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Löbau

"Wir sollten keine Monokulturen züchten"

Mario Kumpf will für die AfD in den Landtag einziehen. Er tritt im Wahlkreis 59 an, der den Altkreis Löbau umfasst. Seine Ziele erklärt er hier:

Mario Kumpf tritt für die AfD im Wahlkreis 59 an.
Mario Kumpf tritt für die AfD im Wahlkreis 59 an. © Rafael Sampedro/ Montage: SZ-Bildstelle

Herr Kumpf, kandidieren Sie in einer abgehängten Region?

Mario Kumpf: Was abgehängt ist, definiert jeder anders. Wenn man es mit westlichen Gefilden vergleicht, kann man davon reden, dass wir bei Lohn und Lebensqualität abgehängt sind. Hier gibt es auch weniger Möglichkeiten zur Freizeitgestaltung. Allerdings gibt es auch Dinge, die es anderswo nicht gibt, vor allem die Natur, die man erhalten und schützen sollte.

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Wo setzen Sie Ihre Schwerpunkte?

Kumpf: Natur und Umweltschutz sind mir wichtig. Ich bin in der Natur aufgewachsen. Wenn ich als Kind früh aus dem Haus gegangen bin, hatte ich rund um mich herum Wald. Zu meinen Kernpunkten gehören auch die Themen Schule und Bildung und Tourismus.

Bleiben wir beim Umweltschutz: Was genau meinen Sie da?

Kumpf: Was mir als allererstes einfällt, ist, dass man keine weiteren Wald-Monokulturen züchten sollte. Das ist schlecht, wenn dann bei solchen Trockenperioden noch der Borkenkäferbefall hinzukommt. Früher hat man mehr Borkenkäferfallen aufgestellt, das sollte man wieder machen, um der Invasion Herr zu werden. Das beste ist da Mischwald.

Meinen Sie mit Monokulturen auch die Landwirtschaft?

Kumpf: Auch, ja. Da muss mehr Wechsel in der Fruchtfolge rein, es sollte nicht jedes Jahr das Gleiche auf einem Feld angebaut werden. Ich habe jetzt ein Feld gesehen, da standen am Rand lauter Sonnenblumen. Das finde ich eine gute Idee.

Sie meinen die sogenannten Blühstreifen, die Sachsen mit EU-Geld seit einigen Jahren fördert...

Kumpf: Da sollte man aktiv mehr dafür werben, das ist etwas fürs Auge und die Natur.

Wie stehen Sie zu alternativen Energien?

Kumpf: Windräder sind für mich Schredderanlagen für Insekten, Vögel und Fledermäuse. Ich lehne das grundsätzlich ab. Auch die Ideologie, die dahinter steht, dass man immer noch mehr errichten will. Erneuerbare Energien sind wichtig, aber in Maßen, nicht in Massen. Da gibt es ausreichend Zeit. Für mich persönlich ist Erdgas eine günstige und umweltfreundliche Alternative, meine Familie fährt ein mit Erdgas betriebenes Auto.

Touristen kommen dahin, wo es schön ist. Wo gibt es beim Tourismus Handlungsbedarf?

Kumpf: Je mehr aktive Gestaltung, umso attraktiver sind die Ortschaften für Leute, die aus dem Westen wieder hierher kommen. Das ist auch für die hier lebende Bevölkerung gut.

Was genau meinen Sie konkret?

Kumpf: Zum Beispiel Aussichtstürme zu pflegen und nicht verfallen zu lassen, wie in Ebersbach, wo der Turm ein trostloser Schandfleck ist. Das müssen keine großen Sachen sein, eher kleine kompakte. Alles ist hier in der Fläche weit gestreut. Generell befürworte ich die Tourismuskonzeption bis 2025, die sollte zügig umgesetzt werden.

Attraktiv ist eine Region, wenn sie gut erreichbar ist. Was ist verkehrspolitisch nötig?

Kumpf: Wenn ich weiter in die Zukunft schaue, kann ich mir vorstellen, dass durch autonom fahrende und mit Wasserstoff betriebene Busse die Wartezeiten verkürzt werden, die jetzt sicher personell bedingt sind. Dann wären auch ältere Leute in abgelegeneren Orten wieder angeschlossen. Wie weit das flächendeckend umgesetzt werden kann, muss man sehen.

