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„Wir stecken mittendrin im Klimawandel“

Auf Hitze und Trockenheit müssen wir uns künftig öfter einstellen, sagt Klimatologe Johannes Franke.

© Uwe Soeder

Oberlausitz. Brennende Felder, aufgeweichter Asphalt, ausgetrocknete Wasserläufe, Rekordhitze: Was wir gerade als ausgesprochenes Wetterextrem empfinden, könnte künftig zur Normalität werden, ganz besonders in der Oberlausitz. Davon ist Klimatologe Johannes Franke vom Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie überzeugt. Im Gespräch mit der SZ erklärt der 44-Jährige, was die gegenwärtige Witterung mit dem Klimawandel zu tun hat.

Johannes Franke (44) ist Klimatologe am Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie.
Johannes Franke (44) ist Klimatologe am Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie. © privat

Herr Dr. Franke, ist dieses Wetter ein Hinweis auf den Klimawandel?

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Ich würde sagen, wir stecken schon mittendrin. Der Witterungsabschnitt, den wir so schon seit dem Frühling erleben, spiegelt genau das wider, was wir messen, und was die Klimamodelle berechnen: Es wird wärmer und trockener, dazu werden die Wetterextreme häufiger. Was wir heute als extrem empfinden, wird Normalität.

Wie lässt sich das denn begründen?

Wir vergleichen die Witterung mit den durchschnittlichen Messwerten aus den Jahren 1961 bis 1990. Das ist unser langjähriger Referenzzeitraum. Demgegenüber fallen die Temperaturen der vergangenen Monate extrem aus: Der April war in der Oberlausitz über 5 Kelvin zu warm. Es war der wärmste April seit Beginn der kontinuierlichen Wetteraufzeichnungen 1881. Im Mai, Juni und Juli geht das so weiter. Es gibt in den Jahreswerten zwar Schwankungen, aber eine durchgreifende Erwärmung ist deutlich.

Wie ist das mit der Trockenheit?

Noch schlimmer: Ich will das mit 2003 vergleichen, das Dürrejahr haben ja viele noch in Erinnerung. 2003 war das trockenste Jahr seit 1881. Wir sind auf dem Weg, den Rekord 2018 zu brechen. Im Boden fehlen jetzt 150 Millimeter Niederschlag. Das könnte auch ein verregneter Restsommer nicht ausgleichen.

Was bedeutet es denn, wenn wir uns in Zukunft häufiger auf Hitze und Trockenheit einstellen müssen?

Es bedeutet, dass wir uns eben wirklich darauf einstellen müssen. Wir haben hier kein Erkenntnisproblem, wir haben ein Umsetzungsproblem. Beispielsweise in der Landwirtschaft. Dürrehilfen sind die eine Seite, Anpassung die andere. Die Bewässerung bekommt hier zunehmend Bedeutung. Allerdings sind Wasserverfügbarkeit vor Ort und Sortenwahl wichtige Komponenten, insbesondere hinsichtlich Wirtschaftlichkeit der Betriebe.

Es heißt aber, dass die Jahresniederschlagsmenge gleich bleibt?

Im Sommer wird sie tendenziell sogar größer. Aber was hilft das, wenn monatelang fehlender Niederschlag als örtlich begrenzter Starkregen herunterprasselt. Wenn der auf ausgetrocknete Böden trifft, kann das Wasser so schnell gar nicht eindringen, sondern spült noch die obere Bodenschicht weg. So entstehen die örtlichen Überschwemmungen, wie wir sie in der letzten Zeit häufig hatten. Die Oberlausitz ist von der Trockenheit besonders betroffen.

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