merken
PLUS

„Wir wollen nicht ins Blaue planen“

Der Bau der löchrigsten Hauptstraße der Stadt sollte 2014 beginnen. Jetzt wird alles wieder um ein Jahr verschoben.

© Norbert Millauer

Es ist nur eine kleine Meldung im Radebeuler November-Amtsblatt. Ein Hinweis, dass sich der Bau der Kötzschenbrodaer Straße zwischen Gottesacker und Weintraubenstraße auf das Jahr 2015 verschiebt. Das ist nicht die erste Verschiebung des Baus. Die SZ fragt Baubürgermeister Jörg Müller (parteilos), warum die Straßennutzer nun noch länger mit Schlaglöchern und Ampelstau leben müssen.

Herr Müller, wieder wird die Sanierung der Kötzschenbrodaer Straße um ein Jahr verschoben, warum?

Anzeige
Indische Festwoche bei Teppich Schmidt
Indische Festwoche bei Teppich Schmidt

Die Woche vom 4. bis 9. Oktober findet bei Teppich Schmidt im orientalischen Stil statt und ist mit vielen Gewinnspielen und Sonderaktionen verbunden.

Die Stadt hatte sich das Ziel gestellt, mit dem Bau möglichst bald zu beginnen. Deshalb waren wir froh, dass die Straße im Wiederaufbauplan nach dem Hochwasser vom Juni 2013 steht. Doch um das Fördergeld zu erhalten, muss jede einzelne Maßnahme noch einmal separat beantragt werden, mit kompletten Planungsunterlagen. Das ist nicht möglich, solange nicht alle Fragen zu dem Vorhaben beantwortet sind. Eine Planung ins Blaue bedeutet sinnlos ausgegebenes Geld. Vor allem zur Friedhofsmauer gibt es noch Klärungsbedarf.

Welche Fragen zur Friedhofsmauer sind vier Monate nach der Flut noch nicht geklärt? Wer soll das klären?

Es geht darum, ob die Mauer saniert wird oder neu aufgebaut werden darf. Die Entscheidung liegt beim Landesamt für Denkmalpflege. Denn der Friedhof steht als Gesamtheit unter Denkmalschutz. Stadt und Kirche sind sich zwar einig: Sie wollen einen Neuaufbau. Doch der Denkmalschutz muss prüfen, ob einem Abriss zugestimmt werden kann. Außerdem ist zu klären, ob die Mauer im Fall des Neuaufbaus zugunsten eines breiteren Fußwegs eingerückt werden darf. Oder ob es sich dann um eine Störung der Totenruhe handelt, weil die neue Mauer gegebenenfalls auf den alten Gräberzeilen stehen würde. Wir müssen die Entscheidung des Denkmalamtes abwarten. Und egal wie im Ergebnis die endgültige Linienführung sein wird, sichere Fußwege wird es ohne Grundstückseingriffe nicht geben. Auch dies muss nach Klärung der Linienführung dann noch auf den Weg gebracht werden.

Lässt sich die Arbeit nicht beschleunigen? Kann auf die Denkmalpfleger Einfluss genommen werden? Eventuell durchs Landratsamt? Schließlich wird die Kötzschenbrodaer Straße täglich von etwa 10 000 Fahrzeugen befahren.

Am Thema Straßen- und Mauersanierung wird seit der Juni-Flut gearbeitet. Viele Zuarbeiten sind nötig, um ein schlüssiges Gesamtkonzept auf die Beine zu stellen. Alles muss überprüft werden. Auch unter dem Gesichtspunkt, dass das Förderziel – ein besserer Verkehrsfluss und vor allem sichere Verhältnisse für Fußgänger – mit den geplanten Arbeiten erreicht wird. Sonst besteht die Gefahr, dass die Fördermittel nicht rechtzeitig bereitgestellt werden. Das haben wir bei der Meißner Straße erlebt. Der gesamte Bauablauf verzögerte sich.

Besteht die Möglichkeit, mit dem Kanal- und Straßenbau schon vor der Entscheidung zur Friedhofsmauer zu beginnen? Kann nicht wenigstens bis zur Friedhofsmauer gebaut werden?

Das ist nicht möglich, weil das Vorhaben zunächst vollständig so geplant werden muss, wie es auch ausgeführt werden soll. Fördermittel wären ansonsten nicht zu bekommen. Zudem haben wir uns vorbehaltlich der Haushaltsbestätigung entschlossen, als Ersatz den dringend notwendigen Ausbau einschließlich Errichtung eines Abwasserkanals der Straße Am Gottesacker auf 2014 vorzuziehen. Damit geht dies auch aus Umleitungsgründen nicht.

Wenn die Entscheidung der Denkmalschützer morgen in der Stadtverwaltung eintreffen würde, wäre ein Baubeginn Frühjahr 2014 noch möglich?

Das ist ausgeschlossen. Allein schon wegen der sachgerechten Vorbereitung für die Ausschreibungen der Bauleistungen. Gemeinsames Ziel mit der Kirchgemeinde ist es jedoch, zeitnah durch eine Notsicherung der Mauer die derzeitige Ampelregelung wieder entbehrlich zu machen.

Ist auch ein späterer Baubeginn im Jahr 2014 denkbar? Was würde das für Kanal- und Straßenbau bedeuten?

Um Kanal und Straße auf den rund 1 200 Metern zu bauen, muss im März, spätestens im April begonnen werden. Sonst ist das nicht bis Oktober/November zu schaffen. Das ist eine der Erfahrungen aus dem Bau an der Meißner Straße. Die Zeit muss schon deshalb eingeplant werden, weil immer etwas Unvorhergesehenes passieren kann.

2015 sollte wieder ein Stück Meißner Straße gebaut werden. Mit der Verschiebung Kötzschenbrodaer Straße gibt es da doch auch Probleme? Müssen dann beide Hauptverkehrswege durch Radebeul gleichzeitig gesperrt werden?

Nein, die Meißner Straße im Abschnitt zwischen Rennerbergstraße und Dr.-Külz-Straße wird nun frühestens erst 2016 saniert werden können. Das ist bereits mit den Dresdner Verkehrsbetrieben besprochen. Realistischerweise ist auch ein Abschluss des dafür zwingend erforderlichen Planfeststellungsverfahrens nicht eher zu erwarten.

Gespräch: Ines Scholze-Luft