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„Wir wären ja mit dem Klammersack gepudert“

OB Deinege rechnet in seiner Neujahrsansprache mit Brückengegnern ab und hofft auf mehr Besucher im Kaisertrutz

© Pawel Sosnowski/80studio.net

Von Matthias Klaus

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Das Rund des Kaisertrutzes hat so seine Tücken. Jedenfalls für Besucher des Neujahrsempfangs des Görlitzer Oberbürgermeisters Siegfried Deinege, die ein wenig zu spät kommen. Denn wegen der Krümmung des Raumes können diese im besten Falle nur einen kurzen Blick auf den Rathauschef werfen, zumindest während seiner Rede. Aber das ist eigentlich auch nicht schlimm. Denn Deineges Stimme schallt, elektronisch verstärkt, so laut durch den Kaisertrutz, dass sie auch in den hintersten Besucherreihen deutlich wahrgenommen wird.

„Kunst, Kultur und Gesellschaft“, sollen im Mittelpunkt des Treffens stehen, so liest es sich in der zugehörigen Einladung. Eine gute Entscheidung, mit Sicherheit. Denn das Thema Kultur stand in den vergangenen Tagen im Mittelpunkt in Görlitz und in Zgrozelec. Oberbürgermeister Deinege holt noch ein bisschen weiter aus. Knapp 15 Millionen Euro, genauer 14,6, sagt er, sind in den vergangenen Jahren in die Museumslandschaft der Stadt Görlitz geflossen. „Seit 2006, seit bekannt wurde, dass Görlitz nicht Kulturhauptstadt 2010 werden würde“, so der OB. Das klingt dann fast schon ein bisschen trotzig. Elf Millionen Euro seien davon als Fördermittel geflossen. Mit der gerade eröffneten Galerie der Moderne im Kaisertrutz wurde eine Lücke geschlossen, die das Museum vervollständigt, so der OB. 30 000 Besucher zählte die Einrichtung im vergangenen Jahr. Mit der neuen Schau in der dritten Etage sollen es 30 Prozent mehr werden, wünscht sich Siegfried Deinege. Museumsdirektor Jasper von Richthofen ist über diese Zahl ein wenig erstaunt. Denn zur Eröffnung der Ausstellung am vergangenen Freitag hatte der Oberbürgermeister noch von erwünschten 25 Prozent Zuwachs gesprochen. „Aber auch die 30 Prozent werden wir schaffen. Da bin ich zuversichtlich“, ist von Richthofen optimistisch. Immerhin: Schon im Vergleich zu 2013 konnte das Museum im vergangenen Jahr 9 000 Besucher mehr begrüßen.

Oberbürgermeister Siegfried Deinege hat inzwischen abrupt das Thema gewechselt. Nach Kunst und Kultur steht nun die Gesellschaft im Mittelpunkt. Mit der geplanten, neuen Brücke, beispielsweise. Die soll zwischen Altstadt- und Stadtbrücke gebaut werden und ist umstritten. Bis 1945 gab es die, nun soll sie am Lindenweg wieder neu entstehen. Der Stadtrat billigte mehrheitlich das Vorhaben, Görlitz wird bis 2018 insgesamt 178 000 Euro zahlen. Der Bund fördert das Ganze mit 1,6 Millionen Euro. Im Internet, in der Bürgerschaft wird das Thema hingegen kritisch gesehen. Siegfried Deinege verteidigt während seiner Neujahrsanprache das Projekt. „Es gab hier früher sieben Brücken über die Neiße“, sagt er. Und: Görlitz wolle heute ja schließlich Europa-Stadt sein. Die Brücke sei Gegenstand der Stadtentwicklung geworden, wurde aber nicht in Förderprogramme aufgenommen. Vorerst jedenfalls. Wie der Bund am Ende doch überzeugt werden konnte, das Geld für den Brückenbau zu überweisen, da bleibt Deinege von seiner Seite aus nebulös. Er spricht von Kontakten von Brüssel über Dresden bis Berlin, davon, dass man „manchmal doch schneller Gelder bekommen kann als gedacht“ und „manchmal bringt jemand das Geld auch vorbei“. „Wir wären ja mit dem Klammersack gepudert, wenn wir damit nicht die Brücke für die nächsten Generationen bauen würden“, so der OB am Montag im Kaisertrutz. Die Finanzen seien zudem nur für die Brücke verwendbar, können nicht für andere Projekte, so wie es manche Görlitzer forderten, eingesetzt werden.

Deinege holt in seiner Rede zum großen Rundumschlag aus: über die ausstehende Sanierung der Stadthalle bis zu Investitionen am Berzdorfer See bis zum Kaufhaus-Investor Stöcker. Das Thema Stärkung des Handels sei ihm wichtig. „Wir haben Handlungsbedarf in dieser Richtung“, sagt er. Das Thema Asyl kommt nun auch zum Zug. Deinege berichtet über seine Erfahrungen nach Auslandsreisen, etwa nach Israel. „Wenn wir uns über einzelne Flüchtlingsschicksale beklagen, sollten wir uns die Zeltlager anderswo vor Augen führen“, sagt er. Europa habe das Thema nicht im Griff, gerade auch nach Gesprächen in Polen bekam er entsprechende Meinungen zu hören, so der OB. Vor einem Jahr habe er sich mit dem Landkreis darauf verständigt, Asylbewerber in der Stadt dezentral, also nicht in eigens ausgewiesenen Flüchtlingsheimen, unterzubringen. „Das war bis Mitte des vergangenen Jahres nicht gewollt“, so Deinege. Trotzdem habe dies die Stadt angegangen. Derzeit werden, so der Oberbürgermeister, 80 Asylbewerber derart in Görlitz untergebracht.

Inzwischen spricht Siegfried Deinege schon relativ lange und in den hinteren Reihen, die mit dem nicht-direkt-Sichtkontakt wird es unruhig. Am besten, verrät Deinege da vorn, eine Kurve weiter, könne er ja im Museum abspannen, abschalten von der Hektik des Alltages. Seine Worte gehen im immer lauter werdenden Gemurmel nahezu unter. Kein Wunder. Es werden Schnittchen gereicht. Und der Sektstand ist ja auch noch geöffnet.

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