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Wird aus dem Bahnhof ein Islamzentrum?

Der Bahnhof Waldheim soll angeblich an eine islamische Gruppe verkauft werden. Ist das nur ein Geschäftsmodell?

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Von Cathrin Reichelt und Jens Hoyer

Wird aus dem Waldheimer Bahnhof eine islamische Begegnungsstätte? Diese Frage steht seit gestern Nachmittag im Raum. Leonardo Spettmann hatte den Bahnhof Ende des vergangenen Jahres für 4 600 Euro ersteigert. Gestern will er einen Vorvertrag für den Verkauf des maroden Gebäudes an den Vertreter einer islamischen Gruppe aus Nordafrika unterschrieben haben – für etwa 120 000 Euro. Das wäre knapp das 27-fache dessen, was er selbst bezahlt hat. Bis zur endgültigen Vertragsunterzeichnung würden noch zwei bis drei Monate vergehen. Es seien noch einige Formalien zu erledigen, sagte Spettmann, ohne konkret zu werden. Der Käufer wolle sich gegenüber der Presse noch nicht äußern.

Was ist wirklich dran am Käufer mit islamischen Hintergrund? In Olsbrücken bei Kaiserslautern hatte es in den vergangenen Wochen viel Wirbel um den dortigen Bahnhof gegeben. Besitzer ist laut einem Kaufangebot auf der Internetplattform „Immonet“ Leonardo Spettmann. Auch dieser Bahnhof sollte angeblich an eine islamische Gruppe verkauft werden. Die rechtsradikale NPD rief zu Protesten auf. Das Bündnis „Olsbrücken gegen rechts“ bezeichnet es dagegen als einen Trick des „Investors aus Düsseldorf“, um die Preise für seine Immobilien in die Höhe zu treiben.

Spettmann hatte den Waldheimer Bahnhof unter dem Titel „Partyzone für Hardcore People“ bei Ebay angeboten. Anfangs habe es Interessenten aus der Designerbranche, aus dem Diskothekenbereich und für einen Flohmarkt gegeben. Auch die NPD habe bei ihm angefragt, sagte der Geschäftsmann. Sie sei als Verhandlungspartner nicht infrage gekommen.

Die „islamische Gruppe aus Nordafrika“ dagegen schon. Spettmann sagte, dass er das Gefühl habe, dass die Gruppe das Tragen der Burka in Deutschland noch ausleben könnte, nachdem es in Frankreich und Belgien ein Burkaverbot gibt. Allerdings stehe noch nicht fest, wie der Bahnhof genutzt werden soll.