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„Wir waren deutschlandweit berühmt“

Frank Rehm hatte jahrelang die Disko Prince im Riesapark betrieben. Eine Ankündigung macht ihn wehmütig.

Vom Diskochef zum Einzelkämpfer: Frank Rehm betreibt heute den Getränkemarkt an der B 182 in Strehla. Früher leitete er das Prince im Riesapark. Dort hätten an manchen Abenden 50 Leute gearbeitet
Vom Diskochef zum Einzelkämpfer: Frank Rehm betreibt heute den Getränkemarkt an der B 182 in Strehla. Früher leitete er das Prince im Riesapark. Dort hätten an manchen Abenden 50 Leute gearbeitet © Sebastian Schultz

Riesa. Er hat Rammstein nach Riesa gebracht, Dieter Bohlen nach Strehla, die Puhdys auf den Lorenzmarkt. Mit der Boygroup Caught in the Act hatte er den Verkehr vor dem Stern lahmgelegt. „Damals haben manche Mädchen schon drei Tage vorher an der Stadthalle gecampt, ganze Straßen mussten abgesperrt werden“, sagt Frank Rehm. Der heute 58-Jährige war als Konzertveranstalter und Partymacher bekannt, vor allem als Gründer und jahrelanger Chef der Disko Prince im Riesapark.

Die ist zwar schon seit Jahren zu – dennoch hat Frank Rehm jetzt die ganzen alten Programmhefte noch einmal herausgekramt. Denn die Geschichte treibt ihn um – seit er bei Facebook eine Ankündigung für eine Party am 29. Dezember im Stern gefunden hat: Dort soll das Prince für einen Abend noch einmal neu erstehen. „Der Ausrichter verwendet sogar das markante Logo mit der Krone, das wir damals genutzt haben.“ Wir, das waren Frank Rehm und zwei stille Gesellschafter, die vor 20 Jahren im Riesapark die größte Disko der Region eröffneten. „Da waren an manchen Abenden bis zu 1.800 Leute da, die Schlange reichte bis raus auf den Parkplatz“, sagt Rehm. „Ganze Generationen von Diskogängern kennen uns.“

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Eine Tanzfläche von vier: Die Disko Prince bot einst für mehr als 1.500 Gäste Platz. 
Eine Tanzfläche von vier: Die Disko Prince bot einst für mehr als 1.500 Gäste Platz.  © Frank Ullrich/Repro: S. Schultz
Bunte Erinnerungen: Als diese Werbung verteilt wurde, verabredete man sich noch nicht per Facebook zur Party.
Bunte Erinnerungen: Als diese Werbung verteilt wurde, verabredete man sich noch nicht per Facebook zur Party. © Sebastian Schultz
Schnurrbart und gewagte Krawatte: So waren die 90er. Frank Rehm (M.) holte auch Alphaville in die Region. 
Schnurrbart und gewagte Krawatte: So waren die 90er. Frank Rehm (M.) holte auch Alphaville in die Region.  © privat

Der gelernte Schlosser legte selbst als DJ auf, seit er 18 war. „Bis zur Wende habe ich das gemacht, zuletzt als Profi.“ 1990 übernahm er den Lindenhof in Strehla und eröffnete dort eine Disko – am 3. Oktober 1990, dem Tag, als die DDR aufhörte zu existieren. In den Folgejahren holte er nach Strehla, was in den 90ern Rang und Namen in der Musikszene hatte: Wolfgang Petry, Jürgen Drews, Nino de Angelo. An Dieter Bohlen hat er noch eine besondere Erinnerung. „Bei dem war die Lichtanlage so leistungsstark, dass unsere Stromversorgung in der Linde ausfiel. Da schmiss Bohlen das Mikro weg und brüllte ‚Scheiß Osten‘ auf der Bühne.“ Und dann? „Die Leute haben trotzdem gejubelt, weil sie das nicht verstanden haben. Nur ich hab’s gehört, weil ich direkt hinter der Bühne stand.“

