merken
PLUS Meißen

"Wir wurden behandelt wie Kriminelle"

Ein Polizeieinsatz am Waldbad Oberau sorgt für Kritik. Die Polizei rechtfertigt das Vorgehen.

Stühle rein in die Bungalows und ab nach Hause. Der Aufenthalt im Waldbad Oberau ist jetzt auch für die Bungalowbesitzer verboten.
Stühle rein in die Bungalows und ab nach Hause. Der Aufenthalt im Waldbad Oberau ist jetzt auch für die Bungalowbesitzer verboten. © Archivfoto: Claudia Hübschmann

Niederau. Einen Polizisten sieht man normalerweise am Waldbad in Oberau nicht. Am vergangenen Sonntag war das anders. Laut Augenzeugenberichten marschierten 20 bis 25 Beamte der Bereitschaftspolizei auf, die mit mehreren Fahrzeugen angerückt waren.  Ziel waren Besitzer von Bungalows im Waldbad wie ein Meißner (Name ist der Redaktion bekannt) aussagt.

Denen hatte die Gemeinde Niederau,  die Eigentümer des Waldbades ist, ausdrücklich erlaubt, dass sie sich auf ihren Grundstücken aufhalten dürfen. Nur Übernachten ist derzeit nicht gestattet. Und auch gar nicht möglich. Denn Strom und Wasser sind abgestellt. Wegen der Coronakrise verschiebt sich die für Ostern geplante Eröffnung des Campingplatzes auf unbestimmte Zeit. 

Anzeige
Verkaufstalente aufgepasst!
Verkaufstalente aufgepasst!

Die August Holder GmbH in Dresden sucht Außendienst-Profis: Unbefristete Anstellung, geregelte Arbeitszeiten, attraktive Bezahlung und Firmenwagen.

Fremde dürfen sich also dort nicht aufhalten, Bungalowbesitzer waren davon ausdrücklich ausgenommen. Mitarbeiter der Gemeinde hätten ihnen noch gesagt, dass sie sich in ihren Bungalows aufhalten dürfen, jedoch nicht zu lange und über Nacht. Auch Besuch dürften sie nicht empfangen. Von einem generellen Betretungsverbot sei nicht die Rede gewesen. 

Umso überraschter waren die zumeist älteren Leute von dem großen Polizeiaufgebot. Um 12.30 Uhr sei noch keine Polizei dagewesen. Um 14 Uhr hätten Polizisten mit Handschellen das Eingangstor arretiert. Und gegen 16.30 Uhr hätten etliche Beamte am Tor gestanden und Ausgangskontrollen durchgeführt.  "Wir mussten unsere Ausweise abgeben, uns in unsere Autos setzen und durften diese nicht verlassen. Wir fühlten uns wie Kriminelle", sagt der Meißner.  

Überrascht waren die Bungalowbesitzer auch davon, dass am Tor plötzlich ein Schild stand, welches das Betreten des Campingplatzes untersagte und bei Zuwiderhandlungen ein Bußgeld von 150 Euro androhte. Dieses Schild sei zur Mittagszeit, als er den Campingplatz betrat, noch nicht da gewesen. 

 "Die Beamten waren zwar sehr freundlich, haben uns belehrt, dass wir den Platz nicht mehr betreten dürfen und wenn wir es doch tun, dies ein Straftat ist. Aber die martialische Art und Weise musste meiner Meinung nach nicht sein.  Wir sind alle erwachsene Menschen. Da hätte doch ein mündliche Belehrung gereicht ", sagt der Meißner. 

Irritiert hat ihn auch, dass eine Polizistin sofort Schutzmasken an ihre Kollegen verteilte, als die Bungalowbesitzer auftauchten, so, als hätten sie die Pest. Er fragt sich auch, wieso plötzlich so viel Polizei auftauchte. "Da muss uns jemand denunziert haben", vermutet er. 

Die Polizei verteidigt ihr Vorgehen. Sie habe Informationen erhalten, dass es auf dem Campingplatz ein Verhalten gebe, das nicht den Regeln der Allgemeinverfügung entspreche, heißt es aus dem Lagezentrum. So hätten die Leute in Gruppen zusammengestanden oder -gesessen, Kinder hätten auf dem Spielplatz gespielt. 

"Das Verhalten entsprach nicht den Schutzzwecken der Allgemeinverfügung. Der Campingplatz war deshalb zwingend zu schließen", so die Polizei. Insgesamt seien von 55 Personen die Personalien aufgenommen worden. Dies sei notwendig, um im Wiederholungsfall reagieren zu können.

 Man habe es an diesem Tag jedoch bei mündlichen Verwarnungen belassen, die Situation also mit dem mildesten kommunikativen Mittel gelöst. Ob die Betroffenen mit einem Ordnungs- oder Verwarngeld rechnen müssen, ist zwar eher unwahrscheinlich,  die Polizei kann es aber nicht sagen. Dies sei eine Entscheidung der Bußgeldstelle.

Der Meißner und andere Bungalowbesitzer sehen ein, dass der Platz geschlossen wurde, werden sich an die Anordnung halten. Die Art und Weise des Polizeieinsatzes verstehen sie nicht. "Wir waren und sind uns keines Vergehens bewusst. Hier wurde mit Kanonen auf Spatzen geschossen", sagt er. Er habe seine 87-jährige Schwiegermutter dabei gehabt. Obwohl sie zwei Diktaturen in Deutschland erlebt habe, sei die unbescholtene Frau von dem Polizeieinsatz sehr mitgenommen gewesen.

Zum Thema Coronavirus im Landkreis Meißen berichten wir laufend aktuell in unserem Newsblog!

Mehr zum Thema Meißen