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Wird das Dresdens neuer Lieblingsort?

Noch ist das japanische Palais unmanierlich.Junge Architekten und Künstler zeigen, wie es in Zukunft aussehen könnte

Ein Platz, an dem man sich gern begegnet, könnte der Hof des Japanischen Palais in Zukunft vielleicht einmal werden.
Ein Platz, an dem man sich gern begegnet, könnte der Hof des Japanischen Palais in Zukunft vielleicht einmal werden. © Visualisierung: © aac

Das Japanische Palais ist der letzte noch unsanierte Museumsbau im Dresdner Zentrum. Was könnte man in diesem Haus nicht alles machen! Und was alles fand dort schon statt! Das Dresdner Museum für Völkerkunde mit dem Damaskuszimmer und die Senckenberg Naturhistorischen Sammlungen mit den Museen für Tierkunde und Mineralogie/Geologie haben dort ein ständiges Domizil. Das Archiv der Avantgarden ist zwischenzeitlich im Palais untergebracht, bis es ins eigens dafür umgebaute Blockhaus einzieht. Die erste Kinderbiennale der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden wurde dort präsentiert und war ein Erfolg. 

Die Staatlichen Kunstsammlungen haben das Japanische Palais damit zu einer innovativen Spielwiese gemacht, auf der sie relevante Themen publikumswirksam inszenieren. Sie machen perfekte Ausstellungen in einem imperfekten Haus. Doch der Dresdner, so scheint es, mag das Japanische Palais am liebsten, wenn der Palais-Sommer zu Konzert und Lesung und Film und Yoga im Freien lädt. Und für den Touristen wird der Weg ans andere Elbufer wahrscheinlich erst attraktiv, wenn man ihm ein Event bietet, also vielleicht mit einer Gondel über die Elbe schippert.

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Derzeit kann man sich im Palais anschauen, wie junge Menschen und internationale Künstler sich unser Morgen ausmalen. Die Schau „Die Erfindung der Zukunft“, für die im Innenhof ein Gemüsegarten angelegt und ein Café eingerichtet wurden, könnte aber gut und gern noch mehr Besucher vertragen.

Aktuell mischen sich erstmals junge Architekten in die Debatte um das Palais ein. In der Hamburger Academy for Architectural Culture, die von der gmp-Stiftung des renommierten Büros Gerkan, Marg und Partner finanziert wird, wurden im Frühjahrsworkshop 2019 vier Varianten für die Zukunft des Japanischen Palais erarbeitet. Einig sind sich alle vier Arbeitsgruppen: Das Haus muss geöffnet werden, zur Straße hin und zur Elbe. Man soll die Atmosphäre im Innenhof und im Garten auch dann genießen können, wenn man keine Ausstellung besuchen will. 

Alles nur ein Traum?

Schließlich steht. „Museo usui publico patens“ (Museum zum öffentlichen Gebrauch) über dem Portikus des Palais. Dieser „Gebrauch“ funktioniert trotz freiem Eintritt zu den meisten Ausstellungen noch lange nicht so gut wie in den Museen auf der anderen Elbseite, für deren Besuch man zur Kasse gebeten wird.

Wenn die Architektur-Visionäre aus Hamburg bauen könnten, würden sie das Palais in seiner historischen Qualität erhalten und es zu einem modernen Ausstellungshaus machen, in dem die Menschen sich willkommen fühlen und das den Ansprüchen der Museen gerecht wird.

Die Staatlichen Kunstsammlungen haben inzwischen beim Freistaat eine Bedarfsanmeldung, also einen Bauantrag, für das Japanische Palais eingereicht. Die Senckenberg Naturhistorischen Sammlungen wurden nicht gefragt. Kaum vorstellbar, dass sie sich mit den 380 Quadratmetern im Palais zufriedengeben, die ihnen derzeit vertraglich zugesichert sind. Seit 2013 liegt dem Freistaat eine Konzeption für eine ständige Ausstellung der Naturhistorischen Sammlungen vor. Mit ihren Beständen ließe sich ein ganzes Haus atemberaubend füllen. Doch an so einem Museum scheint weder in der Stadt noch im Land Interesse zu bestehen. In der Senckenberggesellschaft ist kein Geld da für einen Neubau. Aber träumen wird man noch dürfen. So, wie die jungen Architekten.

Die Erfindung der Zukunft“, bis 3. November im Japanischen Palais, Dresden, Palaisplatz 1; Di – So, 10 bis 18 Uhr, Eintritt frei.

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