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"Wir sind alle sehr angespannt"

Die Brandserie in Ebersbach-Neugersdorf reißt nicht ab. Der Wehrleiter sagt, wie sehr das die Kameraden belastet und warum das für die Stadt teuer werden kann.  

Thomas Kriegel ist Stadtwehrleiter in Ebersbach-Neugersdorf.
Thomas Kriegel ist Stadtwehrleiter in Ebersbach-Neugersdorf. ©  Rafael Sampedro

Der jüngste Einsatz, bei dem die Kameraden der Feuerwehr Ebersbach-Neugersdorf zu einem brennenden Auto gerufen wurden, war wohl auf einen technischen Defekt zurückzuführen. Anfang voriger Woche brannte ein Auto auf dem Netto-Parkplatz in Ebersbach. Sofort kam aber der Gedanke auf: es geht schon wieder los. Denn in den vergangenen Wochen musste die Wehr mehrfach ausrücken, weil in Ebersbach Autos in Brand geraten waren - offenbar absichtlich angezündet.

Allein neun Einsätze seit Ostern scheinen wohl  auf das Konto eines Verursachers zu gehen. Insgesamt hat die Stadtfeuerwehr von Ebersbach-Neugersdorf in den letzten Wochen so viele Einsätze bewältigt, wie schon lange nicht mehr. Das ist kräftezehrend für die Kameraden. Wehrleiter Thomas Kriegel sagt, warum sie trotzdem nicht die Motivation verlieren. 

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Herr Kriegel, wie viele Einsätze hat die Ebersbach-Neugersdorfer Feuerwehr in diesem Jahr schon gefahren?

Bis jetzt sind es 61. Das ist vergleichsweise viel, es ist ja noch nicht einmal das halbe Jahr rum. Im vorigen Jahr hatten wir insgesamt 120 Einsätze. Und das waren nicht alles Brände. Da waren viele Unwettereinsätze dabei. Auch Anfang des Jahres hatte es schon eine Art Brandserie gegeben: im Oberland brannten mehrfach Altkleidercontainer und Mülltonnen. 

Kann man jetzt in Ebersbach von einer gezielten Brandserie sprechen?

Man muss natürlich die Ermittlungen der Polizei abwarten. Aber ich gehe von Brandstiftung aus. Wenn drei Autos in einer Nacht brennen, das kann kein Zufall sein. Außerdem haben sich die fraglichen Brände alle in Ebersbach im Umkreis von rund 200 Metern abgespielt. Auch der Scheunenbrand und zuletzt der Brand des Umgebindehauses an der August-Bebel-Straße lagen in derselben Gegend. 

Wie ist aktuell die Stimmung in der Feuerwehr?

Alle sind sehr angespannt. Jedes Mal, wenn ein Alarm eingeht, schaut man skeptisch auf den Pieper, was jetzt wieder los ist. Es ist eine Belastung für alle Beteiligten. Die Kameraden gehen wieder zur Arbeit nach so einem Einsatz. Und die Arbeitgeber müssen die Leute freistellen und in der Zwischenzeit auf ihre Mitarbeiter verzichten. Die meisten Chefs haben zum Glück Verständnis dafür. Auch, weil die meisten Kameraden nach so einer Einsatznacht pflichtbewusst trotzdem wieder zur Arbeit gehen und sich nicht freinehmen. Ein Kostenfaktor können die häufigen Einsätze natürlich auch für die Stadt werden. Sie muss den Arbeitgebern der Kameraden den Lohnausfall ersetzen, das ist gesetzlich so geregelt. 

Gab es schon einmal eine derartige Brandserie?

Ja, in Neugersdorf vor einigen Jahren. Damals stellte sich heraus, dass ein Mitglied der Feuerwehr der Brandstifter war. Er wurde aus der Feuerwehr verwiesen und ist auch verurteilt worden. Ich weiß, dass natürlich auch jetzt in diese Richtung spekuliert wird. Das Klischee gibt es immer, weil es eben auch immer wieder vorkommt, dass Feuerwehrleute selbst zündeln. 

Üben Sie jetzt speziell das Löschen von Autos?

Nein. Wir haben unsere regelmäßigen Übungsdienste. 48 Übungsstunden pro Jahr sind vorgeschrieben, die Inhalte sind schon geplant. Da wird die ganze Bandbreite geprobt von technischen Hilfeleistungen bis zu Brandeinsätzen. Fahrzeugbrände üben wir jetzt nicht speziell, aber nach den Einsätzen gibt es natürlich eine Besprechung. Wie ist es gelaufen? Was hätten wir besser machen können? Wir setzen uns schon mit dem Geschehen auseinander. Aber natürlich nehmen wir auch mal Autos zu Übungszwecken auseinander. Es ist aber gar nicht so einfach, an Schrottautos für diesen Zweck zu kommen. Wenn jemand ein Auto abgeben will, nehmen wir es an, zahlen die Verschrottungskosten und nutzen es dann zum Üben. 

Verlieren die Kameraden in solchen kräftezehrenden Zeiten nicht die Motivation?

Nein, das nicht. Natürlich sind alle sauer auf den Unbekannten, der für die Brandserie verantwortlich ist. Aber deswegen hinzuschmeißen oder zu einem Einsatz nicht zu kommen, das kommt für keinen von uns infrage. Das wäre auch gegen die Satzung. Auch, wenn die Feuerwehr freiwillig ist, muss man sich daran halten. Das heißt: geht ein Alarm ein, muss man sich unverzüglich am Depot einsatzbereit melden. Wer natürlich krank ist oder nicht in der Stadt, darf dem Einsatz fernbleiben. 

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Zum Glück haben wir bei den Einsätzen in den letzten Wochen immer genügend Kameraden vor Ort gehabt. Mit 85 Aktiven sind wir für die Größe der Stadt ganz gut aufgestellt. Vorgeschrieben ist, dass die doppelte Besatzung der Fahrzeuge vorhanden sein muss. Das können wir gewährleisten. Allerdings würde ich mir eine jüngere Wehr wünschen. Wir haben einen Altersdurchschnitt von um die 40. Das klingt zwar nicht alt, aber man muss auch die körperlichen Herausforderungen sehen, die die Kameraden leisten müssen. Und wir werden alle nicht jünger. Doch es ist schwer, junge Leute für die Feuerwehr zu begeistern. Das ist aber bei allen Wehren so.  

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