SZ +
Merken

„Wir müssen die Karre selbst aus dem Dreck ziehen“

Andreas Burkhardt ist der neue Bürgermeister von Müglitztal. Im SZ-Gespräch verrät er, ob er auch der letzte sein will.

Teilen
Folgen

Die Müglitztaler haben sich nach über 25 Jahren Jörg Glöckner für einen Neubeginn entschieden. Nachdem Glöckner nicht mehr antrat, vertrauen sie dem Zuzügler Andreas Burkhardt die Geschicke ihrer Gemeinde an. Der 47-jährige gebürtige Nordrhein-Westfale ist jetzt Bürgermeister. Er gewann am Sonntag den zweiten Wahlgang mit 39 Prozent. Die Mitbewerber Ulrike Fischer und Sylvio Zimmel kamen auf 34,3 bzw. 26,7 Prozent. Der Selbstständige Burkhardt hat damit einen neuen Auftrag, den der Wähler und Bürger.

Ist Ihnen schon bewusst geworden, dass sich Ihr Leben jetzt vollkommen verändert, Herr Burkhardt?

Ja, ich habe es ja so gewollt. Ich sehe die Schwachstellen und die Resignation der Menschen hier. Ich bin Logistiker, habe eine Spedition geleitet, die Buchhaltung gemacht. Die neuen Herausforderungen sind keine böhmischen Dörfer für mich.

Aber bei Verwaltung und Bürokratie ist das Wenigste logisch, und es dauert meist länger als man denkt und hofft …

Ja, da werde ich mich von der freien Wirtschaft her umstellen müssen. Aber ich werde mich reinfuchsen. Das wird seine Zeit brauchen, und ich werde vielleicht auch meine Probleme damit haben.

Die Zusammenarbeit mit dem Gemeinderat wird ein wichtiger Teil Ihrer Arbeit sein. In dem Gremium sitzt mit Ulrike Fischer die Ihnen unterlegene Kandidatin. Wie wird sich das auswirken?

Im Grunde wollen wir alle das Gleiche, die Frage ist, wie wir es umsetzen. Ich hoffe da auf eine faire Partnerschaft. Wenn es andere Meinungen gibt, höre ich sie mir an. Ich habe meine Standpunkte und werde sie vertreten, aber auch noch viel lernen. Dabei will ich von den Erfahrungen der anderen profitieren.

Vor Ihnen und dem Gemeinderat steht eine dringende und wichtige Aufgabe: Die Sanierung der Schule und damit ihr Erhalt. Was ist ihr Plan?

Ich will zuerst die Baupläne sehen. Ich bin da schon dran. Wir müssen die Karre selbst aus dem Dreck ziehen. Aber das geht nicht ohne Dohna oder eine Verschuldung.

Sie könnten als Müglitztals letzter Bürgermeister in die Geschichte eingehen.

Das will ich hoffen.

Heißt das, Sie wollen die Fusion mit Dohna forcieren?

Wenn es im Rahmen der Verträglichkeit funktioniert und die Menschen es wollen. Aber mein Ziel ist es zunächst einmal, eigenständig zu bleiben und in dieser Zeit etwas zu schaffen. Diese Zeit, das können auch mehrere Legislaturen sein.

Glashütte wird von manchen auch als eine Option gesehen …

Das funktioniert nicht. Wir müssen uns um das Beste fürs Müglitztal kümmern.

Wann werden Sie im Gemeindeamt vorbeigehen und sich bekannt machen?

Wenn wir jetzt nicht diesen Gesprächstermin hätten, wäre ich schon dort.

Sie haben nicht am Forum der beiden anderen Kandidaten teilgenommen. Geschadet hat es Ihnen nicht, bedauern Sie es jetzt trotzdem?

Es hätte nutzen können. Punkt.

Ihre Frau sprach beim Forum kurz und sagte unter anderem, Sie könnten sich nicht so gut präsentieren. Den Eindruck hat man gar nicht …

Kein Statement. (lacht)

Das Gespräch führte Heike Sabel.