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Großenhain

„Wir sind gern Landeier“

Ein junges Paar will mit ländlicher Förderung einen alten Hof umbauen – weil das Dorf für sie attraktiv ist.

Stefan Thalmann aus Leckwitz und Marie Taupitz aus Naunhof wollen eine Scheune in Wildenhain sanieren und auf dem Dorf wohnen bleiben.
Stefan Thalmann aus Leckwitz und Marie Taupitz aus Naunhof wollen eine Scheune in Wildenhain sanieren und auf dem Dorf wohnen bleiben. © Anne Hübschmann

Wildenhain. Sie haben der alten Frau Wohnrecht auf Lebenszeit gewährt. Als Marie Taupitz (24) und Stefan Thalmann (28) das Grundstück in Wildenhain kauften, wussten sie, dass die 94-jährige Bewohnerin im Haupthaus den Großteil ihres Lebens wohl hinter sich hat. Dennoch entschieden sich die jungen Leute, die Scheune als ehemaliges Landwirtschaftsgebäude für sich auszubauen. Dabei spielte sicher auch die Freude darüber eine Rolle, den Hof überhaupt bekommen zu haben. 

„Vor zwei Jahren wurde er schon mal im Internet angeboten“, erzählt Marie aus Naunhof, die in Meißen als Heilerziehungspflegerin arbeitet. Als sich die jungen Leute dafür interessierten, war der Hof plötzlich weg. Doch passiert ist nichts. So klingelten sie einfach noch einmal bei der alleinstehenden Rentnerin – und siehe da, sie bekamen ihre Chance.

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Stefan Thalmann aus Leckwitz, der auf dem Bau arbeitet, wusste, dass man eine Förderung beantragen kann. So kam die Sache ins Laufen. Das Paar beantragte einen Zuschuss beim Elbe-Röder-Dreieck. Für die Umnutzung eines ehemals landwirtschaftlichen Grundstückes zum Wohnen können sie 40 Prozent der Kosten im Nachhinein über die EU-Förderung ersetzt bekommen. Das macht Einiges aus. Dafür wollen Marie Taupitz und Stefan Thalmann gern den Papierkram in Kauf nehmen.

Früher dachte sie: Dorf ist langweilig

Warum sie überhaupt auf dem Dorf bleiben wollen? „So eine Scheune bietet viel Platz, wir haben lange beraten, bis wir mit dem Großenhainer Architekten Apitz die Pläne erstellt haben“, sagt Marie Taupitz. 155 Quadratmeter Wohnfläche, das ist in der Stadt kaum bezahlbar. 

Außerdem erinnert sich die 24-Jährige an ihre Ausbildungszeit in Dresden. Da habe sie letztlich gemerkt, dass das Großstadtleben nicht ihr Ding ist. Auch wenn sie als junges Mädchen manchmal dachte, auf dem Dorf sei nichts los. Hier in Wildenhain legen die jungen Leute ihren Wohnungsgrundriss auf Zuwachs an. Denn Kinder wollen die Beiden natürlich haben. „Wir bauen ländlich, aber gleichzeitig modern“, blickt das Paar voraus. Innen soll es „chici“ sein, mit nostalgischem Kachelofen und so. Stefan Thalmann plant, viel in Eigenleistung zu machen.

Die Beratung beim Elbe-Röder-Dreieck war „unendlich entspannt“, findet Marie Taupitz. Ihr Ansprechpartner im Regionalmanagement in Glaubitz ist Anja Schober. Deshalb habe sie vor den Ämterformalitäten auch keine Scheu, so die junge Frau.

 Jetzt wartet das Paar auf den Bescheid vom Landratsamt – erst dann dürfen sie mit dem Ausbau beginnen. Der ehemalige Stall des Dreiseithofes soll Garage werden. Schon jetzt brauchen beide ein Auto für den Arbeitsweg. Daran wird sich vermutlich auch in Zukunft nichts ändern. „Aber so sind wir mobil“, meinen die jungen Leute.

 Andererseits ist die Scheune auf dem Grundstück am weitesten weg vom Straßenlärm. Denn auf der Neuen Hauptstraße in Wildenhain ist es doch ganz schön laut – bis mal die Umgehungsstraße kommt. Ihren Garten werden die neuen Hofbesitzer nach hinten hinaus anlegen.

Mit eigenen Händen Traum erfüllen

Ohne Zögern würden Marie Taupitz und Stefan Thalmann jedem den Umbau alter Bauernhöfe mit Förderung nahelegen. „Wenn das Herz fürs Land schlägt, ist das doch viel individueller als ein Fertigteilhaus“, meinen sie. 

Hier könnten sie ihren Traum mit ihrer Hände Arbeit verwirklichen. Die in Aussicht gestellte Förderung beruhige und entlaste. Die Beratung in Glaubitz sei klar und verständlich gewesen. Typisch Dorf sei für sie auch, dass man sich gegenseitig hilft. Das künftige Wohnen in Wildenhain stellen sie sich „unkompliziert und harmonisch“ vor.

Allerdings war das 1945 nicht so, da waren die Russen auf diesem „Kriegshof“ und sollen von hier aus Medessen beschossen haben. Ein geschichtsträchtiges Grundstück also, sagen die jungen Leute ehrfurchtsvoll. Das soll heute nicht verfallen.