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„Wir werden die Auswirkungen spüren“

Bei den Politikern der Region hat Corona oberste Priorität. Sächsische.de sprach mit Döbelns Oberbürgermeister und dem mittelsächischen Landrat über die Krise.

Matthias Damm ist seit August 2015 Landrat vom Landkreis Mittelsachsen. Er war zuvor Bürgermeister in Mittweida.
Matthias Damm ist seit August 2015 Landrat vom Landkreis Mittelsachsen. Er war zuvor Bürgermeister in Mittweida. © André Braun

Region Döbeln. Landrat Matthias Damm (CDU) bereitet die Ungewissheit über die Dauer des Zustands Sorge, Oberbürgermeister Sven Liebhauser (CDU) beschäftigt unter anderem die Auswirkung der Krise auf die Wirtschaft. Sächsische.de hat gefragt, wie sie die Corona-Pandemie erleben und sie bewältigen wollen.

Wie hat sich Ihr beruflicher Alltag jetzt während der Corona-Krise verändert?

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Matthias Damm: Der Terminkalender besteht fast nur noch aus „Corona“. Wir haben zum einen die internen Stabsberatungen und dann zahlreiche Telefon- und Videokonferenzen, bei denen wir auf den unterschiedlichen Ebenen Herausforderungen besprechen und das gemeinsame Handeln abstimmen.

Sven Liebhauser: Die Coronavirus-Situation stellt uns täglich neue Aufgaben, die schnell gelöst werden müssen. Dafür sind wir da und dem stellen wir uns mit aller Kraft. Das Rathaus ist zwar geschlossen, die Verwaltung ist trotzdem erreichbar, arbeitsfähig und für die Bürger da.

Wie schützen Sie sich selbst in dieser Zeit?

Damm: In dem ich die allgemeinen Hygieneregeln beachte, also Abstand halte und regelmäßig mehrfach am Tag intensiv die Hände wasche. Außerdem vermeide ich direkte persönliche Kontakte.

Liebhauser: Wie die allermeisten Mitbürger halte ich mich an die Vorgaben des Robert-Koch-Instituts mit seinen Hygieneempfehlungen.

>>> Über die Ausbreitung des Coronavirus und über die Folgen in der Region Döbeln berichten wir laufend aktuell in unserem Newsblog. <<<

Was macht Ihnen aktuell am meisten Angst?

Damm: Was uns Sorgen bereitet, ist die Ungewissheit. Wie lange wird dieser Zustand noch andauern, wie werden sich die Fallzahlen entwickeln? Mit unseren Maßnahmen versuchen wir „vor der Lage zu sein“ beziehungsweise viele Eventualitäten im Blick zu haben. Dabei handeln wir besonnen und mit dem möglichen Augenmaß.

Liebhauser: Angst ist ein schlechter Ratgeber. Gedanken mache ich mir darüber, dass die Menschen in unserer Stadt diese Pandemie gesundheitlich möglichst gut überstehen. Mich beschäftigen aber natürlich auch die Dauer der derzeitigen Situation und ihre Auswirkungen besonders auf die Wirtschaft.

Welche Folgen wird die Krise aus Ihrer Sicht für den Landkreis Mittelsachsen haben?

Damm: Das ist ganz schwer zu sagen. Ich hoffe zunächst, dass die Fallzahlen nicht zu stark steigen und sich Mittelsachsen nicht zu den Hochburgen vom Coronavirus entwickelt und so viele wie möglich gesund durch diese Zeit kommen. Die wirtschaftlichen Folgen sind nicht abzusehen, viele nutzen die Kurzarbeit oder beantragen die Hilfsgelder. Wir schätzen ein, dass die Folgen andere sein werden im Vergleich zur Finanzkrise, weil derzeit viele kleinere Unternehmen betroffen sind.

Und für die Stadt Döbeln?

Liebhauser: Die Folgen für Döbeln können derzeit kaum angemessen beurteilt werden, wir werden aber in allen Bereichen des Lebens die Auswirkungen zu spüren bekommen, das ist ganz klar.

Sven Liebhauser trat im August 2019 das Amt des Oberbürgermeisters in Döbeln an. Zuvor war er Landtagsabgeordneter.
Sven Liebhauser trat im August 2019 das Amt des Oberbürgermeisters in Döbeln an. Zuvor war er Landtagsabgeordneter. © privat

Wie wird Mittelsachsen, wie werden die Döbelner diese Krise meistern?

Damm: In dem die Menschen weiterhin so diszipliniert sind und sich an die Regelungen halten, also Kontakte vermeiden, zu Hause bleiben, regelmäßiges Händewaschen und Abstand halten. Das verlangt viel ab und viele sind sehr beunruhigt über die Situation, gerade im Hinblick auf die Existenz und die Zukunft.

Liebhauser: Die Döbelner sind tatkräftig, bei zwei schweren Hochwasserkatastrophen haben sie das eindrücklich bewiesen. Diese Erfahrungen werden uns helfen, auch diese Situation zu meistern.

Welche Unterstützung gibt es vonseiten des Kreises für die von der Krise am schwersten Betroffenen? Welche vonseiten der Stadt Döbeln?

Damm: Wir versuchen, ein umfassendes Informations- und Beratungsangebot vorzuhalten. Unsere Hotline ist jeden Tag besetzt, war es auch über Ostern. Der Fragen-Katalog auf der Internetseite wird ständig fortgeführt, gleiches gilt für den Katalog auf der Internetseite der Wirtschaftsförderung. Sie plant zudem das digitale Angebot weiter auszubauen.

Liebhauser: Die Stadt ist auch in der Coronakrise Ansprechpartner und Vermittler für die Bürger. Am 16. März haben wir ein Bürgertelefon eingerichtet, das sehr gut angenommen wird. Unsere Mitarbeiterinnen sind sehr engagiert, wenn es darum geht, den Bürgern weiterzuhelfen. 

Bei uns gehen derzeit viele Informationen ein, mitunter stündlich ändert sich die Nachrichtenlage, treten Verfügungen in Kraft oder werden ergänzt. Da ist es ganz wichtig, diese Informationen korrekt, verständlich und schnell an die Bürger weiterzugeben. Besonders gilt dies auch für Einzelheiten zu Fördermöglichkeiten und staatlichen Unterstützungen.

 Wir nutzen dazu verschiedene Kanäle. Die Presse ist ein ganz wichtiger Partner, aber auch über die städtische Homepage und Facebook werden schnell wichtige Informationen kommuniziert.

Was können Sie in Ihrer politischen Funktion derzeit für die Bürger tun?

Damm: Notwendige Entscheidungen schnell und zügig zu treffen und Maßnahmen verlässlich voranzutreiben. Außerdem weisen wir auf die Belange der Bürger auf Ebene des Freistaates und zum Teil auch des Bundes hin.

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 Gemeinsam können wir mit den Landkreisen bei der einen oder anderen Stelle Nachsteuerungen bei Programmen erreichen. Daher ist es so wichtig, dass wir immer die Rückkopplung der Hotline bekommen.

Die Fragen stellte Maria Fricke.

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