch sie wollen, dass sich etwas bewegt – dass ein Umdenken stattfindet. Aber wer sind sie eigentlich, die Leute hinter dem Protest in Bautzen? Die bunte Mehrwegflaschen in ihren Taschen verstaut haben, Birkenstock-Sandalen tragen oder, wie Jonas Löschau die Socken mit Mustern ganz bewusst aus den Sneakern herausluken lassen? Die sich, wie Meike Angermann erzählt, bei einer AfD-Wahlkampfveranstaltung auf eine Diskussion einlassen – und am Ende nicht bleiben dürfen? Die es schaffen, auch in Bautzen Hunderte junge Menschen dazu bringen, ihren freien Freitagnachmittag mit Protest statt Hobby zu verbringen? Und die, wie Aina Vorberger, vor einem Demo-Umzug mit mehreren Hunderten Menschen zum ersten Mal eine richtige Rede halten? Nervös war sie, erzählt sie. „Aber es war toll, für die eigenen Werte einstehen zu können.“

Müll am Stausee gesammelt

Kennengelernt haben sich die fünf Mädchen aus der Truppe über die Schule. Schon länger sind sie befreundet, gehen allesamt in den elften Jahrgang des Schiller-Gymnasiums. Auch Jonas Löschau ging auf diese Schule. Dass sie sich engagieren, hat unterschiedliche Gründe. Aina Vorberger erzählt, dass ihre Familie schon immer sehr auf ein umweltbewusstes Leben geachtet hat. Und Caroline Roschek sagt, dass sie durch die Demos auf das Thema aufmerksam geworden ist – und seitdem viel mit ihrer Familie darüber diskutiert hat.

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Schon einige Aktionen haben die Jugendlichen gestartet. Sie haben Müll gesammelt – am Stausee und in der Stadt. Bald wollen sie Blumen pflanzen, die ihnen die Stadt zur Verfügung stellt – zum Beispiel für die Insekten. Noch ist das eine Nummer zu groß, sagen sie – aber später wollen sie ganze Bäume pflanzen. Vor allem aber möchten sie eines: Auf ein Umdenken in Sachen Umwelt aufmerksam machen. Dass Greta Thunberg dabei immer so sehr im Fokus steht, ärgert sie. „Klar, bewundern wir sie ein bisschen“, sagt Aina Vorberger. „Aber diesen Personenkult, den mögen wir nicht“, sagt Meike Angermann bestimmt. „Die Aktion sollte für sich selbst stehen“, findet sie. Und das tut sie auch. Stolz macht sie, wie sie sagt, dass „Schüler überall auf der Welt auf die Straße gehen – wäre es nur Greta, es wäre nicht dasselbe.“

Demonstration: Beginn Freitag, 13.30 Uhr, Theaterplatz

20.9.: Demo im Rahmen des internationalen Streiktages

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