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„Wir müssen um jeden Gast kämpfen“

Am 7. Juni wählt Sebnitz den Oberbürgermeister. Die SZ sprach mit Mike Ruckh – Amtsinhaber und einziger Kandidat.

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Herr Ruckh, Sie sind seit 22 Jahren im Amt, für die anstehende Bürgermeisterwahl gibt es keinen Gegenkandidaten. Fühlen Sie sich bestätigt?

Auf der einen Seite hätte ich gern einen Gegenkandidaten gehabt, Konkurrenz belebt das Geschäft, und Wettbewerb ist immer gut. Andererseits ist es auch eine Bestätigung meiner Arbeit, wenn keine der anderen Fraktionen einen Kandidaten aufstellt.

Eins der größten Projekte der letzten Jahre war die Fusion mit der Gemeinde Kirnitzschtal. Hat das funktioniert?

Das Zusammengehen hat sich auf jeden Fall bewährt. Die Befürchtungen, die viele aus den Ortsteilen hatten, haben sich nicht bestätigt. Auch der Stadt Sebnitz hat das gut getan. Es hat sich gezeigt, dass wir zusammen mehr erreichen können. Das Bürgerengagement schätze ich größer ein als vorher. Die Einwohner identifizieren sich jetzt noch stärker mit ihrem eigenen Ortsteil.

Wo hakt es noch?

Oftmals bei den kleinen Dingen in der Verwaltung, bei der Pflege der Grünflächen oder der Wanderwege. Da haben wir noch Anpassungsbedarf.

Was war in der letzten Wahlperiode außerdem wichtig?

Die größte Herausforderung war das Hochwasser 2010. Ich habe die Bilder noch gut im Kopf, wie es fast in der gesamten Stadt aussah. Aber wir sind gut und schnell aus dieser Krise herausgekommen. Kein Betrieb hat zugemacht, kein Arbeitsplatz ist deswegen verloren gegangen. Man hat gesehen, welche Kraft in der Stadt steckt. Das war gelebte Solidarität. Das Krisenmanagement und der Wiederaufbau haben funktioniert.

Die Sächsische Schweiz ist eine Touristenhochburg. Sebnitz scheint davon weniger zu profitieren als die Orte im Elbtal. Woran liegt das?

Das Elbtal ist schon immer Urlaubsziel gewesen, in Sebnitz dominierte bis 1990 die Industrie. Doch wir haben es geschafft, die Stadt als Urlaubsort zu platzieren. Bei den Übernachtungszahlen liegen wir auf Platz zwei nach Bad Schandau, mit großem Abstand vor allen anderen. Heute leben in Sebnitz viele Menschen vom Tourismus, auch der Einzelhandel. Aber wir sind noch lange nicht da, wo wir hin wollen. Aufgrund der Randlage müssen wir um jeden Gast kämpfen. Deswegen sind Veranstaltungen wie der Deutsche Wandertag 2016 so wichtig. Sie sind ein Gütesiegel.

Steht der Umbau zum Tourismusort im Vordergrund?

Nein. Sebnitz ist kein reiner Tourismusstandort wie Bad Schandau und will es auch nicht werden. Die Gewerbebetriebe sind unser zweites Standbein. Das ist der große Vorteil der Stadt, es macht sie auch krisensicherer.

Platz für neue Firmen gibt es kaum. Wie wollen Sie dem begegnen?

Wir müssen enger mit anderen Kommunen zusammenarbeiten als bisher: in der Wirtschaft mit Neustadt, im Tourismus mit Bad Schandau und Hohnstein. Ich mache Erfolg nicht an der Gewerbesteuer fest, sondern daran, dass möglichst viele Menschen eine Arbeit haben, von der sie leben können.

Wie können städtische Einrichtungen wie Kunstblume, Obere Schleuse oder Solivital mehr Gäste anlocken?

Mit Qualität und Werbung, Werbung, Werbung. Die Konkurrenz in der Region wird größer, jeder Gast kann sein Geld nur einmal ausgeben.

Wie soll Sebnitz für junge Leute attraktiver werden?

Die Menschen ziehen dahin, wo die Arbeit ist. Der Schlüssel zur Entwicklung sind Arbeitsplätze in der Stadt und der Region. Der zweite Punkt ist eine attraktive Stadt. Wir müssen die Stadtsanierung weiter vorantreiben, dazu gehört auch, Gebäude, die keine Chance mehr haben, abzureißen. Außerdem wollen wir attraktive Baugebiete zu bezahlbaren Preisen anbieten. Im vergangenen Jahr ist es uns bereits gelungen, den Trend zu stoppen. Es gab mehr Zuzüge als Wegzüge. Wir müssen uns aber auch stärker um die Menschen kümmern, die neu herziehen. Da ist jeder Bürger gefragt – und wenn es nur ein freundliches Gespräch ist.

Was sind Ihre wichtigsten Ziele für die nächsten sieben Jahre?

Ich möchte dafür sorgen, dass alle Schularten in Sebnitz erhalten bleiben. Wir brauchen eine starke Wirtschaft und florierenden Tourismus als Basis für Arbeitsplätze. Die Sicherheit wird ein großes Thema bleiben, dazu gehört für mich auch der Hochwasserschutz. Ich werde mich für den Erhalt der Gesundheitsversorgung einsetzen. Außerdem möchten wir ein Ortsentwicklungskonzept für jeden Ortsteil erarbeiten.

Das Gespräch führte Dirk Schulze.