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„Wir wünschen uns mehr Zuspruch“

Paul Rabe führt Wilsdruff in seinem zweiten Trainerjahr zum Vizemeistertitel und steigt mit dem Team in die Landesliga auf.

Paul Rabe hat Wilsdruff zu einem Top-Team geformt. Nun wartet die große Bewährungsprobe.
Paul Rabe hat Wilsdruff zu einem Top-Team geformt. Nun wartet die große Bewährungsprobe. © Archiv: Kamprath

Was für ein Fußballjahr: Nach Rang neun in der Saison 2017/18 sind die Wilsdruffer Landesklasse-Fußballer in der gerade zu Ende gegangenen Staffel Mitte auf Rang zwei gestürmt. 16 Siege, vier Remis und nur vier Niederlagen stehen für die SG Motor zu Protokoll. Zudem nutzen der 30 Jahre alte Trainer Paul Rabe und seine Schützlinge die Gunst der Stunde: Durch den Aufstiegsverzicht von Staffelsieger BSC Freiberg wurde der Weg in die Landesliga frei - und Wilsdruff wagt den Gang in die sechsthöchste Spielklasse Deutschlands. Was Rabe dort erwartet und wie er seine Mannschaft auf das Abenteuer vorbereiten will, sagt er im SZ-Gespräch.

Herr Rabe, nach Rang neun 2018 steht nun der Landesliga-Aufstieg an. Haben Sie so eine Entwicklung für möglich gehalten?

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Durch zunehmende Lockerungen dürfen immer mehr Geschäfte und nun auch wieder Restaurants öffnen. Die Maskenpflicht bleibt jedoch bestehen.

Ich glaube, daran hat niemand so wirklich gedacht. Wir wollten definitiv besser abschneiden als ein Jahr zuvor. Dass der zweite Platz, verbunden mit dem Aufstieg, herausspringt, kann ich ehrlich gesagt nur schwer in Worte fassen.

Sehen Sie den Wilsdruffer Aufstieg als einen der zweiten Klasse an?

Ja, vielleicht gehört etwas mehr dazu, um letztendlich aufzusteigen. Wir kombinieren jetzt mehrere Faktoren. Und wenn einer nicht will, warum sollen wir die Chance nicht beim Schopfe packen?

Was dachten Sie, als Sie von Freibergs Aufstiegsverzicht erfuhren?

Erst einmal habe ich mich gefragt, warum es die Freiberger nicht schaffen, einen Kader für die sechste Liga zusammenzustellen. Dann kam die Anfrage vom Verband. Wir haben uns überlegt, was wir machen – und alle waren für den Aufstieg.

Sie haben vor einem Jahr angekündigt, dass der aus Radebeul gekommene Philip Heineccius eine entscheidende Rolle spielen wird. War es so?

Ja, Philip hat uns fußballerisch schon gutgetan. Mit ihm konnte man immer diskutieren, vor allem auch über Themen im taktischen Bereich. Das hat auch mir geholfen, neue Einblicke zu gewinnen. Letztlich hat aber das ganze Team diesen Vizemeistertitel errungen und jeder Einzelne hat seinen Anteil am positiven Abschneiden.

Bleibt Heineccius bei Motor?

Leider, nein. Er wechselt zu unserem zukünftigen Liga-Kontrahenten Pirna-Copitz.

Der aktuelle Motor-Kader genügt sicher noch nicht Landesliga-Ansprüchen, aber gute Spieler kosten in dieser Liga Geld. Was geht für die Wilsdruffer auf dem Transfermarkt?

(Lacht) Ich habe mal gelernt, dass man über Geld nicht redet, man hat es einfach. Wir werden einen Teufel tun, unseren aktuellen Kader jetzt in Frage zu stellen. Jeder hat es sich verdient, die Herausforderung Landesliga anzunehmen. In unserer Mannschaft steckt definitiv Qualität. Meine Aufgabe wird es sein, diese Qualität bestmöglich auf den Platz zu bringen.

Gibt es weitere Abgänge?

Nein, bisher nicht. Aber wir werden neue Spieler dazu holen. Die Namen werden wir in Kürze bekanntgeben.

Sie sind jetzt ein Aufstiegstrainer. Haben Sie Bedenken, dass Ihr Ruf in der Sachsenliga leiden könnte, sollte es sportlich nicht wie erhofft laufen?

Nein, ich definiere mich nicht über solche Begriffe. Ich bin Paul Rabe, ein junger Trainer. Ich habe klare Vorstellungen, wie ich Fußball spielen lassen möchte. Und wer mich kennt, weiß, dass ich Siege und Niederlagen ziemlich gut relativieren kann.

In der Vergangenheit haben sich Vereine in der Landesliga finanziell übernommen. Wie groß ist das Risiko?

Bei uns in Wilsdruff besteht dieses Risiko wirklich zu keiner Sekunde. Wir sind ein junger Verein, der gesund wachsen will. Dafür wird unser sportlicher Leiter Lutz Neumann schon sorgen.

Werden Sie die Trainingsintensität erhöhen müssen?

Ja, natürlich muss die angehoben werden. Sowohl in der Trainingsintensität, als auch im Trainingsumfang wollen und werden wir neue Reize setzen.

Der Zuschauerzuspruch im Parkstadion war enttäuschend. Glauben Sie, dass die neue Liga mehr Besucher anzieht?

Das ist ein Thema, das uns seit Jahren beschäftigt. Wir wünschen uns natürlich auch mehr Zuspruch von außerhalb. Aber wir können keinen zwingen. Andere Landesliga-Vereine werden sicher höhere Zuschauerzahlen aufweisen.

Familie, Haus, Beruf und Fußball: Wie wollen Sie das alles in der Landesliga unter einen Hut bringen?

Ich denke, ich bin nicht der Einzige, der so ein Leben führt. Das funktioniert schon alles. Es gab bei mir schon Zeiten mit einem deutlich größeren Mehraufwand.

Ist Zeit für einen Sommerurlaub mit Frau und Kind?

Ja, wir fahren in der ersten Ferienwoche nach Bayern und genießen die Zeit mit unserer kleinen Tochter.

Das Gespräch führte Jürgen Schwarz.