SZ + Riesa
Merken

Ausleihe auch am Sonnabend

„Wir müssen da sein, wenn die Leute Zeit haben“, sagt die Leiterin der Gröditzer Bibliothek. Die Einrichtung geht auch bei der Filmausleihe demnächst neue Wege.

Von Eric Weser
 4 Min.
Teilen
Folgen
Die Leiterin der Gröditzer Stadtbibliothek Inka Wirtjes in der Kinderabteilung der Bibliothek im Dreiseithof. Insgesamt hat die Einrichtung rund 12.000 Medien im Bestand. In wenigen Tagen werden die Öffnungszeiten auf das Wochenende ausgedehnt.
Die Leiterin der Gröditzer Stadtbibliothek Inka Wirtjes in der Kinderabteilung der Bibliothek im Dreiseithof. Insgesamt hat die Einrichtung rund 12.000 Medien im Bestand. In wenigen Tagen werden die Öffnungszeiten auf das Wochenende ausgedehnt. © Eric Weser

Gröditz. Neues Jahr, neue Zeiten: Die Gröditzer Stadtbibliothek hat bald auch am Wochenende geöffnet – ab Januar immer sonnabends immer für zwei Stunden. „Wir müssen dann da sein, wenn die Leute haben“, sagt Leiterin Inka Wirtjes. Zwei Stunden seien zwar nicht sehr lang. „Wir hoffen aber, dass es angenommen wird.“

Gut angenommen wird die Bibliothek auch schon ohne längere Öffnungszeiten. Dafür scheinen die Zahlen zu sprechen. „Als ich 2012 angefangen habe, gab es etwa 250 bis 300 Leser“, so Inka Wirtjes. Inzwischen seien es etwa 700. Das ist statistisch gesehen etwa jeder zehnte Gröditzer. Die Nutzer kommen aber nicht nur aus der Stadt und den Ortsteilen, sondern auch aus Nachbargemeinden wie Wülknitz oder der Röderaue, dem brandenburgischen Röderland oder Elsterwerda.

Ein Selbstläufer sei die Entwicklung aber nicht, sagt Inka Wirtjes, die regelmäßig in Kitas und Schulen unterwegs ist und dort Leseprojekte anbietet. „Wen ich das nicht mache, merke ich, dass sich weniger Kinder anmelden.“ Rund 180 junge Menschen zwischen sieben und 14 Jahren zählt die Bibliothek derzeit. Im Alter bis 30 sind es nur wenige Leser, bei den 30- bis 60-Jährigen sind es mit mehr als 200 die meisten. Etwas weniger sind es bei der Altersgruppe 60 plus.

Um das Publikum anzulocken, hat die Leiterin unter anderem ein monatliches Lesecafé etabliert. Dort präsentieren beispielsweise Buchautoren in gemütlicher Atmosphäre ihre Geschichten. Mit einem Verein aus der Röderaue arbeite sie daran, dass nun auch ein Kinderlesecafé regelmäßig stattfindet, so Inka Wirtjes.

In Bewegung ist auch der Medienbestand, der sich am Bedarf der Nutzer orientiert. Jährlich steht ein Budget von etwa 7.000 Euro zur Verfügung, um neue Bücher, Brett- oder Computerspiele, CDs oder DVDs zu kaufen. Bei der Entscheidung lässt sich Inka Wirtjes von Bestsellerlisten oder Besprechungsdiensten leiten.

Streamingangebot ab Februar

Kommt Neues, muss Altes gehen. Nicht zuletzt aus Platzgründen. Denn ein Lager gibt es nicht. Deshalb werde der Bestand von derzeit rund 12.000 Medien auch insgesamt nicht wachsen, sagt Inka Wirtjes. Wer etwas Bestimmtes suche, dem könne das gegen eine Gebühr über den Bibliotheksverbund beschafft werden. „Wir hatten einen Leser, der im Krankenhaus ein Buch nicht geschafft hatte. Das haben wir dann darüber bestellt.“

Am gefragtesten sind laut der Bibliothekarin derzeit nicht Bücher, obwohl sie mit etwa 9.000 Stück das Gros des Medienbestands ausmachen. Stattdessen seien CDs und DVDs der Renner. Davon gibt es etwa 1.200 Stück. Was immer weniger gefragt sei, seien Sachbücher. „Ich denke, das hängt mit dem Internet zusammen“, sagt Inka Wirtjes, die den Bibliotheksbetrieb mit einer weiteren Kollegin bestreitet. Schüler, die nach Infos für Schularbeiten suchten, würden die genauso im Netz finden, wie Erwachsene, die sich zum Beispiel für Kochrezepte interessieren.

Auch die Bibliothek reagiert auf den Wandel durch digitale Medien. In den Räumen gibt es ein Drahtlosnetzwerk, über das Nutzer einen Internetzugang erhalten können. Mit Schülern hat Inka Wirtjes Rechercheübungen im Netz gemacht. Älteren Nutzern könne man so helfen, ihren Tablet-PC oder E-Book-Reader einzurichten. „Viele bekommen so etwas zu Weihnachten von ihren Kindern oder Enkeln geschenkt“, sagt Inka Wirtjes.

Die Geräte mit elektronischen Büchern zu bespielen, funktioniert, wenn einmal eingerichtet, über das Internet und damit ohne Besuche im Dreiseithof. Eine Netzverbindung und die Zugangsdaten reichen. Dasselbe gilt für das Filmportal „Filmfriend“. Darüber können Gröditzer Bibliotheksnutzer ab Februar Filme, Serien und Dokus streamen. „Das ist zwar nicht Amazon Prime oder Netflix“, sagt Inka Wirtjes. Aber das Angebot sei dennoch groß.

Gänzlich auf den Besuch in der Bibliothek verzichten lässt sich für die Nutzer trotzdem nicht. Denn mindestens einmal im Jahr muss die Nutzungsgebühr von zehn Euro (ermäßigt: drei Euro) vor Ort bezahlt werden. Aber ab dem neuen Jahr geht das ja auch sonnabends.

Die Gröditzer Bibliothek ist ab 2. Januar 2020 dienstags 10-12 und 14-18 Uhr geöffnet, donnerstags 9-12 und 14 bis 18 Uhr, freitags 14-16 Uhr und sonnabends 10-12 Uhr.

Mehr lokale Nachrichten aus Riesa lesen Sie hier.

Mehr lokale Nachrichten aus Großenhain lesen Sie hier.