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Radeberg

Mehr Züge von Ottendorf nach Dresden

In Zukunft soll alle 30 Minuten eine Bahn in die Landeshauptstadt fahren. Ottendorfs Bürgermeister würde das freuen.

Künftig sollen Züge zwischen Ottendorf-Okrilla und Dresden im 30-Minuten-Takt fahren.
Künftig sollen Züge zwischen Ottendorf-Okrilla und Dresden im 30-Minuten-Takt fahren. © Archivfoto: Thorsten Eckert

Ottendorf. Sie war eines der Wahlversprechen in den Programmen zur Wahl des neuen Gemeinderats von Ottendorf-Okrilla: die Verbesserung des öffentlichen Nahverkehrs. Vor allem für einen 30-Minuten-Takt nach Dresden wollten sich die Kandidaten in den nächsten Jahren einsetzen. Jetzt zeichnet sich auch ohne ihr Zutun eine Lösung ab. Denn der Verkehrsverbund Oberelbe (VVO) hat die engere Taktung in dieser Woche bei seiner Verbandsversammlung als Eckpunkt für die weitere Entwicklung beschlossen.

Beim Verkehrsverbund erhofft man sich davon eine Steigerung der Fahrgastzahlen. Derzeit nutzen die Strecke Dresden-Königsbrück jeden Tag etwa 1.700 Fahrgäste. Wie VVO-Sprecher Christian Schlemper mitteilt, sind es an der Stadtgrenze zwischen Dresden und Ottendorf-Okrilla wochentags im Schnitt circa 1.100. Das Ziel ist eine Steigerung auf 3.300 Personen pro Tag.

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Millionen-Investition nötig

Um das zu erreichen, sind allerdings Investitionen in Stationen und Strecke von rund 36 Millionen Euro notwendig. „Vor allem der Bahnhof Ottendorf-Okrilla Süd muss umgebaut und ertüchtigt werden“, erklärt Schlemper. Der heutige Betriebsablauf mit entsprechender Stellwerks- und Signaltechnik einschließlich Fahrgastwechsel und Schrankenbeeinflussung sei absolut nicht mehr zeitgemäß und führe zu einem hohen Zeitverlust. „Aber auch andere Stationen sind zu ertüchtigen und die Strecke muss abschnittsweise ausgebaut werden, um schnellere Geschwindigkeiten zu erlauben“, sagt er.

Der VVO beteiligt sich mit 2,2 Millionen Euro an den Planungskosten und der Modernisierung der Bahnstationen. Um den Streckenausbau zu finanzieren, nehmen der VVO, der Freistaat Sachsen, die DB AG und der Bund Gespräch zu einer möglichen Förderung auf. Wann diese stattfinden sollen, steht derzeit aber noch nicht fest. „ Die Planungen der DB Netz AG beginnen allerdings jetzt“, teilt der VVO-Sprecher mit. Eine Aussage, wann die Züge im 30-Minuten-Takt fahren, könne deshalb jetzt noch nicht getroffen werden.

In Ottendorf-Okrilla hofft man auf eine möglichst schnelle Lösung. „Es wird allerhöchste Zeit“, sagt Bürgermeister Michael Langwald. Denn schon lange ist man in der Gemeinde mit der derzeitigen Anbindung unzufrieden. „Wir sind nicht jwd, sondern 15 Kilometer vom Dresdner Stadtzentrum entfernt“, sagt Langwald. Viele der Zuzügler, die in Ottendorf-Okrilla Häuser kaufen oder bauen, hätten zuvor in Dresden gewohnt und seien an die enge Taktung bei Bussen und Bahnen gewöhnt. Ottendorf könne nach Meinung des Bürgermeisters durchaus eine Musterkommune werden, was den ÖPNV angeht. „Da geht noch mehr“, sagt Langwald.

Parkprobleme in der Stadt

Mit einem gut ausgebauten öffentlichen Nahverkehr, der in enger Taktung fährt, würde manch ein Ottendorfer für die Fahrt zur Arbeit oder zu Freizeitaktivitäten nach Dresden sein Auto stehen lassen, ist der Bürgermeister überzeugt. Denn mit dem eigenen Fahrzeug in die Stadt zu fahren, sei Stress pur. Die Straßen seien voll und abgesehen vom Elbepark habe man immer das Problem, wo man das Auto parkt. „Da will man nicht mit dem Auto in die Stadt fahren“, sagt er. Vielleicht würde sich der eine oder andere Ottendorfer bei der nächsten großen Reparatur oder dem Tüv sogar dafür entscheiden, auf ein Auto zu verzichten, und das Geld stattdessen für eine Jahreskarte für den ÖPNV ausgeben. „Darüber würde ich mich riesig freuen“, sagt Langwald. Zwar gebe es immer noch Ziele oder Aktivitäten, für die man ein eigenes Auto brauche, aber vielleicht brauche eine Familie dann eben nur noch eins und nicht mehr zwei.

Michael Langwald weiß aber auch, dass eine solche Umstellung Zeit brauche. Denn nur weil es die Möglichkeit gibt, mit dem Zug statt mit dem Auto nach Dresden zu fahren, heißt das ja noch nicht, dass sie von jedem genutzt wird. Der Verkehrsverbund müsse die enge Taktung deshalb erst einmal einige Zeit durchhalten, bis die Leute sich umgewöhnt hätten.

An der Strecke von der Strecke von Dresden über Radeberg und Pulsnitz nach Kamenz können die Pendler den Umstieg auf öffentliche Verkehrsmittel vielleicht schon in Kürze selbst probieren. Denn auch auf dieser Trasse soll es Verbesserungen geben. Vorausgesetzt der Freistaat sichert eine finanzielle Unterstützung zu, soll das Angebot auf der Strecke von Montag bis Freitag in der Hauptverkehrszeit verdoppelt werden. „Zwischen die im Stundentakt fahrenden Züge werden morgens in der Hauptverkehrszeit zusätzliche Züge eingeschoben, ebenso nachmittags. Früh werden es vier zusätzliche Züge je Richtung sein, nachmittags fünf“, sagt Schlemper. Eine Umsetzung dieser Pläne wäre frühestens zum Fahrplanwechsel im Dezember 2019 möglich.

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