In aller Regel aber funktionierte die Verstärkeranlage gut – und das war auch der Grund, warum sich Rehm vor der Jahrtausendwende nach was Neuem umsah. „Ich brauchte was, wo sich keine Nachbarn vom Lärm gestört fühlten.“ Da kam der Riesapark wie gerufen, wo eine Bierkneipe gerade dichtgemacht hatte und man in der Folge eine Beschallungsanlage mit 28.000 Watt Leistung installieren konnte. Den Namen Prince borgte sich Frank Rehm in Italien aus: Bei Rimini besuchte der Sachse eine der berühmtesten Diskotheken der Welt, um sich Inspirationen zu holen. „Die hatten sogar einen Hubschrauberlandeplatz für Promigäste.“ Wegen des Namens habe er den Chef dort gefragt. „Der hatte damit kein Problem und uns später in Riesa sogar mal besucht.“ Die erste Zeit sei es im Riesapark allerdings nicht so gut gelaufen. Schließlich machte zeitgleich noch eine Disko im Riesenhügel auf. Erst, als man zwei Jahre später eine sündhaft teure Show aus Ibiza einkaufte („Die größte Disko der Welt!“), sei der Durchbruch gelungen.

„Danach waren wir deutschlandweit berühmt“, sagt Frank Rehm. „Was Rang und Namen hatte, war bei uns.“ Marusha, Disco Dice, Jump on Tour tauchen als Namen auf seiner Künstlerliste aus. Andere dagegen sind 15 Jahre später in Vergessenheit geraten. Mit Rammstein und Caught in the Act hat er allerdings Bands in den Riesaer Stern geholt, die er sich wenige Monate später nicht mehr hätte leisten können – weil sie ganz groß rauskamen. „Da hatte ich einen Riecher für.“

An einer anderen Stelle hat er ihm offenbar gefehlt. Wie Rehm sagt, hätten ihn seine beiden Mitgesellschafter 2007 vor die Tür gesetzt. „Ich war damals mit meiner neuen Freundin das erste Mal seit Jahren richtig im Urlaub. Und als ich zurückkam, war ich raus.“ Dabei habe damals das Prince gerade angefangen, in die finanzielle Gewinnzone zu kommen – nach anfänglichen Investitionen von 1,6 Millionen D-Mark, die man nicht nur mit Brauereikrediten, sondern auch mit Eigenkapital gestemmt habe. Rehm geriet damals selbst finanziell ins Schleudern und meldete auch für den Lindenhof Insolvenz an.

Das Prince selbst hielt mit neuen Betreibern ebenfalls nur noch wenige Jahre durch. Heute dienen die Räume im Riesapark als Fläche für einen Möbelmarkt. „Schon bei der Eröffnung hatte es Probleme mit der Lüftungsanlage gegeben“, erinnert sich Rehm. „Das ist dann später mit Umbauten schlimmer geworden, so dass die Disko Ende 2013 gesperrt wurde.“ Damals war aus dem Prince gerade erst mit neuem Betreiber das „Sax“ geworden. Dann ließ die Stadt Riesa die Disko aus Brandschutzgründen schließen.

Heute wird Frank Rehm oft gefragt, warum er keine regelmäßigen Partys mehr macht. „Geht nicht mehr“, sagt er. „Die Zeit ist vorbei.“ Der Geburtenknick habe sich seit 2008 massiv in Riesa ausgewirkt – da kamen die Nachwendekinder ins Partyalter. Dazu würden sich die Leute heute durch Facebook spontan zu Privatpartys verabreden. „Früher musste man in die Disko gehen, wenn man seine Freunde treffen wollte.“ Rehm selbst betrieb dafür die Bar Franky˜s in der Innenstadt, bis ihm dort die häufigen Schlägereien zu viel wurden.

Mit Getränken hat der einstige Disko-Chef noch immer zu tun: Er betreibt den Bilgro-Markt an der B 182 in Strehla, dazu ist er mit einem Imbisswagen mit Flammkuchen und Wein auf Festen unterwegs. So soll es zwei Jahre weitergehen, dann ist Rehm 60. „Dann will ich noch mal pilgern, das habe ich mit 50 schon gemacht: 1.200 Kilometer zu Fuß durch Spanien.“ Und danach? „Gern würde ich was Kleines, Nettes eröffnen: eine Gaststätte oder einen Pub“, sagt Rehm. Aber vorher werde er erst einmal die Prince-Revival-Party im Stern besuchen. Die organisiert ein Großenhainer Kollege, Rehm ist schon neugierig.

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