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„Wir sind in der Weltspitze wieder angekommen“

Das WM-Viertelfinale hat den deutschen Handballern kaum einer zugetraut. Sogar die Funktionäre sind überrascht.

© dpa

Mit einem gemütlichen Essen im Restaurant „Al Murjan“ haben die deutschen Handballer am späten Montagabend ihren Achtelfinal-Erfolg gegen Ägypten gefeiert. „Die Spieler müssen auch mal die einheimische Küche kennenlernen“, sagt Bob Hanning. Der 46-Jährige ist seit Mitte 2013 für den Leistungssport im Deutschen Handballbund verantwortlich und zudem Manager des Bundesligisten Füchse Berlin.

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Vor dem heutigen Viertelfinale gegen den Gastgeber, das ab 16.30 Uhr erneut nur der Pay-TV-Sender Sky live überträgt, erklärt er den überraschenden Erfolg.

Herr Hanning, der deutsche Handball hat sich zurückgemeldet, oder?

Das kann man ohne den Anflug von Arroganz mit Fug und Recht so sagen. Wir sind wieder in der Weltspitze angekommen. Das ist eine Botschaft, die wir senden dürfen. Das haben wir uns auch sehr hart erarbeitet. Wir haben immer gesagt, dass wir die Ballsportart Nummer eins hinter dem Fußball sind. Dazu gehören nicht nur das Mundwerk, sondern auch die Taten. Die haben wir nun sprechen lassen.

Wie oft müssen Sie sich kneifen, um zu realisieren, was bei der WM passiert?

Das haben wir uns natürlich gewünscht. Deswegen haben wir diesen Umbruch auch gemacht. Für mich war das Turnier so wichtig, um zu sagen, wir erreichen das Achtelfinale, machen dann eine Bestandsaufnahme und gucken, was von den Dingen geklappt hat und was noch nicht. Dass jetzt alles so gut ineinandergreift, das überrascht uns auch.

Die starken Auftritte kommen selbst für viele Experten überraschend. Was macht diesen Erfolg aus?

Teamgeist, absolute Willenskraft, eine knüppelharte Abwehr und ein durchdachtes Angriffsspiel. Zudem spielt Torwart Carsten Lichtlein ein überragendes Turnier. Er hat seine Sturm- und Drangzeit hinter sich, ist extrem fokussiert und der Rückhalt im Moment. Das war auch gegen Ägypten elementar wichtig. Die Mannschaft brennt und will gemeinsam etwas Großes erreichen. Jetzt muss man gucken, wie weit wir schon sind, wenn wir mal mit fünf Toren zurückliegen oder Mechanismen mal nicht greifen. Wir sind erst am Anfang, die Mannschaft wird weiter wachsen. Die Art und Weise, wie das Team ins Viertelfinale eingezogen ist, hat mich auch ein bisschen überrascht.

Die großen Ziele lauteten bisher immer Heim-WM 2019 und Olympische Spiele. Nun gibt es schon jetzt wieder eine kleine Handball-Euphorie. Muss die Vorgabe deshalb nicht korrigiert werden?

Was in Deutschland gerade passiert, ist unfassbar schön. Das bekommen wir mit. Das ist auch ein Stück weit Lohn für die Arbeit aller. Natürlich bleiben unsere langfristigen Ziele bestehen. 2019 soll das Haus des DHB fertig sein. Das heißt aber nicht, dass wir bis dahin nicht maximal mögliche Erfolge feiern wollen. Wir nehmen alles, was kommt.

Ist denn das Träumen von einer Medaille auch erlaubt?

Um uns herum darf jeder von einer Medaille träumen. Ich selbst träume eigentlich gar nicht. Ich bin Realist genug, um zu sagen, dass wir jetzt ein schweres Viertelfinale gegen Katar vor uns haben. Darauf müssen wir uns fokussieren. Damit sind wir bislang extrem gut gefahren. Ich sehe aber auch, welche Möglichkeiten dahinter liegen, wenn wir jetzt die Chance haben, das Qualifikationsturnier für die Olympischen Spiele mit einem Sieg zu erreichen. Das ist natürlich eine unheimliche Motivation. Wir haben die Mannschaft nach dem Sieg gegen Ägypten zwar zum Abendessen eingeladen, ich glaube aber nicht, dass wir damit den Hunger auf weitere Erfolge gestillt haben. Die Zielsetzung muss jetzt lauten: mindestens Platz sieben.

Wie geht die Mannschaft damit um?

Ich glaube, das interessiert die gar nicht. Was ein Funktionär will, ist denen egal. Carsten Lichtlein ist zu mir gekommen und hat gesagt, ich will zu Olympia. Dafür tue ich alles. Das ist diese Mentalität, gemeinsam gewinnen zu wollen, gemeinsam Spaß zu haben und gemeinsam was erreichen zu wollen.

Worauf müssen die Spieler nun gegen Katar gefasst sein?

Sie müssen sich auf eine technisch versierte Mannschaft einstellen, die auch individuelle Qualitäten hat, Spiele zu gewinnen. Das hatten die Ägypter noch nicht. Das wird ungleich schwerer, wobei der Druck natürlich bei den Katarern liegt, das ganz Große erreichen zu müssen im eigenen Land. Dass wir so ein bisschen unbekümmert sind und uns einig sind über das, was wir wollen, ist das ganz große Plus unserer Mannschaft.

Aufgezeichnet von Christoph Stukenbrock (sid) und

Martin Kloth (dpa).

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