merken
PLUS

„Wir müssen die Hochwasserpläne überarbeiten“

Meißens OB Olaf Raschke äußert sich im SZ-Interview zum Vorwurf des schlechten Krisenmanagements.

Wieder Millionenschäden. Kaum ein Jahr nach der Elbeflut überkam die Stadt eine Schlammflut, die vor allem Bewohner der Stadtteile Triebischtal und Korbitz traf. Das Krisenmanagement der Stadtverwaltung hat in Meißen für Kritik gesorgt.

Wie das Rathaus auf die Vorwürfe reagiert und welche Schlussfolgerungen für die Katastrophenvorsorge in Meißen zu ziehen sind – darüber sprach die SZ mit Oberbürgermeister Olaf Raschke (parteilos).

Küchen-Profi-Center Hülsbusch
Nichts anbrennen lassen und ab nach Weinböhla!
Nichts anbrennen lassen und ab nach Weinböhla!

Schon Goethe wusste: Essen soll zuerst das Auge erfassen und dann den Magen. Das gelingt besonders gut in einer schicken neuen Küche. Jetzt zum Küchen-Profi-Center Hülsbusch und sich beraten lassen.

Herr Oberbürgermeister, viele Meißner wollen wissen, warum am 27. Mai kein Katastrophenalarm ausgerufen wurde.

Als wir am Nachmittag des 27. Mai von der Schlammlawine erfuhren, haben wir sofort und gemeinsam mit DRK, Kreisbrandmeister und Technischer Einsatzleitung Vorbereitungen getroffen, um Bewohner im Triebischtal zu retten und zu evakuieren. Am Abend, so gegen 21 Uhr, war klar, dass davon kein Gebrauch gemacht werden muss. Nach dem sächsischen Brand- und Katastrophenschutzgesetz handelt es sich dann um eine Katastrophe, wenn es um ein überörtliches Ereignis geht und Leben und Gesundheit von Menschen betroffen sind, die auch ein überörtliches Handeln erfordern. Die Voraussetzungen dafür waren nicht gegeben. Deshalb hat der Landkreis keinen Katastrophenalarm ausgelöst. Zum Glück kam in Meißen niemand an Leib und Leben zu schaden. Aus vielen Gesprächen mit den Menschen im Triebischtal weiß ich sehr wohl, dass die Folgen der Schlammflut für jeden Einzelnen katastrophal sind.

In einem offenen Brief erheben mehrere Stadträte schwere Vorwürfe gegen die Stadtverwaltung. Teile der Verwaltung und städtischer Unternehmen hätten beim Krisenmanagement versagt, heißt es darin.

Ich hatte zunächst zwei Dinge im Auge. Erstens: Sind Menschen gefährdet? Und zweitens: Wo bekommen wir die Technik her, um den Hauptzugang in das Wohngebiet freizubekommen, damit weitere Räumtechnik und Rettungsfahrzeuge herangeführt werden können. Dann stand die Frage, woher wir die Spezialtechnik bekommen, um den Schlamm wegzuräumen – und das am Feiertag. Ich bestreite nicht, dass manches hätte besser ablaufen können. Die Stadtverwaltung war aber vor Ort. Viele der städtischen Bediensteten waren in den von der Schlammflut betroffenen öffentlichen Einrichtungen im Einsatz. Um an anderen Stellen zu helfen, konnten wir nur die freiwilligen Helfer einsetzen, die sich gemeldet hatten. Beim Hochwasser vor einem Jahr waren es sofort über 200 – am Himmelfahrtstag zwei Tage nach der Schlammflut etwa 50.

Beklagt wurde das offenkundige Fehlen eines allgemeinen Notfallplanes.

Es gibt ein Konzept für den Katastrophenfall. Und es gibt Maßnahmepläne für Hochwasserereignisse, die uns seit 2002 viermal heimsuchten. Diese Pläne regeln genau, was bei welchem Wasserstand zu tun ist. Dieses Konzept überarbeiten wir jetzt, um für viele Krisenszenarien und Naturgewalten gerüstet zu sein. Festgelegt werden müssen Prioritäten und Verantwortlichkeiten, wobei die Rettung von Menschenleben immer den Vorrang hat. Wichtig sind aber auch die technische Ausstattung, die Verpflegung der Einsatz- und Hilfskräfte sowie eine effektive Kommunikation und bessere Information für die Betroffenen.

Welche Auswirkungen hat die Schlammflut auf den Hochwasserschutz in der Stadt?

Die Triebisch in ihrem Bett zu halten, reicht nicht aus, um in unserer Stadt gegen Naturgewalten gewappnet zu sein. Welche Kräfte sich entfalten, hat sich zum Beispiel daran gezeigt, dass die Wassermassen die Ossietzkystraße um 20 Zentimeter angehoben haben. Etwa 1000 Kubikmeter Geröll hatten sich in den Rohrdurchlässen angesammelt und diese wie ein Pfropf verstopft. Dagegen lässt sich nur mit einem Bündel von Maßnahmen vorgehen.

Was ist zu tun?

Die Zerstörungen zeigen, wo wir ansetzen müssen. Wir brauchen Regenrückhaltebecken, aber auch Geröllfänge, damit unterirdische Durchlässe das Wasser in die Triebisch ableiten können. Die Rohre selbst müssen einen größeren Durchmesser erhalten.

Was soll zuerst in Angriff genommen werden?

Die Neudimensionierung der Rohre soll im Zuge der Reparaturarbeiten an den Straßen erfolgen. Dazu wollen wir den Sachverstand von Experten aus Ingenieurbüros und der Landesbehörden einbeziehen. In der nächsten Woche werden wir uns im Bauausschuss die Planungen für den Kirchsteigbach noch einmal vornehmen. Die Schlammlawine hat gezeigt, dass es wohl nicht ausreichen wird, neben dem Spielplatz einen Geröllfang zu errichten. Ich bin auch dafür, die vorgesehene Neugestaltung des Spielplatzes an einer anderen Stelle im Triebischtal umzusetzen.

Die Verwüstungen durch die Schlammmassen waren auch deshalb so verheerend, weil große Mengen Boden von den Feldern oberhalb des Stadtparkes herabgespült wurden. Sollte nicht dort angesetzt werden?

Die Stadt ist Eigentümer und kann Einfluss darauf nehmen, wie die Felder bestellt werden. Ich habe mit den Landwirten gesprochen. Wir sind uns einig, dass auf dem Acker in kurzer Zeit Wasserrückhalte angelegt werden können. Als Vorbild dafür könnte das Bockwener Regenrückhaltebecken dienen. Gemeinsam mit dem Meißner Revierförster sowie Experten vom Landesamt für Umwelt und Geologie müssen wir die Lage und den Umfang dieser Regenrückhalte festlegen.

Die Stadt hat Millionenschäden zu beklagen. Die anstehenden Sanierungsarbeiten sind aus dem Stadtsäckel wohl kaum zu stemmen. Wer hilft?

Für die schnelle Reparatur von Tal- und Ossietzkystraße hat uns die Landesregierung eine 90-prozentige Förderung in Aussicht gestellt. Wir arbeiten auch an Förderanträgen, um die Schäden in Kita Zwergenmühle sowie am Kunstrasenplatz am Juteplan schnell beseitigen zu können. Bleiben immer noch hohe städtische Eigenanteile. Oder die Kosten für das Räumen von Schlamm und Geröll, die sich bis heute auf etwa 250 000 Euro summiert haben. Hier hoffe ich auf das sächsische Finanzausgleichsgesetz, das die Hilfe bei besonderen Notlagen vorsieht.

Gespräch: Harald Daßler