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"Die Schüler müssen keine Angst haben"

Der Leiter des Großenhainer Werner-von-Siemens Gymnasiums, Klaus Liebtrau, macht den Abiturienten Mut für den Schritt zurück in die Normalität.

Der Leiter des Großenhainer Werner-von-Siemens- Gymnasiums, Klaus Liebtrau, macht seinen Abiturienten Mut. Sollte es tatsächlich kommenden Montag losgehen, sei man gut vorbereitet.
Der Leiter des Großenhainer Werner-von-Siemens- Gymnasiums, Klaus Liebtrau, macht seinen Abiturienten Mut. Sollte es tatsächlich kommenden Montag losgehen, sei man gut vorbereitet. © Foto: Kristin Richter

Großenhain. Seit Gründonnerstag steht es fest: Die Abiturprüfungen in Sachsen finden trotz Corona-Pandemie wie geplant statt. Laut Kultusminister Christian Piwarz beginnen die schriftlichen Prüfungen demnach zum regulären Termin am 22. April. Ein Fahrplan, den natürlich auch der Leiter des Großenhainer Werner-von-Siemens-Gymnasiums sehr wohl vernommen hat. Und sich mit seinen Kollegen darauf einstellt. Wie, das verriet Klaus Liebtrau im Gespräch mit der Sächsischen Zeitung.

Herr Liebtrau, Sie sind bereits am frühen Dienstagmorgen in der Schule erreichbar! Nichts mit Osterferien?

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Na abgesehen davon, dass Ferien entgegen aller Vorurteile zum Trotz für einen Lehrer nicht immer gleich Urlaub bedeuten, haben Sie in diesem Fall auch recht. Nein, nichts mit Osterferien! Die Schulleitung und der Oberstufenberater haben sich bereits am Morgen getroffen, um das weitere Vorgehen zu besprechen.

Das heißt, Sie gehen praktisch davon aus, dass am kommenden Montag wieder unterrichtet wird?

Nein und ja! Wir wissen momentan ja auch nur das, was der Kultusminister am vergangenen Donnerstag offiziell mitgeteilt hat. Demnach ist nicht davon auszugehen, dass nach den Ferien wieder normaler Unterricht mit allen Klassen stattfindet. Die Rede war nur von der Beschulung der sogenannten Abschlussklassen in allen Schulformen und der planmäßigen Durchführung der jeweiligen Prüfungen in Klassenstufe zehn an der Oberschule und eben der zwölf am Gymnasium. Das bedeutet für unsere 72 Abiturienten, dass es am kommenden Freitag, dem 24. April, losgehen kann.

In welchem Fach wird dann das schriftliche Abitur abgelegt?

Am betreffenden Freitag starten wir mit Physik. Dann geht es am 27. April weiter mit dem Leistungskurs Geschichte, an den Tagen darauf werden Biologie, Chemie, Deutsch, Latein und Mathematik geschrieben. Beendet werden die schriftlichen Prüfungen an unserer Schule am 8. Mai im Fach Englisch. 

In den vergangenen vier Wochen fand kein Präsenzunterricht statt. Sind Sie der Meinung, dass die Schüler dennoch gut auf die Prüfungen vorbereitet sind?

Ja, das sind sie! Ich bin in den vergangenen Wochen auch immer davon ausgegangen, dass die Prüfungen nicht verschoben werden. Deshalb überrascht mich die getroffene Entscheidung unseres Kultusministeriums auch in keinster Weise. Sie garantiert unseren Schülern inmitten der verständlicherweise entstandenen Unsicherheit und mancher zwangsläufig umgeworfener Pläne vielmehr einen stabilen Ablauf. Und dafür bin ich dankbar. 

Meine Kollegen haben sich mit großem Engagement und hoher fachlicher Kompetenz ebenso darauf eingestellt und die Schüler in den Tagen der häuslichen Beschulung entsprechend umfassend vorbereitet. Wer noch Unsicherheiten verspürt oder Fragen hat, kann diese dann auch ab kommenden Montag mit den einzelnen Fachlehrern besprechen.

 Ich rate den Schülern wirklich, sich nun emotional auf die Prüfungen einzulassen und aus der Sondersituation wieder gedanklich aufzutauchen. Einfach anpacken und los! Es muss keiner Angst haben!   

Auch jene Schüler nicht, denen bloß vier Tage bis zum schriftlichen Physikabitur bleiben?

Nein, auch die nicht! Auch sie wurden von ihren Kursleitern gut bis hierher begleitet und es gibt eben genau noch diese vier Tage Zeit, in denen Fragen und Probleme geklärt werden können. Wir wollen unseren Schülern schließlich keineswegs beweisen, dass sie es nicht können. Das Gegenteil ist der Fall - und das werden wir auch gemeinsam hinbekommen!

Momentan hat die Kontaktsperre oberste Priorität. Wenn 72 Mädchen und Jungen nebst Lehrern in der Schule zusammengekommen, entsteht möglicherweise mehr Nähe, als gesundheitlich gewollt ist. Wie wollen Sie dieses Beieinandersein verhindern?

Das klingt komplizierter, als es praktisch sein wird. Angesichts der Tatsache, dass erst einmal nur die Abiturienten wieder beschult werden, stehen ausreichend Räume zur Verfügung. In den jeweiligen Kursen lernen circa zehn bis 15 Schüler. Diese bei der Ablegung des Abiturs weit auseinander zu setzen, fällt nicht allzu schwer. Wir haben in der Vergangenheit, als es manchmal bis zu 150 Abiturienten in einem Jahrgang gab, sogar schon in der Turnhalle geschrieben. Also da ist auch alles möglich und kein Problem.

Und hygienisch stellt sich die Schule wie darauf ein?

Genau so, wie es uns der Freistaat Sachsen vorgeben wird. Als der Schulbetrieb noch normal lief, haben wir schon überall Desinfektionsmittel aufgestellt und die einzelnen Tische und Bänke gesäubert. Nun ist davon auszugehen, dass das Tragen eines Mundschutzes angewiesen wird. Sollte es so sein, tun wir auch das! Hauptsache unsere Schüler erhalten die Möglichkeit, ihr Abitur abzulegen.

Herr Liebtrau, mit Mundschutz oder ohne: Haben Sie schon einmal unter so ungewöhnlichen Umständen die Jugendlichen in die Prüfungszeit geführt?

Nein, das habe ich nicht! Ich kann unseren Mädchen und Jungen versichern, sie sind mit dieser besonderen Erfahrung nicht allein! Im Schuldienst bin ich bereits seit 38 Jahren. Aber etwas derartiges ist noch nie vorgekommen.   

Zum Thema Coronavirus im Landkreis Meißen berichten wir laufend aktuell in unserem Newsblog!

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