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„Wir sind keine Totengräber“

Über die umstrittenen Deponiepläne für Grumbach sprach die SZ mit Stefan Becker, dem Amand-Geschäftsführer.

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Herr Becker, der Weg zum Amand-Betriebsgelände wird von Plakaten begleitet. Haben Sie die schon gelesen?

Ich habe Sie gesehen und bin entsetzt darüber, wie polemisch die Plakate sind. Bei Amand arbeiten Menschen, die nach Recht und Gesetz einem zugegeben höchst sensiblen Gewerbe nachgehen. Uns als Kriminelle und Totengräber der Region darzustellen, geht zu weit.

Aber Ihnen muss doch klar gewesen sein, dass die Deponieerweiterung nicht herzlich begrüßt werden würde?

Dass so ein Vorhaben auf Widerstand stößt, ist normal und nachvollziehbar. Darüber muss gesprochen werden. In Wilsdruff ist das geschehen, wo wir in einer Sitzung des Technischen Ausschusses unsere Argumente darlegen und mit den Bürgern diskutieren konnten. Aber was jetzt gegen uns läuft, ist eine völlig unsachliche Panikmache. Wir sind seit 1995 hier. Wir wollen nichts anderes, als die Deponie so weiter zu betreiben wie bisher.

Die Einwohner beklagen Dreck auf Terrassen und Gemüsepflanzen und haben Angst vor Feinstaub. Können Sie ausschließen, dass der Schmutz von der Deponie stammt?

Die Begriffe Staub und Feinstaub werden in diesem Zusammenhang gerne verwechselt. Feinstaub ist unsichtbar. Was die Grumbacher beklagen, ist Staub, wie er in der Landschaft verweht wird. Zum Beispiel, wenn nur wenig Bewuchs auf den Feldern steht. Trotzdem haben wir eine Untersuchung beauftragt, um ganz sicher zu gehen, dass aus unserer Deponie eben kein Feinstaub rausgeht.

Die Menschen sind beunruhigt, weil Sie für die Zukunft eine Deponie der SchadstoffklasseIII beantragt haben.

Wir werden auch in Zukunft nur industrielle Abfälle einlagern, wie sie beispielsweise in der Dresdner Chip-Industrie oder im Edelstahlwerk Freital anfallen. Es handelt sie eben nicht um Giftmüll, wie von einigen behauptet. Wir haben nur den Stoffkatalog wieder beantragt, den wir heute schon haben. Andere Stoffe kommen auch in Zukunft nicht nach Grumbach. Über den Antrag wird die Behörde entscheiden. Und alles, was wir hier machen, wird von der Behörde überprüft – auch im Nachhinein. Schweinereien sind überhaupt nicht möglich.

Kritiker geben zu bedenken, dass in 50, 200 oder 500Jahren keiner mehr weiß, was unter dem Hügel steckt.

Es gibt in Freiberg Dokumente, über Bergwerksanlagen, die sind 800Jahre alt. Auch die Grumbacher Deponie wird in Grundbüchern und anderen Unterlagen für nachfolgende Generationen dokumentiert.

Besteht nicht trotzdem die Gefahr, dass irgendwann das ausgeklügelte System nicht mehr funktioniert oder gestört wird?

Wir kippen nicht irgendwie und irgendwo Müll hin, sondern wir bauen eine Deponie nach bestem Wissen und dem modernsten Stand der Technik. Die Deponie hat nach unten hin mehrere Barrieren, darauf kommen die Industrieabfälle und darauf eine Oberflächenabdichtung, bestehend aus mehreren Schichten. Nach allem, was wir heute wissen, ist das sicher.

Was wünschen Sie sich für die nächsten Monate?

Ich wünsche mir, dass wir alle zu einer sachlichen Debatte zurückkehren und dass diese Stimmungsmache gegen uns aufhört. Die Behörden haben unsere Unterlagen, und sie bekommen die Einwände der Bevölkerung. Sie werden abwägen und nach Recht und Gesetz entscheiden, was wir tun dürfen und was nicht. Unser Unternehmen wird die Entscheidung respektieren und die Einwohner müssen das auch.

Es fragte: Annett Heyse