Spielt die B178 für Sie eine Rolle?

Kumpf: Natürlich muss die B178 endlich fertiggestellt werden. Woran es genau liegt, dass es nicht weitergeht, kann ich im Moment nicht sagen. Das darf man nicht schleifen lassen. Es kann auch nicht sein, dass man am Ende immer eine Ausweichmöglichkeit findet, weil etwas nicht geht.

Im neuen Polizeigesetz stehen 1.000 neue Polizisten. Ist das gut?

Kumpf: Die Frage ist, ob sie Bestand haben und dauerhaft bleiben. Ich denke auch, wir sollten noch weiter aufstocken. In meinen Augen wäre es gut, die 1.000 Polizisten nur für die Sicherheit in der Grenzregion einzusetzen. Es muss ja auch die Möglichkeit geben, die Grenze zu schützen. 

Das ist Aufgabe der Bundespolizei, hier geht es um die Landespolizei... Außerdem ist die Grenzkriminalität generell rückläufig...

Kumpf: Wenn ein Notfall besteht, muss man schnellstmöglich reagieren können. Da werden die Polizisten ja wohl die Augen davor nicht verschließen. In der Grenzregion gibt es per se mehr zu tun. Ich bin nicht dafür, dass die Grenze geschlossen wird wie es schon einmal war. Aber die Polizei kann ja in der Grenzregion vermehrt Streife gehen und Personalien kontrollieren.

Was meinen Sie mit Notfall?

Kumpf: Meine Familie ist vor zwei Jahren regelmäßig donnerstags aller 14 Tage ausgeraubt worden. In solchen Fällen, kann es nicht sein, dass man gesagt bekommt, man muss erst einmal sehen, woher man einen Streifenwagen kriegt, wenn man anruft.

Wie sehen Sie das Thema Videoüberwachung?

Kumpf: Ich habe persönlich kein Problem damit, mich filmen zu lassen. Aber wenn man sich umhört, so ist die Gesellschaft da gespalten. Ich bin auch nicht für einen Überwachungsstaat, sondern für Maß und Mitte. Videoüberwachung sollte es dort geben, wo Kriminalität stattfindet, wo bekannte Drogenumschlagplätze sind.

Mehr Polizisten würden Sie begrüßen - wie sieht es bei Lehrern aus?

Kumpf: Wir brauchen definitiv mehr Lehrer - und ich meine Fachlehrer. Quereinsteiger können nur eine Überbrückungsmöglichkeit sein. Aber es ist schwer, Fachlehrer hier in die Ecke zu kriegen. Man muss Anreize setzen, damit junge Leute hierher kommen.

Woran denken Sie da?

Kumpf: Wie man Qualität von Schule definiert und wie sie strukturiert ist. Es sollte keine weitere Verwürfelung geben.

Ist das Kritik am Schulsystem und den Schulformen?

Kumpf: Grundschule, Oberschule und Gymnasium, das ist okay. Aber ich bin nicht dafür, noch weiter zu separieren. Ich bin auch nicht der Meinung, dass man Förderschulen integrieren sollte. Was Privatschulen betrifft - was mir da so zugetragen wird - da sollte die Manipulation der Kinder aufhören.

Welche Manipulation?

Kumpf: Da wird bei den Kindern Hass gegen die AfD erzeugt. Da sind Streitigkeiten in der Familie vorprogrammiert. Schule hat einen Bildungsauftrag, das sollte nicht in die politische Richtung ausschlagen.

Wenn Sie gewählt werden - was für ein Abgeordneter möchten Sie sein?

Kumpf: Ich möchte bürgernah bleiben, die Leute in den kleinen Orten nicht vergessen und über das Wichtigste informieren. Natürlich will man seine Meinung durchsetzen, aber wir sind nicht in einer Diktatur, Kompromisse sind nötig und unsere Demokratie ist schützenswert.

Mario Kumpf ist 33 Jahre alt und lebt mit seiner Partnerin und seinem Kind in Ebersbach. Der gelernte Koch ist im familiären Gastronomiebetrieb angestellt und baut privat ein Tourismusunternehmen auf. Kumpf ist in den Stadtrat Ebersbach-Neugersdorf und in den Kreistag gewählt worden.

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