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Wer lebt 2035 noch im Landkreis Görlitz?

Die Statistiker in Kamenz haben Prognosen für die Bevölkerung vorgelegt. Die Zahlen für jede Stadt und jedes Dorf - jetzt hier.

So voll kann es im Landkreis sein: Hier beim Lichterglanzfest 2018 in der Görlitzer Innenstadt. Doch der Blick in die Berliner Straße täuscht darüber hinweg, dass die Einwohnerzahl im Kreis sinkt.
So voll kann es im Landkreis sein: Hier beim Lichterglanzfest 2018 in der Görlitzer Innenstadt. Doch der Blick in die Berliner Straße täuscht darüber hinweg, dass die Einwohnerzahl im Kreis sinkt. © nikolaischmidt.de

Ein fröhliches Bild ist es nicht, das die Statistiker aus Kamenz da malen: Der heutige Landkreis Görlitz, der seit 1990 schon weit über 100.000 Einwohner verloren hat, soll bis 2035 weiter ausbluten.

Je nach Rechenmodell könnte er in der Zeit von 2018 bis 2035 erneut zwischen 28.000 und 35.000 Einwohner verlieren.

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So jedenfalls steht es in der neuen Bevölkerungsvorausberechnung für Sachsen bis 2035, die das Statistische Landesamt jetzt veröffentlichte. Die Vorausberechnung basiert weitgehend auf der Analyse der Bevölkerungsentwicklung der Jahre 2014 bis 2018 und folgt den langjährigen Entwicklungsmustern der Vergangenheit. Demzufolge hatte der heutige Kreis im Jahr 1990 noch 367.000 Einwohner und verlor bis 2011 fast exakt 100.000 Menschen, also mehr als jeden vierten Einwohner. Seither sinken die Zahlen nicht mehr ganz so rapide. Von 2011 bis 2018 liegt der Verlust „nur“ bei 13.000 Menschen, sodass 2018 noch 255.000 Bewohner übrig waren. Geht das so weiter, dann leben 2035 noch zwischen 220.000 und 227.000 Menschen im Kreis.

Großschweidnitz gewinnt hinzu

Allerdings sind nicht alle Orte gleichermaßen betroffen. Am besten sieht es in Großschweidnitz bei Löbau aus, wo die Statistiker aus Kamenz bis 2035 ein Einwohnerplus von 6,1 bis 8,6 Prozent erwarten. Relativ gut steht auch die Kreisstadt Görlitz da, wo der Rückgang bis 2035 je nach Rechenmodell nur zwischen 0,4 und 5,1 Prozent betragen soll. Orte wie Neißeaue (minus 1,2 bis minus 4,2 Prozent), die im „Speckgürtel“ von Städten wie Görlitz liegen, brauchen sich ebenfalls keine allzu großen Sorgen machen.

Schlusslichter hingegen sind vor allem Orte im Norden des Landkreises, allerdings nicht alle. Bad Muskau und Weißkeißel stehen sehr gut da, aber Weißwasser, Boxberg und Schleife wird ein Einwohnerverlust von rund 20 Prozent prognostiziert. Dieses Schicksal teilen sie mit Ebersbach-Neugersdorf und Olbersdorf im Süden des Kreises.

Besondere Ereignisse sind nicht eingeflossen

Die Statistiker halten sich allerdings offen, dass es in manchen Orten anders kommen könnte als prognostiziert, weil dort regionale politische, gesellschaftliche oder wirtschaftliche Entscheidungen Folgen haben können. Konkret heißt das, dass zum Beispiel die geplante Ausweisung von Bauland für einen Bevölkerungsanstieg sorgen kann, die Schließung eines größeren Betriebes für einen Rückgang. Solche besonderen Ereignisse sind nicht in die Prognosen eingeflossen, können aber am Ende für ein ganz anderes Bild sorgen.

© SZ-Grafik
© SZ-Grafik

Was die Statistik hingegen verrät: Wir werden nicht nur weniger, sondern auch älter. Schon 2018 lag das Durchschnittsalter der Bevölkerung im Kreis bei 49,3 Jahren, bis 2035 soll es auf 50,6 bis 51,2 Jahre ansteigen. Zum Vergleich: 1990 lag es bei 38,5 Jahren. Diese Entwicklung sorgt dafür, dass der Anteil der Bevölkerung im Erwerbstätigenalter immer weiter abnimmt. Als solches definieren die Statistiker das Alter von 20 bis 65 Jahren. 2018 waren noch 54 Prozent der Einwohner des Landkreises in dieser Spanne, 2035 werden es nur noch rund 47 Prozent sein. Im Gegenzug steigt der Anteil der über 65-Jährigen von 29,5 auf 36 bis 37 Prozent. Mit anderen Worten: Es wird Firmen immer schwerer fallen, Mitarbeiter im Kreis zu finden. Kleiner Lichtblick: Die Zahl der Unter-20-Jährigen (16,5 Prozent) soll konstant bleiben.

Geschlechterverhältnis gleicht sich an

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