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„Wir sind ein sehr fruchtbares Geschäft“

Trotzdem hat Blumen Thomas auf der Meißner Straße nach über 60 Jahren Nachwuchssorgen. Ein Grund ist der Babyboom der Mitarbeiterinnen.

Katrin Köhler, die Geschäftsführerin des Blumengeschäftes Thomas auf der Meissner Straße 94 in Radebeul, möchte, dass die Tradition des besonderen Blumenverkaufs fortgesetzt wird. Gefragt sind die frischen Blumengrüße auf jeden Fall.
Katrin Köhler, die Geschäftsführerin des Blumengeschäftes Thomas auf der Meissner Straße 94 in Radebeul, möchte, dass die Tradition des besonderen Blumenverkaufs fortgesetzt wird. Gefragt sind die frischen Blumengrüße auf jeden Fall. ©   Norbert Millauer

Von Beate Erler

Radebeul. Katrin Köhler will bald einen Aufruf starten. Sie glaubt, dass ihr Blumengeschäft einen bisher unbestätigten Rekord hält: 23 Babys in 15 Jahren. Das 23. Baby ist noch nicht da, wird aber dieses Jahr noch kommen. 

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„Ich glaube nicht, dass es in Deutschland ein Blumengeschäft gibt, das uns schlagen kann“, sagt sie mit einem breiten Lächeln. Dabei macht ihr genau das seit einiger Zeit Sorgen. Sie beschäftigt neun Floristinnen und eine Auszubildende. Drei von ihnen sind gerade im Mutterschutz. Auch die anderen Mitarbeiterinnen haben Kinder, arbeiten verkürzt und wollen das Geschäft nicht übernehmen.

Doch Blumen Thomas gibt es in Radebeul seit 63 Jahren. Tradition, die verbindet, steht auf der Website. Katrin Köhler hat das Geschäft 2004 von ihrer Mutter übernommen, die es zuvor 22 Jahre führte. 

Davor waren es die Großeltern von Katrin Köhler, die den Samen für viele Jahrzehnte Blumen in Radebeul streuten. 1945 kamen sie nach Radebeul: „Der Opa auf Krücken, weil er eine Granate zwischen die Beine gekriegt hat“, erzählt die 53-jährige Radebeulerin, „und die Oma mit einem Säugling und einem fünfjährigen Jungen.“ Sie haben die Landschaftsgärtnerei auf der August-Bebel-Straße vom Onkel übernommen, der aus dem Krieg nicht zurückkam.

Im Jahr 1956 gründeten Helmut und Ilse Thomas das Blumenhaus, auch wenn es damals nur ein Büdchen war. Eine Art Bretterverschlag stand dort, wo heute das Sanitätshaus an der Ecke Meißner Straße sein Geschäft hat. Es war gerade groß genug für den Verkauf.

Deshalb haben die beiden die Trauerkränze in ihrer Wohnung gebunden und dann auf einem Besenstiel in das Büdchen getragen, erinnert sich Katrin Köhler. Auch das Angebot war damals ein anderes: „Man war froh, wenn es überhaupt Blumen gab“, sagt die Floristmeisterin, „Nelken, Tulpen und Alpenveilchen, das war alles.“

Heute sieht das Geschäft von außen aus wie ein eleganter Glaspalast. Und drinnen werden die Kunden von der Blüten-, Duft- und Farbpracht fast erschlagen. Frische Schnittblumen sind das Hauptangebot. Bis morgens, 10 Uhr, bestellen die Floristinnen die Blumen in Holland und bekommen sie am nächsten Morgen schon bis 6 Uhr geliefert. „Das ist unsere Besonderheit“, sagt Katrin Köhler. Ohne Zwischenhändler sind die Blumen viel schneller und frischer in ihrem Geschäft.

Wegen dieser Frische und Qualität kämen viele Kunden seit Jahren zu Blumen Thomas. So zum Beispiel ein Mann, der jeden Samstagmorgen nach dem Brötchenkauf eine Rose für seine Frau bei ihnen kauft. Einmal bestellte ein Mann einen Strauß aus 250 roten Rosen. Der war so riesig, dass zum Binden mehrere Mitarbeiterinnen ranmussten. Die persönliche Kundenbeziehung hat sich Katrin Köhler über die Jahre aufgebaut: „Wir kennen viele Kunden beim Namen und sogar ihre Hochzeitstage auswendig“, sagt sie.

Schon als Kind ist sie mit ihrem Opa mitgefahren, wenn der die Blumen einkaufte. Doch am meisten liebte sie schon damals den Verkauf: Mit Kunden sprechen, die Blumen einwickeln und kassieren. Nach der Schule lernte sie in Dresden den Beruf der Blumenbinderin, weil der Opa sich das immer gewünscht hatte. Als sie Meisterin war, arbeitete sie 15 Jahre an der Berufsschule und bildete angehende Floristen aus. Seit sie 2004 das Geschäft von der Mutter übernommen hat, „besteht das Leben aus dem Geschäft“, sagt sie.

Das Interesse an der Arbeit als Florist ist zurückgegangen und die Geschäfte finden kaum qualifizierte Mitarbeiter. In den Jahren 2002 bis 2016 ist die Anzahl der Auszubildenden von über 8.000 auf etwa 2.500 gesunken. „Niemand will mehr in der Dienstleistung arbeiten wegen der langen Öffnungszeiten und der Wochenendarbeit“, vermutet Katrin Köhler. Weil sie es anders nicht stemmen können, haben sie mittwochs mittlerweile geschlossen.

Bisher hat sie keine Bewerbungen bekommen, trotz Inseraten in Zeitungen und Postings auf Facebook. Das Team freut sich über Unterstützung und bietet eine unbefristete Vollzeitstelle mit der Möglichkeit zur Unternehmensnachfolge.

Bewerbungen per Post an: Blumen Thomas, Katrin Köhler, Meißner Straße 94, 01445 Radebeul oder per E-Mail.


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