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Er will Dresdens neuer SPD-Chef werden

Seine Partei ist im Sinkflug. Doch Albrecht Pallas will das ändern - mit konkreten Ideen für Dresden.

Von Andreas Weller
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Albrecht Pallas will im Februar neuer Dresdner SPD-Vorsitzender werden.
Albrecht Pallas will im Februar neuer Dresdner SPD-Vorsitzender werden. © René Meinig

8,8 Prozent ist ein Wert, mit dem die SPD nur schwer leben kann. Doch die Dresdner wählten sie sowohl bei der  Stadtrats- als auch bei der Landtagswahl im vergangenen Jahr zu genau diesem Anteil. Dresdens SPD-Chef Richard Kaniewski zog die Konsequenz und trat zurück

Nun will Albrecht Pallas das Ruder herumreißen. Das Agieren auf Bundesebene, interner Streit und kaum Themen, mit denen die Dresdner die SPD in Verbindung bringen. Als sich im Herbst 2018, ein halbes Jahr vor der Stadtratswahl, die Stadtratsfraktion zerlegte, war klar, dass es kein gutes Ergebnis für die SPD geben wird. "Selbstverständlich hat der Austritt von drei Stadträten der Partei erheblichen Schaden zugefügt", bestätigt auch Pallas.   

Nach Kaniewskis Rücktritt im vergangenen Herbst habe sich in der SPD die Frage gestellt, wer ihm nachfolgen soll. "Ich habe eine Weile überlegt", so Pallas. Nun hat er sich entschieden, zu kandidieren. Am 1. Februar ist der Wahlparteitag.  

Pallas ist eigentlich Polizeibeamter, genauer Kriminaloberkommissar. 2004 trat er in die SPD ein, 209 wurde er Stadtrat, 2014 dann Landtagsabgeordneter für seine Partei. Seitdem ist er vom Polizeidienst freigestellt, weil er als Landtagsabgeordneter Berufspolitiker ist. Er ist verheiratet und hat mit seiner Frau drei Kinder.

Der designierte Parteichef hat ein klares Ziel: "Wir müssen wahrnehmbarer werden." Viel zu sehr sei die SPD zwischen Grünen und Linken zerrieben worden, als sie gemeinsam fünf Jahre lang die Mehrheit im Stadtrat hatten. "Wir haben viel zusammen umgesetzt. Darauf bin ich stolz. Aber die SPD hat am wenigsten davon profitiert", meint Pallas.

Als Hauptgrund dafür sieht er das mangelnde Verhandlungsgeschick der SPD bisher. "Wir haben häufig von Anfang an den Kompromiss gedacht. Dadurch war die SPD-Position nicht mehr erkennbar."   Die SPD müsse deutlicher machen, was sie will und den Kompromiss als Verhandlungsergebnis verdeutlichen.

Außerdem fordert Pallas den "Mut zur Reduktion". "Wir müssen uns auf unsere Kernkompetenzen konzentrieren." Das seien die Themen Arbeit, Soziales, Bildung und gesellschaftlicher Zusammenhalt. Dazu gehören aber auch Klimaschutz, Energiepolitik und die Verkehrswende.

Die SPD habe vieles beizutragen, um Dresden lebenswerter zu machen. Pallas denkt an größere Wohnsiedlungen, in denen Dresdner aus unterschiedlichen sozialen Schichten zusammenleben, in denen sich auch Geringverdiener die Mieten leisten können, in denen es Bibliotheken, Seniorentreffs, Einkaufsmöglichkeiten, viel Grün und Freiflächen gibt. "Ich möchte eine Gesellschaft, in der der Facharbeiter neben dem Hochschullehrer wohnt. So wie in den 1920er Jahren die Eisenbahner- oder Postsiedlungen."

Dafür sei die städtische Wohnungsbaugesellschaft WID geeignet, aber auch mit Genossenschaften könne so etwas geplant werden. "Private denken eher nicht freiwillig den Gemeinbedarf mit", so Pallas. Solche Siedlungen könnten beispielsweise in Strehlen entstehen, wo derzeit noch der Wissenschaftsstandort Ost geplant ist oder in Prohlis gebe es Flächen wo mal die Sternhäuser standen. Solche Siedlungen könnten nach Pallas Meinung zu einem Ausgleich der sozialen Herkunft, einer Durchmischung und damit zum gesellschaftlichen Zusammenhalt beitragen.

Generell sieht Albrecht Pallas gute Chancen für die SPD, eine wichtigere Rolle einzunehmen. "Die Gesellschaft braucht eine moderate linke Kraft." Um die zerrissene Stadt wieder zu einen, könne die SPD die unterschiedlichen Gruppen zusammenführen. "Die Grünen können das noch nicht, weil sie mit ihrer konsequenten Klimapolitik eher Besserverdienende ansprechen. Die Linke erreicht mit ihrer Sozialpolitik eher die Ärmsten. CDU und FDP fehlt dafür der Anspruch", ist sich Pallas sicher. Deshalb sei die SPD zunehmend wichtig für die Dresdner. "Wir wollen der Kitt der Stadtgesellschaft sein." 

Deshalb sei es zwar richtig, dass die SPD eine erneute Kooperation mit Grünen und Linken im Stadtrat eingegangen ist. "Das ist eine Chance, aber sie hat keine Mehrheit." Sondern es gehe künftig auch darum, größere Mehrheiten mit CDU und FDP zu finden. "Dafür ist unsere strategische Position nicht schlecht." Denn die SPD sei weder zu links noch zu grün und schon gar nicht rechts. "Auch wenn derzeit vor allem radikale Positionen ankommen, wird künftig wieder eine soziale Mitte gebraucht."

Dazu komme, dass die Rolle der SPD als "Arbeiterpartei" wieder wichtiger werden könnte. Denn durch den Strukturwandel können auch Arbeitsplätze in Dresden gefährdet sein, etwa bei Automobilzulieferern. "Ehemals sichere Arbeitsplätze können nicht mehr sicher sein", meint Pallas. Deswegen müssen Perspektiven geschaffen werden für diejenigen, die ihre Arbeitsplätze verlieren und eine gute Ansiedlungspolitik betrieben werden, damit Zukunftstechnologie in Dresden entsteht. "In schlechteren Zeiten ist die SPD die beste Alternative", ist sich Pallas sicher. 

Deshalb will er das Ehrenamt des Parteichefs auch selbstbewusst angehen. "Selbstverständlich wollen wir 2022 wieder einen Bürgermeister stellen und die Verwaltungsspitze mitgestalten." Ob die SPD einen eigenen Oberbürgermeisterkandidaten für das selbe Jahr stellt, sei noch nicht klar. "Das werden wir diskutieren. Aber wir haben auch bereits 2015 mit Grünen und Linken gemeinsam einen guten Wahlkampf für die SPD-Kandidatin gemacht." Es gebe einige Optionen, die besprochen werden müssen.

Was aber unwahrscheinlich ist, auch wenn Pallas sagt, er wünsche es sich, ist eine Frau an seiner Seite. Die SPD würde auch in Dresden gerne eine Doppelspitze haben. Doch bisher hat sich unter den knapp 1.100 Mitgliedern noch keine Frau bereiterklärt, zu kandidieren. Das könnte auch daran liegen, dass nur knapp 25 Prozent der SPD-Mitglieder weiblich sind. "Ich traue es mir aber auch alleine zu, SPD-Vorsitzender zu werden", sagt Pallas. Bisher gibt es keine Gegenkandidaten. Der Landtagsabgeordnete sieht sich durchaus als den viel beschworenen Neuanfang. "Parteivorsitzender war ich bisher schließlich noch nicht."

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