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Wir müssen das Coronavirus erst noch besser verstehen

In der Pandemie herrscht noch immer viel Unwissen und Unsicherheit. Eine Kolumne von Prof. Alexander Dalpke aus dem Corona-Labor in Dresden.

Anhand von Blutproben von Schülern wollen die Forscher aufklären helfen, wie sich das Coronavirus unter Jugendlichen verbreitet.
Anhand von Blutproben von Schülern wollen die Forscher aufklären helfen, wie sich das Coronavirus unter Jugendlichen verbreitet. © Uncredited/NIAID-RML/AP/dpa

Im Sicherheitslabor der Dresdner Universität werden derzeit die Corona-Tests ausgewertet. Dessen Direktor Alexander Dalpke schreibt hier regelmäßig in diesen Zeiten der Corona-Krise für Sächsische.de.

Ich freue mich, dass sich viele Menschen in Sachsen und Deutschland an Abstands- und Hygieneregeln halten und die Unvernünftigen in der Minderheit sind. Das sehen wir alle an den Zahlen: Noch immer gibt es kaum nennenswerte Sprünge bei der Anzahl der Infizierten. Eine regional große Zunahme ist deutschlandweit nur vereinzelt zu beobachten.

Dennoch ist die Unsicherheit groß. Vor allem die Frage, wie hoch für jeden Einzelnen das Risiko einer Infektion ist und unter welchen Umständen die Infektionsgefahr steigt, bewegt viele Menschen. Leider können Wissenschaftler und Mediziner noch immer nicht alle diese Fragen beantworten – dafür ist dieses Coronavirus noch zu jung und die Erfahrungswerte sind nicht groß genug. Es gibt unterschiedliche Thesen dazu.

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So kommen gewisse Vorerkrankungen wie Übergewicht, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Diabetes bei Männern häufiger als bei Frauen vor. Das mag erklären, warum es mehr schwer erkrankte, männliche Covid-19-Patienten gibt. Auch gibt es Annahmen, dass hormonelle Unterschiede bei der Infektion eine Rolle spielen und das weibliche Hormon Östrogen gewissermaßen als Schutzfaktor wirken kann. Jedenfalls waren in der Vergangenheit Frauen bei ähnlichen Virusinfektionen wie Sars oder Mers weniger betroffen. 

Und: Die Immunreaktion ist bei Männern und Frauen unterschiedlich. Auch das könnte eine Erklärung sein.

Im Moment verfolgen Wissenschaftler und Mediziner viele Hypothesen. Welche sich als richtig herausstellt, wird die Zeit zeigen. Viele der aktuellen Studien beruhen auf kleinen Fallzahlen. Die Datenlage ist nicht repräsentativ. Diese Ergebnisse können also nur Anhaltspunkte sein. Sie als richtig und absolut anzusehen, wäre falsch. Deshalb ist es jetzt umso wichtiger, weitere Studien anzuschieben. 

Prof. Alexander Dalpke ist Direktor der gemeinsamen Institute für Medizinische Mikrobiologie und Hygiene sowie Virologie der TU Dresden.
Prof. Alexander Dalpke ist Direktor der gemeinsamen Institute für Medizinische Mikrobiologie und Hygiene sowie Virologie der TU Dresden. © Jürgen Lösel

Derzeit werten wir im Labor zum Beispiel Blutproben von Dresdner und Bautzener Schülern aus. Wissenschaftler der Medizinischen Fakultät an der TU Dresden und aus dem Universitätsklinikum Dresden haben eine Studie gestartet, um zu erfahren, wie sich das Virus unter Jugendlichen verbreitet, also wie hoch die Durchseuchungsrate ist und wie sich diese bei wiederholter Testung entwickelt. Im Fokus stehen Schüler der achten bis elften Klasse. Bis Weihnachten sollen sie noch zweimal untersucht werden. Die Studie ist ein wichtiger Schritt, um das Coronavirus besser zu verstehen. 

Noch immer beschäftigt vor allem Eltern die Frage, welchen Beitrag Kinder bei der Verbreitung der Infektion haben. Ist der Kontakt zu den Großeltern gefährlich? Sind Kita- und Schulbesuch bedenkenlos möglich? Fakt ist, dass Kinder von der Erkrankung bisher weniger betroffen sind als Erwachsene. Dabei sind Kinder eigentlich genauso infizierbar. Sie erkranken aber nicht so stark. Vielleicht weil das angeborene Immunsystem bei ihnen noch stärker ist als bei Erwachsenen. Die Wissenschaft kann hier Klarheit bringen und die Politik bei ihren Entscheidungen unterstützen. Ich wünsche mir, dass wir so bald viel mehr über das Coronavirus wissen.

Bisher in dieser Serie erschienen:

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