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„Wir sollten dankbar sein – und die Klappe halten“

Man kann dem anonymen Spender oder der Spenderin nicht dankbar genug sein, sagt Michael Vogel. Keine Floskel, Vogel meint es wirklich so. Von Anfang an, seit 1995 die erste Altstadtmillion eingegangen ist, war er dabei – als Leiter der Unteren Denkmalschutzbehörde.

Von Susanne Sodann

Man kann dem anonymen Spender oder der Spenderin nicht dankbar genug sein, sagt Michael Vogel. Keine Floskel, Vogel meint es wirklich so. Von Anfang an, seit 1995 die erste Altstadtmillion eingegangen ist, war er dabei – als Leiter der Unteren Denkmalschutzbehörde. Bis er 2008 in Ruhestand ging, saß Vogel Jahr für Jahr in dem Kuratorium, das immer geheim darüber debattierte, für welche Projekte das Geld ausgegeben werden sollte. „Bei der ersten Spende 1995 sind wir ganz vorsichtig an die Sache herangegangen. Die Stadt hat sich auch Gedanken gemacht, ob sie einen Fehler begeht, wenn sie das Geld annimmt“, erzählt Vogel. „Der ehemalige Oberbürgermeister Matthias Lechner handelte damals klug.“

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Eine Stiftung wurde gegründet, Vogel kümmerte sich zunächst um die anfallenden Formalitäten, verhandelte später im Kuratorium mit dem Vertreter des anonymen Spenders – zum Beispiel wenn es mal um ein Objekt ging, das nicht zum Kern der Altstadt gehört, wie Schloss Tauchitz oder das Weinberghaus. Mit dem Rechtsanwalt, der die Interessen des Spenders vertritt, steht Michael Vogel bis heute in Kontakt. Wer aber der Spender ist, weiß auch er nicht. „Ich habe mich nie an Spekulationen beteiligt und werde das auch niemals tun“, sagt er. Vogel hofft, mit dem Kuratorium immer die richtigen Entscheidungen getroffen und im Sinne des Spenders gehandelt zu haben. „Mir als Denkmalpfleger war es immer wichtig, dass möglichst viele Objekte gesichert werden konnten. Ohne die Altstadtmillion würde es in Görlitz auf jeden Fall ärmer aussehen. Sehr viele Projekte wären gar nicht umsetzbar ohne die Spende.“ Zum einen sind es die reichlichen 500 000 Euro, die bei der Erhaltung der Altstadt helfen. Zum anderen helfe das Geld als Grundstock oft, um weitere Fördermittel einzuwerben. „Und auch wenn ein Denkmaleigentümer mal nur eine kleinere Summe erhält, soll das auch eine Anerkennung für sein Engagement sein“, sagt Vogel.

Was ihn ärgert, ist die alljährliche Frage, wo die Altstadtmillion denn bleibe. „Diese große Unterstützung ist keine Selbstverständlichkeit. Vor einiger Zeit wurde ja vorgeschlagen, der Spender solle der Stadt beim Erwerb des Kaufhauses unter die Arme greifen – das ist eine Unverschämtheit.“ Dass die Altstadtmillion in diesem Jahr recht spät kam – vielleicht ein Warnschuss des Spenders? „Wir sollten dankbar sein und einfach mal die Klappe halten“, sagt Vogel.