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Döbeln

„Wir wohnen jetzt an der Autobahn“

Gesperrte Kreisel, riesige Umleitungen: Nicht nur die Autofahrer sind vom Chaos rund um Hartha genervt.

In der Fröhne wird es oft eng. Pkw kommen gerade so aneinander vorbei. Begegnen sich jedoch zwei Lkw, wird es deutlich komplizierter.
In der Fröhne wird es oft eng. Pkw kommen gerade so aneinander vorbei. Begegnen sich jedoch zwei Lkw, wird es deutlich komplizierter. © Lars Halbauer

Hartha. Seit einer reichlichen Woche müssen die Anwohner des Harthaer Ortsteils Aschershain mit einer erhöhten Lärmbelästigung zurechtkommen. Durch die Sperrung der beiden Kreisel an der B 175 bei Hartha rollt wesentlich mehr Verkehr durch den kleinen Ort als sonst üblich.

„Wir wohnen jetzt an der Autobahn“, beschreibt ein Anwohner, der nicht genannt werden möchte, das Szenario. Er könne nicht verstehen, dass die Kreisel komplett gesperrt wurden. Aus seiner Sicht wäre eine halbseitige Schließung durchaus machbar gewesen. „Man hätte doch den Straßengraben für die Zeit der Sanierung zuschütten, und so die Straße verbreitern können“, schlägt der Mann vor.

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Dass sich der Verkehr nun durch die kleinen Orte wälze, sei nicht verwunderlich. Schließlich müssten sich nun täglich mehrere Tausend Fahrzeuge einen anderen Weg suchen. Der Aschershainer hofft, dass die veranschlagte Bauzeit eingehalten oder sogar verkürzt werden kann.

Der Döbelner Anzeiger wollte wissen, wie sich die Umleitung auf den Ortsteil Aschershain auswirkt. Am Dienstagnachmittag sind in einer Stunde in beiden Richtungen 411 Fahrzeuge, darunter neun Kleintransporter und ein Lkw, durch den Ort gefahren.

Das Einbiegen von der S 36 auf die Wallbacher Straße ist nicht erlaubt. Dennoch passiert es immer wieder.
Das Einbiegen von der S 36 auf die Wallbacher Straße ist nicht erlaubt. Dennoch passiert es immer wieder. © Lars Halbauer

Auch die Anwohner der Wallbacher Straße in Hartha müssen seit der Sperrung der Kreisel mit deutlich mehr Verkehr vor ihrer Haustür leben. Vor allem in Richtung Gersdorf/Leisnig ist die Zahl der Fahrzeuge gestiegen. 

In dieser Fahrtrichtung ist das Nutzen der Straße für Pkw erlaubt. Jedoch ist das letzte Teilstück vor der S 36 als Einbahnstraße deklariert, weshalb das Einbiegen von der Staatsstraße auf die Wallbacher Straße nicht gestattet ist. „Trotzdem kommen auch aus dieser Richtung Autos gefahren und auch nicht wenige Lkw“, sagt Klaus Dörner.

Um dies zu dokumentieren haben er und seine Frau Helga ebenfalls eine Stunde lang Autos gezählt. In Richtung Gersdorf/Leisnig fuhren 270 Pkw sowie zehn Lkw. In der Gegenrichtung waren es immer noch 85 Pkw und sechs Lkw.

 „Teilweise wird einem himmelangst, weil die Geschwindigkeit oft zu hoch scheint. Vielleicht wäre eine Geschwindigkeitsbegrenzung angebracht“, sagte Klaus Dörner. Für die Anwohner der Wallbacher Straße sei es schwierig, auf ihre Grundstücke zu fahren und wieder herauszukommen..

Schon nach den ersten Tagen hatte es Beschwerden von Anwohnern gegeben, weil große Fahrzeuge durch kleinere Orte fuhren. Die Beamten des Polizeireviers Döbeln kontrollieren seit Ende der vergangenen Woche speziell den Raum um die Vollsperrung der beiden Kreisverkehre in Hartha.

 „Dabei wurden mehr als 30 Verkehrsverstöße geahndet“, sagte Daniela König, Mitarbeiterin der Pressestelle der Polizeidirektion Chemnitz. Wenn Fahrzeugführer in eine gesperrte Straße verbotswidrig einfahren, müssen sie mit einem Verwarngeld von mindestens 20 Euro bei Pkw beziehungsweise 25 Euro bei Lkw rechnen.

 Käme dann noch eine Behinderung oder gar ein Unfall hinzu, würden die Verwarngelder deutlich höher ausfallen. „Es werden auch weiterhin Kontrollen stattfinden“, so Daniela König.