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„Wir werden die Polizei-Ausbildung neu organisieren“

Rektor Harald Kogel über neue Bedingungen an der Hochschule sowie junge Studenten und ihr Verhältnis zu Rothenburg.

© André Schulze

Herr Kogel, die Polizei ist in den

vergangenen Jahren zunehmend

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ausgedünnt worden. Wie gut sind

die Karrierechancen noch?

Es ist schon ein Anreiz, dass die Studenten frisch vom Abitur kommen und direkt Kommissarsanwärter sind, wenn sie ihr Studium beginnen. Sie gehen dann sofort mit etwa 1 000 Euro pro Monat nach Hause. Das muss man als Lehrling oder Student erst mal haben. Aber hinter der Ausbildung steht auch ein gewisser Druck. Wer die Prüfungen nicht besteht, für den kann das das Ende der Karriere bedeuten.

Inwiefern?

Während der Ausbildung sind die Studenten Beamte auf Widerruf. Die Vorlesungszeit gilt als Dienstzeit. Das heißt, die Studenten müssen an den Veranstaltungen teilnehmen. Wer eine zweite Wiederholungsprüfung in einem Modul nicht bestanden hat, ist raus und hat dann vielleicht drei Jahre Studium in den Sand gesetzt.

Das klingt hart. Zeigt sich das auch

in den Bewerbungen? Wer will heute Polizist werden?

Zum einen sind das sogenannte Aufstiegsbeamte, also Polizisten, die bereits im mittleren Dienst eine Ausbildung gemacht haben und mit dem Studium in den gehobenen Dienst aufsteigen wollen. Die anderen sind Direkteinsteiger, die nach dem Abitur zu uns kommen. Allerdings bewerben sich auch viele, die bereits ein Studium oder eine Ausbildung außerhalb der Polizei abgeschlossen haben.

Hat sich das Spektrum der Bewerber

in den vergangenen Jahren verschoben?

Nein, das hält sich eigentlich die Waage. Fast die Hälfte kommt nach dem Abitur zu uns, die andere Hälfte hat vorher schon etwas anderes gemacht. Wir haben zum Beispiel auch studierte Lehrer, die bei uns noch mal von vorne anfangen.

Wollen jene als Lehrer hier arbeiten oder in den Polizeidienst?

Durchaus wollen einige auch als Lehrer in unseren Polizeifachschulen arbeiten, wo der mittlere Dienst ausgebildet wird. In Einzelfällen funktioniert dies, in der Regel müssen sie aber zunächst ein Stück weit polizeiliche Erfahrungen sammeln. Das ist notwendig, damit sie nicht nur Theorie vermitteln, sondern auch praktische Erfahrungen.

Werden diese dann bevorzugt

behandelt, weil sie bereits eine

abgeschlossene Ausbildung und Berufserfahrung vorweisen können?

Nein, alle werden gleichbehandelt und fangen zu Beginn ihres Studiums bei Null an. Allerdings müssen wir in Zukunft intensiv überlegen, ob man bei denjenigen, die zum Beispiel bereits studiert haben, diverse Vorleistungen anerkennen kann. Aber diese Überlegungen befinden sich noch im Anfangsstadium.

Im vergangenen Jahr ist der erste

Bachelor-Jahrgang verabschiedet

worden. Was hat sich durch diese

neue Lehrform verändert?

Das ist eine gute Frage, ich bin erst voriges Jahr als Rektor nach Rothenburg gekommen … Was ich Ihnen sagen kann, ist, dass wir die Polizei-Ausbildung 2010 nach den Bologna-Vorgaben weitgehend inhaltlich gleichbleibend modularisiert haben, diese aber ab 2015 neu organisieren werden. Das ist notwendig.

Warum?

Wir haben jetzt einen Bachelor-Studiengang verabschiedet und werden bis 2015 noch zwei weitere verabschieden. Unterdessen liegt eine Vielzahl von Optimierungs- und Veränderungsvorschlägen vor, die auch zu großen Teilen von den Studenten selbst kommen, die das Bachelor-Studium regelmäßig bewerten. Daraus hat das Ministerium Schlussfolgerungen gezogen und uns mit der Neukonzipierung beauftragt.

Welche Schlussfolgerungen?

Neben inhaltlichen Veränderungen und der Reduzierung der Vielzahl der Module soll mit dem neuen Modell die Studienzeit verkürzt werden. Die Aufsteiger sollen fortan zwei statt wie bisher drei Jahre ausgebildet werden, die anderen drei statt dreieinhalb Jahre. Da wird es bei der Grundausbildung Veränderungen geben.

Wie sehen diese aus?

Die Kommissarsanwärter durchleben derzeit ein halbes Jahr Vorstudium, als eine Art Grundausbildung. Dort lernen sie die Grundzüge der polizeilichen Arbeit in Theorie und Praxis, das Schießen und die Selbstverteidigung zum Beispiel. In Zukunft soll diese Phase am Fortbildungszentrum in Bautzen, das seit 2013 zu unserer Hochschule gehört, ein Jahr betragen. Dies wird übrigens den Aufsteigern als erstes Studienjahr angerechnet. Wir haben festgestellt, dass es doch noch Defizite gibt, wenn die Kommissarsanwärter nach einem halben Jahr auf die Aufsteiger treffen. Und innerhalb eines Jahres können den Kollegen mehr und bessere Grundkenntnisse vermittelt werden.

Können die jungen Leute über ein

Studium denn auch dauerhaft in den Landkreis Görlitz gelockt werden?

Eher nicht. Die Absolventen können zwar Wünsche äußern, werden aber prinzipiell je nach Bedarf in den einzelnen Dienststellen durch das Innenministerium verteilt. Die Aufsteiger werden meist an ihre Heimatdienststelle zurückversetzt, da sie dort ihr soziales Umfeld zum Beispiel mit Haus und Familie haben. Die meisten Studenten kommen aber aus den großen Städten Dresden, Leipzig und Chemnitz – und wollen auch wieder dorthin zurück.

Das Gespräch führte Katja Schlenker.